Kunst Ein Fundament und bislang 1000 Gesichter

Das Fundament für das Münsterturm-Projekt von Ralf Milde (rechts) wird auf den Judenhof gelegt.
Das Fundament für das Münsterturm-Projekt von Ralf Milde (rechts) wird auf den Judenhof gelegt. © Foto: Martina Dach
Ulm / VERENA SCHÜHLY 20.08.2015
Jetzt liegt er da - aus Beton und sechs Tonnen schwer: Der Grundstein für Ralf Mildes Münsterturm-Kunst-Projekt am Judenhof. Ein Radlader hat die massive Platte an Ort und Stelle gelupft.

Jetzt liegt er da - aus Beton und sechs Tonnen schwer: Der Grundstein für Ralf Mildes Münsterturm-Kunst-Projekt am Judenhof. Ein Radlader hat die massive Platte an Ort und Stelle gelupft. Eigentlich wäre die Bezeichnung Fundament besser, aber mit dem nicht ganz zutreffenden Begriff lässt es sich besser zurückschauen - zur Grundsteinlegung des Münster-Originals vor 638 Jahren.

Im Jahr 1377 gab es lediglich einen mit Flaschenzug betriebener Kran, um den ersten Steinblock in die Baugrube zu hieven. Das Grundstein-Relief im Münster zeigt die Szene zugespitzt: Der damalige Bürgermeister Lutz Krafft und seine Frau wuchten ein Modell der Kirche auf die Schultern des ersten Baumeisters Heinrich Parler. Dieser geht unter der Last tief in die Knie. Außerdem scheint er zu stöhnen. Dass das Modell noch die ursprünglich geplante Hallenkirche mit drei gleichhohen Türmen zeigt, die Parlers Nach-Nach-Nachfolger Ulrich von Ensingen zugunsten eines überragenden Hauptturms änderte, spielt an dieser Stelle keine Rolle.

Im Gegensatz zu Parler wurde Benefiz-Münsterturm-Baumeister Milde bei der Grundsteinlegung nicht in die Knie gezwungen. Das mag daran liegen, dass Ralf Milde seinen Turm im verkleinerten Maßstab 1:10 baut. Oder dass er eben auf PS-starke Hilfe setzt.

Seine Idee von "Wir sind Münsterturm" ist es, dem Turm ein Gesicht zu geben - oder besser gesagt: viele Gesichter. Denn in dem stilisierten Nachbau wird Ralf Milde vertikale Stahlseile spannen und daran Plexiglaswürfel mit Porträts von Menschen klemmen. Der freie Kulturschaffende und FDP-Stadtrat sieht das im Jubiläumsjahr als "Hommage an die Leute, die seit 1377 am Münster und seinem Turm bauen".

Nachdem das Fundament liegt, kann der Aufbau beginnen. Wer sein Konterfei dafür zur Verfügung stellen will, kann sich bei Milde melden - und mit 10 Euro sind Interessierte dabei. Von der Summe kommen 1,61 Euro dem Bauunterhalt des Münsters zugute. Der Initiator hofft, dass 12.000 Leute mitmachen. "Die ersten 1000 Würfel sind schon weg", berichtet er. Viele Einzelpersonen machen mit, aber auch Firmen, die Würfel für ihre Mitarbeiter, Kunden oder Azubis kaufen. In manchen Fällen soll das gegenseitige Foto-Shooting für die Porträts sehr lustig gewesen sein.

Fürs Bearbeiten der Fotos setzt Milde auf digitale Technik. Aber beim Spannen der Stahlseile ist doch wieder gute alte Handarbeit gefragt.