Kampagne Ein Festival gegen Rassismus

Ulm / cmy 12.06.2018

Universitäten und Hochschulen gelten gemeinhin als Orte der Weltoffenheit. Doch das ist scheinbar keine Selbstverständlichkeit mehr. An Pinnwänden auf dem Campusgelände am Oberen Eselsberg etwa finde man zunehmend anonyme Flyer und Aufkleber, die gegen eine angebliche „Islamisierung“ der Gesellschaft  mobil machen oder zu Patriotismus an Hochschulen aufrufen, sagt Laurin Faust. Der Biochemie-Student will das nicht überbewerten: Wahrscheinlich handele es sich um Einzelaktionen – die aber gleichwohl im Zusammenhang mit einer Rechtsdrift der Gesellschaft stünden.

Auch um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, hat Faust mit einem Dutzend überwiegend studentischer Mitstreiter das „Festival contre le racisme“ (siehe Infokasten) organisiert, das zum dritten Mal in Ulm stattfindet und bis 24. Juni dauert. „Die meisten aus unserem Team sind mit der gegenwärtigen politischen Situation unzufrieden“, sagt der 23-Jährige.  Mit den Veranstaltungen des Festivals verfolge man vor allem ein Ziel: aufzuklären.  „Wer sich mit einem Thema fundiert beschäftigt, wird unanfälliger für Polemik.“

Für ihr bisheriges Engagement hat die studentische Initiative bereits Rückenwind bekommen. Von der Uni gab es beim jüngsten „Dies academicus“ einen Sonderpreis (wir berichteten), auch beim bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“, hinter dem die Bundesregierung und die Bundeszentrale für politische Bildung stehen, wurden die Studenten mit einer Auszeichnung bedacht.

Die aktuelle Kampagne steht unter der Überschrift „Nur Hingucken reicht nicht“ und nimmt Bezug auf überregionale wie lokale Vorkommnisse. „Pläne zur gesellschaftlichen Isolation von Geflüchteten in Ankerzentren aber auch die populistischen Kolumnen eines Walter Feucht im Ulmer Magazin Spazz sind unserer Meinung nach nicht hinnehmbar“, sagt Faust.

Dass die 21 meist kostenlosen Veranstaltungen, darunter viele Vorträge, längst nicht alle spaßbefreit sind, sondern durchaus unterhaltsam sein können, zeigt folgender Überblick.

Beim Planspiel „Heesenbeeck integriert“ am morgigen Mittwoch (12.30 Uhr) im Verschwörhaus versuchen die Teilnehmer, ein Vereins- und Traditionsfest in einer fiktiven Stadt in ein Integrationsfest umzuwandeln – es geht darum, unter den zahlreichen  Akteuren eine Kompromisslösung auszuhandeln.

Beim Klangkostfestival am kommenden Samstag auf dem Südlichen Münsterplatz (Beginn 14 Uhr) gibt es Live-Musik und zig Suppen umsonst – man muss lediglich eine eigene Schüssel mitbringen. Dazu stellen sich alle Ulmer Vereine vor, die antirassistische Arbeit leisten.

Am Montag, 18. Juni (19 Uhr, Hörsaal 8 der Uni), berichtet Jana Walter von der menschenunwürdigen Situation in Calais – die Frauenärztin  betreut dort vor allem Flüchtlingsfrauen.

Am Mittwoch, 20. Juni, gibt es im Café Animo  am Karlsplatz ein Filmprojekt von und mit Geflüchteten (20 Uhr). Gezeigt werden die drei Kurzfilme: „Afghan Stories“, „Küchenschlacht“ und „Donau Blues“.

Und weil Weltmeisterschaft ist, darf auch der Fußball nicht zu kurz kommen. Beim „Kick gegen Rassismus“ am Samstag, 23. Juni, im Sportzentrum Oberer Kuhberg (Beginn 10 Uhr) treten zahlreiche internationale Hobby-Teams gegeneinander an.

Info Das komplette Programm im Internet unter www.fclr-ulm.de

Ursprung liegt in Frankreich

Festival „Für Courage, gegen Rassismus und menschenverachtende Einstellungen“ ist das Motto des „Festival contre le Racisme“ (FCLR).  Seinen Ursprung hat es in Frankreich, wo im Jahr  1995 der Studentenverband UNEF erstmals ein solches Festival veranstaltete. Über die Jahre hat sich das Konzept weiterverbreitet. Heute gibt es das FCLR an zahlreichen deutschen Hochschulen.