Einstein Ein Einstein-Museum für Ulm

Was der berühmteste Physiker aller Zeiten wohl von dieser Idee halten würde? Mit einem Einstein-Science-Center könnte Ulm Touristen aus aller Welt anlocken, glauben Dr. Nancy Hecker-Denschlag und Gerhard Weber.   
Was der berühmteste Physiker aller Zeiten wohl von dieser Idee halten würde? Mit einem Einstein-Science-Center könnte Ulm Touristen aus aller Welt anlocken, glauben Dr. Nancy Hecker-Denschlag und Gerhard Weber.    © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christoph Mayer 07.11.2016

Als die aus den USA stammende Physikerin Dr. Nancy Hecker-Denschlag 2009 nach Ulm zog, dachte sie: Das kann ja wohl nicht wahr sein. Da hat die Stadt mit Albert Einstein den berühmtesten Physiker aller Zeiten zum Sohn und wuchert nicht mit diesem Pfund, sondern übt sich in schwäbischer Bescheidenheit – „obwohl Einsteins Ideen die Welt verändert haben“, wie sie sagt. Als Mutter zweier schulpflichtiger Söhne stellte sie in den darauffolgenden Jahren zudem fest, dass Naturwissenschaften, speziell die Physik, in der Schule eher stiefmütterlich behandelt würden. „Schade eigentlich.“ Aktiv wurde sie – noch – nicht.

Vielleicht auch, weil Hecker-Denschlag damals nicht ahnte, dass sie bereits einen Verbündeten im Geiste hatte. Den Ulmer Patentanwalt Gerhard Weber – ebenfalls Physiker – trieben seinerzeit ähnliche Gedanken um: ein Science-Center im Herzen der Stadt, das einerseits Albert Einstein würdigen und andererseits das seiner Meinung nach in Deutschland bescheidene Image der Physik aufpolieren würde, das wär’ doch was.

2013 hatte Weber eine Initiative gestartet, mehrere Gemeinderäte wie auch den damaligen Oberbürgermeister Ivo Gönner angeschrieben, um zu erfragen, ob sie für eine solches Vorhaben Sympathien entwickeln könnten. Die Sache verlief im Sande.

Konzept fußt auf drei Säulen

Erst der Ulmer Physikprofessor Othmar Marti brachte die Angelegenheit im vergangenen Jahr wieder ins Rollen. „Tut Euch doch mal zusammen“, riet er Hecker-Denschlag und Weber. Es war der Beginn einer Initiative, die vor wenigen Wochen mit der Gründung des „Vereins der Freunde eines Albert-Einstein-Museums in Ulm“ vollends Fahrt aufnahm. Der Verein zählt mittlerweile schon gut 50 Mitglieder, berichten die Vorsitzende Hecker-Denschlag und Schriftführer Weber.

Zahlreiche Uni-Professoren, darunter der Vizepräsident für Forschung, Joachim Ankerhold, sind mit von der Partie, auch das Zentrum für Integrierte Quantenwissenschaft und Technologie mit namhaften Forschern wie Martin Plenio oder Fedor Jelezko gehört zu den Unterstützern.

Was dem Verein vorschwebt, hat wenig mit Einstein-Nostalgie zu tun. „Unser Konzept fußt auf drei Säulen“, sagt Weber. Säule eins: ein Museum, das die Person Einstein und seine Beziehung zu Ulm beleuchtet. Säule zwei: eine Ausstellung, die quantenphysikalische Themen populärwissenschaftlich und „peppig“ (Weber) aufbereitet. Säule drei: ein interaktiver Mitmach-Part für Kinder und Erwachsene.

Billig wird das nicht zu haben sein. Weber geht von einer Investition in Höhe von 15 bis 20 Millionen Euro aus. Das Geld dafür soll größtenteils von Firmen und privaten Sponsoren kommen. Utopisch? Nein, findet Hecker-Denschlag. „Wenn man schlüssig erklären kann, was für eine Bereicherung so ein Science-Center für die Stadt auch unter touristischen Aspekten wäre, findet man Leute“, ist die 50-Jährige überzeugt. Zumal es in Ulm und Umgebung viel Reichtum gebe. In ihrer Heimat, den USA, sei privates Sponsoring gang und gäbe, sagt die Physikerin, die in Harvard studiert und promoviert hat und zur American Physical Society Kontakte unterhält. Warum nicht auch dort nach Sponsoren Ausschau halten?

Voraussetzung für eine Spenderakquise, die Hand und Fuß hat, sei allerdings eine Unterstützung durch die Stadt und den Gemeinderat. In den kommenden Monaten will der Verein deshalb an die Fraktionen und die Stadtverwaltung herantreten und für sein Anliegen werben. „Erst wenn der Gemeinderat einen Grundsatzbeschuss gefasst hat und signalisiert, dass er voll und ganz hinter der Idee steht, macht es Sinn ein, detailliertes Konzept zu entwerfen und Sponsoren zu suchen“, sagt Weber.

Einen idealen Standort für das drei- bis vierstöckige Gebäude mit dann etwa 5000 Quadratmetern Nutzfläche haben die Museumsfreunde schon ausgemacht: den ehemaligen Busbahnhof neben dem Hauptbahnhof. Nach dem Bau der Tiefgarage dort – geplante Fertigstellung 2021 – stehe der Platz grundsätzlich für eine wie auch immer geartete Bebauung frei. Baubürgermeister Tim von Winning habe dies bekanntlich signalisiert.

Dass der laufende Betrieb sich rechnen würde, davon sind Hecker-Denschlag und Weber überzeugt. Ähnliche Science-Center in anderen Städten, etwa die Phänomenta in Flensburg, lockten an die 100.000 Besucher pro Jahr an. Bei kalkulierten Eintrittspreisen von 10 Euro pro Erwachsenem und 5 bis 7 Euro pro Kind dürfte sich das Einstein-Museum weitestgehend selbst tragen, sprich: der städtische Pro-Kopf-Zuschussbedarf wäre gering – geringer jedenfalls als fürs Ulmer Museum. Weber: „Das wäre ein richtiges Schnäppchen für die Stadt.“

Kulturbürgermeisterin Iris Mann zumindest steht der Initiative („eine gute Idee“) schon mal wohlwollend gegenüber. „Wenn der Verein ein schlüssiges Konzept für Bau und Betrieb vorlegen kann, soll es am Grundstück nicht scheitern.“ Ob es wirklich der Standort Busbahnhof sein müsse, könne man einstweilen noch offen lassen. „Wir würden schon einen angemessenen Platz finden.“

Was in Ulm nach Einstein benannt ist – und was nicht

Namenspatron

Er verließ mit seiner Familie Ulm wenige Monate nach seiner Geburt und kehrte nur einmal zurück. Gleichwohl sind in Ulm viele Plätze, Straßen, Einrichtungen und Veranstaltungen nach Albert Einstein benannt: allen voran das Einstein-Haus der vh. Überregionaler Beliebtheit erfreut sich der alle Jahre im September stattfindende Einstein-Marathon. Zudem gibt es die Einsteinstraße in der Weststadt, die Albert-Einstein-Allee auf dem Uni-Campus, das Einstein-Denkmal von Max Bill am Geburtshaus in der Bahnhofstraße, den Einstein-Brunnen von Jürgen Gortz auf dem Zeughausgelände, das Albert-Einstein-Schulzentrum in Wiblingen und den Einsteinsaal im CCU. Weiterhin das Café Einstein im Basteicenter und ein Café der Studierendenvertretung an der Uni, zudem die Einstein-Boulderhalle für Kletterer und das Einstein-Chapter der Harleyfahrer. Eine Umbenennung der Uni in Albert-Einstein-Universität scheiterte 2007 am Veto der Hebrew University in Jerusalem, die die Namensrechte hält.

Info

Wer mehr über den Verein erfahren will oder sich für eine Mitgliedschaft interessiert: Infos im Internet unter www.aemuseum-ulm.de

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