Ulm Ein Besuch im Nagelstudio

Ulm / ULRIKE SCHLEICHER 08.10.2016
Aussehen. Ein Besuch im Nagelstudio zeigt: Grellbunte Nägel sind nicht mehr ganz so in – Farbe dagegen schon. Jetzt im Herbst und Winter vor allem dunkle Farben in Beerentönen.

Man muss sich vorstellen die Nase juckt, man will sich kratzen und auf jedem der Fingernägel klebt ein Fellpuschel. Könnte schwierig werden. Tatsächlich ist Kunstfell auf jedem der zehn Fingernägel der neueste Schrei auf der New York Fashionweek gewesen.

Der Fingernagel als Kunstobjekt: Ein Trend, der sich überall auf der Welt vorwiegend auf Frauenhänden durchgesetzt hat. Auf kleinstem Raum sieht man Blumen, Ornamente, Tiere, man kann kluge Sprüche lesen, jeden Nagel unterschiedlich gestalten und man kann sogar das Konterfei eines Menschen darauf malen lassen – wie die Sängerin Katie Perry. Auch Materialien wie Strass und Edelsteine verzieren die Platte aus Keratin, die die Fingerkuppen des Menschen schützt.

Im Nagelstudio Nailistic im Ulmer Fischerviertel wird man solches Zubehör nur bedingt finden. Dort hat Eva Rama auch nicht die Kunden für solche Ideen. „Zu mir kommen Geschäftsfrauen, die viel unterwegs sind.“ Deren Priorität: Fingernägel, die gepflegt sind. Mit und ohne Farbe.

Kunststoffnägel nicht gefragt

Als Nageldesignerin braucht man mehr als eine ruhige Hand und künstlerisches Talent. Nämlich eine Ausbildung wie die gebürtige Polin bei der vorherigen Eigentümerin des Studios in der Fischergasse eine gemacht hat. „Ich habe dort vorher ein paar Jahre mitgearbeitet, Fingernägel waren schon immer mein Ding“, sagt die 35-Jährige. Die Ausbildung – es sind mehrere Kurse sowie praktischer Unterricht – sei wichtig: „Man muss Krankheiten erkennen können, man befasst sich mit Hygiene, man lernt, welche Inhaltsstoffe Lacke und Gele haben“, erklärt sie.

Stichwort Gele. Sie haben die aufsteckbaren Kunstnägel weitgehend abgelöst. „Die meisten Frauen wollen heute Gelnägel, weil ihre Nägel brüchig sind zum Beispiel.“ Gelnägel bestehen aus mehreren Schichten Kunststoff, die Eva Rama entweder völlig neu aufbringt oder wieder auffüllt. Anschließend härten sie unter LED-Licht aus, werden in Form gefeilt und mit einer letzten Schicht versiegelt.

Dann werden sie modelliert. „Das ist Geschmackssache, manche wollen sie länger, oval, kantig.“ Sie lasse sich von der Form der Hand leiten: Kurze breite Hände brauchen eine optische Verlängerung. Da mache es etwa keinen Sinn, den Nagel kantig zu feilen. „Das sieht dann aus wie eine Schaufel.“

Natürlich designt Eva Rama auch, wenn es gewünscht ist. „Manche Frauen kommen mit Vorlagen aus dem Internet oder Magazinen.“ Aber: Grellbunte Nägel sind mehr was für junge Frauen. Und alles geht bei ihr auch nicht. Entweder, weil ihr die Ausrüstung dazu fehlt. Oder: „Weil ich es schlichtweg nicht hinbekommen würde.“ Das sagt sie dann und meistens komme ein guter Kompromiss zustande. Spaß macht ihr das auf jeden Fall. „Ich habe auch die Geduld dafür.“

Die klassische Maniküre wollten nur noch wenige, sagt sie. Jede Behandlung beginnt ohnehin mit der genauen Begutachtung der Fingernägel. Sind sie brüchig, verfärbt, haben sie Dellen, sind sie verdickt? „Manche haben etwa einen Pilz und wissen es nicht. Dann schickt sie die Kunden zum Arzt.“ Die 35-Jährige arbeitet zudem mit Handschuhen und setzt auch einen Mundschutz auf.

Ansonsten werden die Finger gebadet, die Nagelhaut wird mit einer Fräse entfernt, die Reste zupft sie anschließend sanft weg. Die Feilen sind im Grunde die gleichen, die man in den Drogerien bekommt: Eine Glasfeile ist wichtig, weil sie nicht heiß wird und den Nagel schont, sagt Eva Rama. Dann gibt es grobere für Kunst- und Gelnägel, die schon an Schleifpapier aus dem Schreinereibedarf erinnern.

Und es gibt welche zum Polieren, um den Nagel nach dem Feilen wieder zu verschließen. Von den Metallfeilen, die oftmals in der Kombination mit Scheren verkauft werden, hält sie nicht viel: „Die macht die Nägel brüchig.“ Ihre Fräse hat einen Staubsauger und dient dazu, das Gel relativ schnell abzutragen: „Das spart echt Zeit.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Nagelstudios verwendet Eva Rama nur Produkte ohne Acryl.  „Das ist eine Säure, die ich nicht auf meinen Nägeln haben möchte.“ Die teureren Produkte wirken sich auf den Preis aus. Bei Eva Rama kosten die Behandlungen mehr als in anderen Studios. Nagellack auftragen, ist eine Wissenschaft für sich: „In drei Strichen muss die Schicht aufgetragen sein“, sagt sie. In der Mitte fängt man an und schließt die Lücken links und rechts. „Auf jeden Fall gehören ein Unter- und Überlack dazu“, betont sie. Einfach, weil die Farbe auf die Nägel abfärbt. Mit einem Überlack glänze die Farbe schöner.

Der French-Look sei out. „Jetzt ist Farbe im Trend“, sagt sie und findet das auch schön, weil die Farben so satt aussehen. Nagellack-Neulingen empfiehlt die 35-Jährige trotzdem dezente Frenchvarianten: ganz weiß, milchig und ganz natürlich. Von der Länge her sind Nägel kurz oder sie werden als „Stilettos“ getragen, das sind lange, schmale Nägel. Wer sich dafür entscheidet, muss allerdings geschickt sein. Spätestens, wenn man am EC-Karten-Automat steht, wird man merken, dass das Herausziehen der Karte mit Stilettos zur Herausforderung wird.

Tipps für schöne Fingernägel

Schonen Am besten ist es, sagt Eva Rama, beim Putzen Handschuhe zu tragen. „Putzmittel verfärben die Nägel und machen sie brüchig.“ Handcremes, die der Haut Feuchtigkeit zuführen, seien besser als fetthaltige. Man kümmere sich viel zu wenig um Nägel. Zum Beispiel müsse man viel trinken, um den Nagel elastisch zu halten. Auch Nagelbett und- haut sollten mit speziellen Produkten gepflegt werden. Da der Nagel pro Woche im Schnitt einen Millimeter aus dem Nagelbett heraus wächst, sollte man den Gelnagel alle vier Wochen nachmodellieren lassen. Eine Maniküre am natürlich belassenen Nagel reiche alle sechs Wochen. Der Trend im Herbst bei Nagellack sind dunkle beerige und lila Töne, Petrolgrün, auch Gold und Silber. Termine und Infos unter nailistic.de

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