Ulm Ein besonderes Kapitel Stadtgeschichte

Der Fußballplatz der Wilhelmsburg: Hier spielt der VfB Ulm, wie die Zawiw-Historiker recherchiert haben, mit Walter Kaufmann (links) und Manfred Fenske (am Torwart). Foto: SWP-Archiv
Der Fußballplatz der Wilhelmsburg: Hier spielt der VfB Ulm, wie die Zawiw-Historiker recherchiert haben, mit Walter Kaufmann (links) und Manfred Fenske (am Torwart). Foto: SWP-Archiv
JAKOB RESCH 11.02.2013
Der Zawiw-Arbeitskreis zur Zeitgeschichte hat mit seinem jüngsten Werk über die Wilhelmsburg einen Volltreffer gelandet. Der Band übers Leben dort nach dem Krieg erscheint jetzt in zweiter Auflage.

Schon beim ersten Leseabend zum Thema im Herbst war die Bude überraschend voll. "Die Wilhelmsburg 1945 bis 1960: eine Stadt in der Stadt", das ist ein Thema, das die Ulmer schwer zu interessieren schien. Als der Arbeitskreis für Zeitzeugen-Arbeit des Zentrums für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung an der Uni (Zawiw) dann die schriftliche Fassung dazu vorlegte, waren die 200 Exemplare im Nu vergriffen. Jetzt haben die Mitarbeiter weitere 200 nachgelegt (siehe Info).

Der Erfolg des Werks bahnte sich schon bei der Herstellung an (wir berichteten). Immer mehr Zeitzeugen fanden sich und kannten wieder andere, die aus dem Leben in der Burg berichten konnten, weil sie dort wohnten oder zur Schule gingen. Tatsächlich nimmt den Leser schon die erste Seite in Beschlag, beim Stöbern im Adressbuch-Ausriss von 1949: Wilhelmsburg. Dort oben auf dem Michelsberg finden sich auch viele bekannte Ulmer Namen, im Februar 1951 waren es 1350 Menschen in 320 Wohnungen.

Zwei Besiedelungswellen gab es. Zuerst waren Ulmer untergebracht, Ausgebombte vor allem. Karl Völker vom Arbeitskreis: "Die Leute fühlten sich wohl." Dann wurde das Lager geräumt, aber die Amerikaner nutzten es doch nicht militärisch. Jetzt war Platz für DDR-Flüchtlinge. "Da wurde es eng. Im Prinzip gab es kein Privatleben mehr."

Der Zawiw-Band lebt neben akribischer Archivrecherche vor allem von den Berichten der Befragten. Völker: "Unser Ziel war es nicht, ein Geschichtsbuch zu schreiben, sondern die Menschen mit einzubeziehen." Auch wenn damit nun "pure Stadtgeschichte" dokumentiert ist.

Und noch bevor die Arbeit abgeschlossen war, hatte sie sich bereits gelohnt, wie Hellmuth Mößle vom Arbeitskreis erzählt: "Es haben sich Leute von damals wiedergetroffen." Und es sind neue Geschichten angestoßen worden, wie die eines Schwäbisch Hallers, dessen Vater einst als Donauschwabe in der Wilhelmsburg lebte und dessen Bekannte der Sohn jetzt über Bilder wiederfinden will. Und bei der Awo, die den Kindergarten in der Wilhelmsburg betrieben hat, ist ein Schatz alter Fotos aufgetaucht. Und eine Zeitzeugin sagte: "Schreibt ins Buch meinen Mädchennamen rein, damit sich die Leser an mich erinnern."

Info Den Wilhelmsburg-Band vom Zawiw-Arbeitskreis gibt es in den Buchhandlungen Jastram und Aegis, 166 Seiten, viele Fotos, 12,50 Euro.