Konzert Ein Abend, der unter die Haut geht

Ulm / Burkhard Schäfer 08.01.2019

Der Dreikönigstag ist für viele der letzten Höhepunkt der Kern-Weihnachtszeit. Der Chor Cantus Novus und dessen Leiter Helmut Steger ließen diesen Tag mit Konzert zugunsten der Aktion 100 000 stimmungsvoll ausklingen. „Ein Kranz von Lobe-Chören“ war der Abend überschrieben, und viele Besucher hatten den Weg in die Georgskirche gefunden. Den Auftakt bestritt aber nicht der Chor, sondern das nach seinem ersten Geiger Eduard Sonderegger benannte Sonderegger-Ensemble mit Consuelo Valdés (Violine), Haruka Wetzler (Viola), Edwina Ionescu-Gaglio (Cello) und Yannick Sartorelli (Bass).

Nach der instrumentalen „Intrada Chromatica“ von Adam Jarzebski war der Chor an der Reihe und intonierte feierlich: „Hodie Christus natus est“. Spätestens jetzt waren alle Zuhörer gebannt, beim nächsten Stück „I Lift My Eyes“ von Bob Chilcott sogar gefesselt – und das aus gutem Grund. Denn nicht nur das Stück selbst ist stark. Großartig war vor allem auch das himmlische Harfenspiel von Verena Meurers-Zeiser, das dem Dreikönigsabend die Glanzlichter aufsetzte.

Ergreifend dargeboten

Ihren vielleicht intensivsten Auftritt hatte sie beim Zwischenspiel („Interlude“) von Benjamin Brittens Zyklus „A Ceremony of Carols“, dem Hauptwerk der Veranstaltung. Was für ein toller Geniestreich des 29-jährigen Britten! Und wie ergreifend dargeboten, sowohl von den Sängerinnen als auch von Meurers-Zeiser! Das musikalische Wunder des Abends: Der Spannungsbogen riss nicht ab, denn sowohl das anschließende „Au loin“ für Harfe und Englischhorn (fantastisch: Anja Tamaru-Solle) und „Ave generosa“ von Ola Gjeilo für Frauenchor a cappella gingen unter die Haut.

Bei den „Deux Danses“ von Claude Debussy hatte das Sonderegger-Ensemble wieder das Sagen, die „Zwei Hymnen“ von Joseph Gabriel Rheinberger bestritt souverän der Chor. Eine weitere Überraschung: die anspielungsreiche „Weihnachtliche Lied-Kantate“, von Chorleiter Helmut Steger selbst komponiert und überzeugend in Szene gesetzt. Dann, weil es so schön war, nochmals „I Lift My Eyes“, gefolgt von „Nunc dimittis“ des Briten Ben Parry. Nachdem Heike Viefhaus einen irischen Segenswunsch rezitiert hatte, ging es mit einem Arrangement aus Bachs „Der lieben Sonne Licht und Pracht“ und Johann Abraham Peter Schulz‘ „Der Mond ist aufgegangen“ in die Zielgerade des rundum beglückenden Konzerts. Gut, dass Steger und sein tolles Team noch eine Zugabe von John Rutter in petto hatten.

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