Bauprojekt Sedelhöfe: Eigenständiges Tor zur Ulmer City

Ulm / Von Frank König 22.03.2018
Das Ulmer Büro Mühlich Fink lockert die Front an den Sedelhöfen auf und plant ein Dachrestaurant mit Bar und Blick auf Ulm.

Für das Eingangstor zur City am Hauptbahnhof gibt es eine charmante städtebauliche Lösung. Ein Entwurf des Architekturbüros Mühlich Fink verhindert, dass im Verbund von Sedelhöfen und dem Neubau Bahnhofplatz 7 ein durchgehender 65-Meter-Riegel entsteht. Vielmehr baut Sedelhöfe-Investor DC nun ein transparent wirkendes Hotel mit Dachterrasse und Sky-Bar mit Blick über Ulm. Baubürgermeister Tim von Winning nannte das Haus bei der Präsentation von Skizzen im Rathaus im positiven Sinne „eigenwillig“.

Der Bauausschuss hat das Citytor, um das es kontroverse Debatten gab, schon abgesegnet. Im April beginnt der Abriss des Altgebäudes am oberen Ende der Bahnhofstraße, im Dezember der Neubau. DC investiert an der Stelle nochmal 40 Millionen Euro, nachdem die Sedelhöfe schon 200 Millionen kosten. Seitens des Projektentwicklers DC Developments will Lothar Schubert in dem siebenstöckigen Gebäude ein Zwei- bis Dreisterne-Designhotel mit rund 140 Zimmern unterbringen. Im Erdgeschoss entstehen 550 Quadratmeter Handelsflächen, die für mehrere kleine, regionale Händler flexibel aufgeteilt werden sollen. Die Bar im Dachgeschoss soll noch über eine Galerie verfügen.

Das Haus Bahnhofplatz 7 (rechts) unterscheidet sich klar von den Sedelhöfen (links): auch mit seiner Stufen-Dachterrasse.
Das Haus Bahnhofplatz 7 (rechts) unterscheidet sich klar von den Sedelhöfen (links): auch mit seiner Stufen-Dachterrasse. © Foto: DC

Der Ulmer Architekt Peter Fink erläuterte das Konzept, das zur Fußgängerzone hin ein abgestuftes Gebäude ähnlich wie „Schuppen“ vorsieht. So entstehen fünf Stufen, die sich nach Süden aufweiten. Die Stufen wiederholen sich auf dem Dach. Zum Bahnhof gibt es jedoch eine einheitliche Linie auf Höhe des ersten Gebäudes der Sedelhöfe. Zwischen beiden wurde nach von Winnings Worten nun auch mehr Platz für den Ausgang der Bahnhofspassage auf den neuen Albert-Einstein-Platz geschaffen.

Der Baubürgermeister nannte die städtebauliche Situation schwierig, zumal das Altgebäude in die Achse der Bahnhofstraße hineingestellt wurde: „Das wurde nach dem Krieg so gelöst.“ Im Zuge des Neubaus soll aber der Eingang der Fußgängerzone vom Bahnhof nochmal aufgewertet werden. Um mehr Platz zu schaffen, kommt auch mindestens eines der drei Baum-Rondelle weg.

Erste Ankermieter Ende 2018

Aus Sicht von Investor Schubert führt dieser neue Shared Space, den sich also Fußgänger und Lieferverkehr teilen, zu „mehr Lebendigkeit“. Er steht beim Bahnhofplatz 7 in Verhandlungen mit zwölf Hotelketten, von denen fünf in die engere Wahl kommen. In den Sedelhöfen selbst hat Schubert von 18.000 Quadratmetern Handelsfläche etwa 4000 an Edeka und DM vermietet. Er kündigte die ersten großen Ankermieter in der Sparte Textil-Mode für Jahresende an. Wegen starker Veränderungen im Handel mit wachsender Konkurrenz durch Online-Shops fielen Entscheidungen in den Chefetagen der Textilfilialisten zunehmend kurzfristiger. Im Hauptgebäude der Sedelhöfe, auf dessen Deckel auch 113 Mietwohnungen entstehen, sollen sich drei namhafte Modeunternehmen ansiedeln.

In den insgesamt drei Satelliten-Gebäuden sind außerdem Büros und Gastronomie vorgesehen. So zieht McDonald’s vom Con­tainer in das Haus neben dem Bahnhofplatz 7. In dem Gebäude an der Ecke zur Olgastraße will Schubert nun die Gastroflächen erweitern, entsprechende Anfragen von Systemgastronomie-Ketten liegen bei DC vor.

Der Betreiber des Restaurants mit Bar auf dem Dach vom Bahnhofplatz 7 bleibt vorerst offen: Das könnte einerseits das Hotel mit übernehmen, andererseits aus Sicht Schuberts auch ein regionaler Gastronom, „der Ulm kann“.

Der Manager strebt in jedem Fall an, die Sedelhöfe und den Bahnhofplatz 7 beide im Frühjahr 2020 fertigzustellen: „Das ist super ambitioniert.“ Der Bahnhofplatz 7 hat den bautechnischen Vorteil, dass hier keine Tiefgarage entsteht. Bei den Sedelhöfen hat Züblin nun das fast 19 Meter tief liegende und von 463 Pfählen eingerahmte Baufeld hergerichtet. In die Baugrube passen drei Tiefgaragen-Ebenen und das Untergeschoss der Sedelhöfe rein. Das Berliner Bauunternehmen Koha mischt dort Mitte April den ersten Beton für den Rohbau an.

In den Sedelhöfen steckt kein Geld der Kirche

Kapitalverwaltung DC Developments hat die Sedelhöfe an die Kapitalverwaltungsgesellschaft Aachener Grundvermögen verkauft. Sie betreut zu drei Vierteln Vermögen der katholischen Kirche. Die Sedelhöfe gehören nicht dazu. „Die Sedelhöfe haben wir für einen Fonds eines nicht-kirchlichen, institutionellen Anlegers erworben. An diesem Investmentfonds ist kein kirchlicher Vermögensträger beteiligt“, es stecke „kein Cent aus Kirchensteuergeldern“ in den Sedelhöfen, schreibt die Aachener Grundvermögen an einen Ulmer Katholiken, der Aufklärung über das finanzielle Engagement der Kirche wollte.

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