Neu-Ulm Ehrenamtsmesse Neu-Ulm: Hilfe und Helfer gesucht

Die Messe war eine Plattform für viele Organisationen, so auch für die Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum, den Weißen Ring (beide oben) und das THW. Geehrt wurden (von links) Waltraud Czyborra, Petra Daumann und Sonja Brückner.
Die Messe war eine Plattform für viele Organisationen, so auch für die Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum, den Weißen Ring (beide oben) und das THW. Geehrt wurden (von links) Waltraud Czyborra, Petra Daumann und Sonja Brückner. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / FRANK KÖNIG 08.03.2014
Ehrenamtlicher Einsatz ist für das Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbar. Das wurde bei der gut besuchten Ehrenamtmesse in Neu-Ulm deutlich.
Die Ehrenamtmesse mit 42 Ausstellern im Edwin-Scharff-Haus erwies sich gestern als Anziehungspunkt für Hilfsbedürftige und Helfer gleichermaßen. So drängten sich gleich nach Eröffnung viele Senioren um den Messestand des Reiseanbieters Videlis, der auf Touren mit Kleinbussen auch ältere Menschen mit Rollator mitnimmt und für ein Dutzend Mitreisende drei Betreuer einplant.

Andererseits fühlten sich durchaus jüngere Leute von der zweiten Auflage der Ausstellung angesprochen: Die 15-jährige Nicole aus Balzheim suchte mit ihrer Mutter eine Anlaufstelle für ein freiwilliges soziales Jahr. Das war im Sinne der Neu-Ulmer Bürgermeisterin Christa Wanke. Sie machte bei der Eröffnung klar, dass ehrenamtliche Arbeit ohne Jugendliche, insbesondere mit Migrationshintergrund, zunehmend nicht mehr leistbar ist: „Auch junge Menschen sind gefragt.“ Aus ihrer Sicht kann die Gesellschaft kaum mehr ohne Ehrenamt auskommen, in Sport und Kultur, in sozialen Vereinen, beim Funkenfeuer, Krötenzaun und auf Dorffesten.

Aus Sicht Wankes ist es bedauerlich, dass ehrenamtlicher Einsatz nicht immer genug wahrgenommen werde. Denn dieses Engagement schaffe neue Perspektiven und bringe Menschen Hoffnung. Daher ihr Appell: „Bringen Sie sich ein.“ Aus Anlass des Frauentags merkte die Bürgermeisterin noch an, dass im Neu-Ulmer Stadtrat nur ein Viertel Frauen sitzen. Dies sei deutlich zu wenig. Vor allem jüngere Frauen mit Kindern seien zu vielen Belastungen gleichzeitig ausgesetzt.

Hilfe erhalten Frauen mit Kindern und vor allem junge Familien durch die Familienbildungsstätte Ulm und ihr Projekt „Wellcome“. Dabei helfen ausgewählte Betreuerinnen speziell in der stressigen Phase nach der Geburt. Ein Angebot für die ältere Generation macht beispielsweise die Nachbarschaftshilfe Neu-Ulm. Rund 40 Betreuer helfen etwa 30 Klienten bei alltäglichen Dingen, damit sie möglichst lange zuhause wohnen können.

Wenn verwirrte Menschen womöglich im Raum Donau-Iller vermisst werden, kommt die Rettungshundestaffel zum Einsatz, die mit ihren Tieren vor Ort war: vom Labrador bis Australian Shepherd. Das THW ist mit Fahrzeugen und Tauchern ebenfalls outdoor unterwegs. Unter dem Titel „Wanted“ wurden Leinenführer für Taucher, aber auch Fahrer gesucht. Die Aidshilfe wiederum braucht „Präventionisten“ zur Aufklärung in Schulen oder wie zuletzt auf der Bildungsmesse. Amnesty befasst sich mit der Diskrimierung Homosexueller in Afrika, auch mit Genitalverstümmlung bei Frauen. Am Montag fährt eine Ulmer Gruppe nach Kenia und spendet Laptops für ein Internet-Café – als Hilfe zur Informationsbeschaffung, auch in der Politik.

Im Rahmen der Ehrenamtmesse wurden drei Frauen für ihr Engagement ausgezeichnet: Sonja Brückner vom Kreisjugendring Neu-Ulm, Waltraud Czyborra vom Generationentreff sowie Petra Daumann vom Organisationsteam der Messe. Die Projektleitung lag bei Christina Richtmann. Insgesamt kamen fast 700 Leute – mehr als bei der Erstauflage.