Die Babydecke wäre perfekt für ihren drei Monate alten Enkel. Die Kundin ist trotzdem unschlüssig: Ob das Stück Gnade findet vor den Augen ihrer Tochter? "Ich habe schon für meine Kinder, die heute 28 und 23 Jahre alt sind, bei der ,Katze gekauft", erzählt sie und schwärmt: "Hier gibt es immer schon hochwertige Wäsche und Kleidung zum günstigen Preis."

 Denn "Die Katze" gibt es in Neu-Ulm seit 30 Jahren.  Auf Qualität und Sauberkeit haben die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen immer geachtet. Auch heute noch begutachten sie jedes Stück, das gebracht wird, ganz genau. "Sie sind sehr kritisch", sagt eine junge Mutter und packt einen Teil der Sachen, die sie verkaufen wollte, wieder ein. Sabine Schmidt vom ehrenamtlichen Team bestätigt das: "Es ist schwer, den Leuten sagen zu müssen, dass wir ihre ausrangierten Kleider nicht annehmen können." Doch niemandem sei gedient, wenn sie Waren annehmen, deren weiteres Schicksal als Ladenhüter sie auf den ersten Blick erkennen.

Übung und Erfahrung haben sie genug.  Hildegard Sailer war schon dabei,  als der Laden im Jahr 1984 in der Schützenstraße eröffnet wurde. Die 74-Jährige erinnert sich noch genau an den "geheimnisvollen" Wortlaut der Zeitungsanzeige, der sie neugierig gemacht hatte. Gesucht wurden "ideell motivierte Frauen von frauenspezifischem Verband für ehrenamtliches Engagement".

Dahinter verbarg sich der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF), Träger der katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und der "Katze". "Wir sind sehr froh, dass wir Schwangere und Mütter in finanziellen Notlagen in den Secondhand-Laden schicken und ihnen Gutscheine dafür geben können", sagt Eleonore Wolf, Leiterin der Beratungsstelle. Allerdings kommen und kamen stets Kundinnen und Kunden aus allen sozialen Schichten, um gut erhaltene Kleidung zu bringen und zu erwerben.

Fast so lange wie Hildegard Sailer gehören Sabine Schmidt, Sigrid Bader, Hedwig Bitterolf und Elfriede Özdurak zum Kreis der Ehrenamtlichen. Sie kennen sich aus mit Größen, Mode und den gerade angesagten Marken. Es ist zwar selten, aber es kommt vor, dass sie sich täuschen. Etwas halbherzig, so erzählt Sabine Schmidt, hätten sie einmal ein "ganz seltsames" handgestricktes Oberteil angenommen: "Wir dachten nicht, dass das jemand nimmt." Doch kaum hing es im Laden, war es verkauft - eine Mama aus Italien fand das Jäckchen ganz entzückend.

Die zehn Ehrenamtlichen sind ein eingespieltes Team. Sie freuen sich über neue Mitstreiterinnen, denn mittlerweile sind die meisten im Rentenalter. Die "Frauen der ersten Stunden" sowieso. Nach wie vor führen sie mit fein säuberlicher Handschrift Buch über gelieferte und verkaufte Ware. Die meisten siezen sich, obwohl sie seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. "Wir sind halt eine andere Generation", meint Hildegard Sailer, "aber wir verstehen uns gut." Das Ehrenamt habe die Frauen auch über persönliche Krisen hinweggetragen und bei Schicksalsschlägen aufgefangen, fügt Hedwig Bitterolf hinzu. "Die Arbeit und das soziale Netzwerk halten fit."

Info Der Secondhand-Laden "Die Katze" in der Gartenstraße 14 in Neu-Ulm ist mittwochs geöffnet von 9 bis 17.30 Uhr. Warenannahme ist ebenfalls mittwochs von 9 bis 11 und 14 bis 16 Uhr.