Das Ulmer Schmuckunternehmen Ehinger-Schwarz stellt sich unter der neuen Firmenchefin Caroline Schwarz neu auf. Dabei geht es nicht nur um ein leichteres, helleres Design, sondern um tiefe Eingriffe in die Firmenstruktur. Infolge eines durch die Unternehmensberatung Staufen (Köngen) erstellten Gutachtens hat Ehinger-Schwarz zehn teils langjährige Mitarbeiter entlassen - wenn auch mit Abfindungen und unter Mitwirkung des Betriebsrats. Die Firma verfügt nach dem Personalabbau über 110 Vollzeitstellen.

Der Abbau hängt damit zusammen, dass Ehinger-Schwarz auf den stark rückläufigen Absatz im Großhandel, vor allem bei Juwelieren im ländlichen Raum, reagiert. Auf dem Land geben zunehmend Geschäfte auf, die zuvor Schmuck von Ehinger-Schwarz wie das modulare Charlotte-System abgenommen haben. Daher wurde das Personal in dieser Abteilung verringert. Außerdem vergibt die Firma das Marketing an eine externe Agentur in Hamburg.

Caroline Schwarz setzt verstärkt auf eigene Geschäfte, die ausgebaut werden sollen, "aber nicht in jeder Stadt". Bisher gibt es 30 Läden, darunter 16 in Eigenregie, davon 4 in Ulm. Die Tochter von Charlotte-Erfinder Wolf-Peter Schwarz möchte von 2015 an weitere Geschäfte eröffnen und die bestehenden nach dem neuen, feminineren Stil umbauen.

Die unrentable Filiale bei ECE in Augsburg wird allerdings geschlossen. Dafür kommt ein neues Franchise-Geschäft auf der Einkaufsmeile Ginza in Tokio hinzu. Wegen dieser Kontakte schaute sich gestern die Frau des Tokioter Bürgermeisters die neue Winter-Kollektion von Ehinger-Schwarz an. Um die Expansion zu finanzieren, soll nach den Angaben von Caroline Schwarz ein schwäbischer Mittelständler als Investor einsteigen. Die Mehrheit bleibe jedoch bei der Familie. Aus der Führungsriege hält noch Hans Layer fünf Prozent. Finanzchef Olaf Zimmermann ist auch als Gesellschafter ausgeschieden.

Das Unternehmen kann mit den neuen, von Caroline Schwarz verantworteten Kollektionen zwar inzwischen den Umsatz wieder ausbauen und die Rendite verbessern: "Das ist eine gute, exklusive Nische." 2011 und 2012 habe man jedoch wegen des Umzugs in die HfG und hoher Investitionen in ein neues Computersystem bei einem Umsatzniveau von zwölf Millionen Euro lediglich "eine schwarze Null" geschrieben, gestand sie ein. Dies habe so nicht weitergehen können.

Die neue Alleingeschäftsführerin ist auch Chefdesignerin von Charlotte, ihre zweite Kollektion "Asian Summer" ist schon ausverkauft. Pro Jahr gibt es drei Kollektionen. Im Premiumsegment Ehinger-Schwarz 1876, das nach wie vor Seniorchef Wolf-Peter Schwarz verantwortet, ist es eine Kollektion. Seine Tochter möchte die Aufmerksamkeit von Charlotte mehr auf die Dachmarke Ehinger-Schwarz lenken und Marktführer werden.