Ulm Ehemaliger Ulmer Kripoinspektor stellt Buch vor

Manfred Paulus, ehemaliger Ulmer Kripoinspektor, liest aus seinem Buch über Menschenhandel.
Manfred Paulus, ehemaliger Ulmer Kripoinspektor, liest aus seinem Buch über Menschenhandel. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / ELVIRA LAUSCHER 17.10.2014
Zwangsprostitution und Menschenhandel sind emotionale Themen. Manfred Paulus, Kriminalhauptkommissar a. D., versteht sich als Aufklärer, der diese unbequemen Dinge sachlich zur Sprache bringt.

"Mich freut es, mal wieder in Ulm zu sein, da ich mit dem Thema gerade viel reise", erklärte Manfred Paulus, der bis 2003 die Kriminalinspektion zur Bekämpfung von Rotlichtkriminalität Ulm leitete, jetzt bei seiner Lesung in der Buchhandlung Gondrom. Dort stellte er sein Buch "Tatort Deutschland - Menschenhandel" vor. Und erinnerte sich an seine erste Begegnung mit Zwangsprostitution.

"Vor 25 Jahren gab es in Berlin über zweitausend Thailänderinnen in der Prostitution und auch nach Ulm wurden drei blutjunge Thailänderinnen geholt", sagte er. Diese arbeiteten und animierten in einer Kellerbar in der Glöcklerstraße und hätten tagsüber in einem Verschlag gehaust. Als eine der drei floh, wurden die anderen über Frankfurt zurück nach Thailand geflogen. Paulus reiste als Ermittler hinterher und konnte eine der beiden mit Hilfe der thailändischen Polizei auftreiben. Es kam in Ulm zu einem Prozess, der allerdings durch eine "nicht zeitgemäße Strafprozessordnung" nicht wie gewünscht endete. Seitdem hat sich vieles verändert, allerdings nicht zum Guten. "Die ehemaligen Zuhälter von damals mit Goldkettchen gibt es kaum noch. Die heutigen treten als Geschäftsleute in Nadelstreifen auf." Und sie hätten Kontakte zu Politikern, Polizeichefs und Prominenten und gäben sich als Nobelchefs in Talkshows aus, meist begleitet von "glücklichen" Prostituierten. "Aber wir reden hier von organisierter Kriminalität, von Menschenhandel. In Deutschland sind 70 bis 100 Prozent der Puffs mit Frauen aus Süd- und Osteuropa bestückt. Diese Frauen hätten weder das Geld noch die Kontakte, um alleine nach Deutschland zu kommen. Wir können nicht länger legale von Zwangsprostitution trennen."

Die albanische Mafia bestimme den Markt und weitere Gruppierungen wie die russische Mafia oder Clans aus verschiedenen europäischen Ländern seien fast lautlos eingedrungen und es sei aufwändig, Menschenhandel zu bekämpfen. "Da ist es einfacher zu sagen, dass sich Kinder und Frauen freiwillig prostituieren. Aber mafiöse Gruppen gefährden unsere Demokratie."

Dass die Zwangsprostitution ein großes deutsches Problem sei, bestätigten ihm seine Ermittlungen in anderen europäischen Ländern und die Aussagen Betroffener, wie Elena, die sich in den Bergen in Albanien vor Zuhälterbanden verstecke. "Diese Frauen erleben in Deutschland eine Parallelwelt."

Die organisierte Kriminalität bestimme zudem, wer hierher komme und ein Visum erhalte, sagte Paulus und auch, dass Zahlen trügen können. "Es gibt nur 500 bis 600 Ermittlungsverfahren pro Jahr. Brauchen wir solche Zahlen?", fragte er. Die Wirklichkeit sähe ganz anders aus. Aber er lebt in der Hoffnung, dass endlich neue Gesetze kommen. "Ich würde mir ein Prostitutionsverbot unter 21 Jahren wünschen", ist eine Anregung von Paulus und auch die, generell mehr und sachlich über das Thema zu sprechen.