Ein lauer Sommerabend, 25 Grad. Die rund 50 Plätze im Außenbereich des „Cabaret Eden“ sind restlos besetzt. Die Gäste haben es sich in Sesseln und Hollywood-Schaukeln gemütlich gemacht. Sie schlürfen Drinks, unterhalten sich. Bedienungen bringen Speisen an die Tische, es gibt Salate und Snacks. Die Sonne geht langsam unter, während im Hintergrund verträumte Lounge-Musik läuft.

Lustgarten im Eden öffnet am 8. Juli seine Pforten

So stellen sich Klaus Erb (55) und Cora Schönemann (53) die späten Stunden auf der neuen Eden-Terrasse vor. Das Ehepaar hat den Außenbereich des Clubs in einen Biergarten verwandelt. Am Mittwoch, 8. Juli, um 18 Uhr öffnen die Pforten des „Lustgarten“ zum ersten Mal. „Da der Club-Betrieb bis auf weiteres nicht möglich ist, haben wir uns für dieses Projekt entschieden. Wir möchten dabei Gastronomie und Kultur zusammenführen“, sagt Schönemann.
Nachdem die früheren Eden-Betreiber, Roy Bichay und Michael Günzer, ausgestiegen waren, hatte Gebäudeeigentümer Erb eigentlich vor, das Gebäude im Sommer an neue Pächter zu übergeben. Doch die Corona-Krise durchkreuzte die Pläne. In der aktuellen Situation denke niemand daran, einen Club zu übernehmen. Ungenutzt wolle das Ehepaar die Location allerdings nicht lassen: „Es wäre einfach zu schade.“

Eden in Ulm: Tanzraum wird zum Billard-Salon

Der Schwerpunkt liegt in den Sommermonaten auf dem „Lustgarten“. Aber auch der Innenbereich des Lokals wird unter Einhaltung der Corona-Auflagen geöffnet. Erb und Schönemann haben ihn in Eigenregie renoviert und dabei unter anderem:
  • die Böden erneuert,
  • Oberflächen verkleidet,
  • das Gebäude in Orange gestrichen
  • sowie eine Küche eingebaut.
Der Hauptraum, in dem bis zuletzt getanzt und gefeiert wurde, wird zum Billard-Salon umfunktioniert. Hier stehen zwei Tische und mehrere Sitzgelegenheiten. Zudem ist geplant, dass Gäste an alten Telespielgeräten zocken können. Der Nebenraum wird als Kaffee-Bar genutzt. Trotz einigen Veränderungen war es Erb und Schönemann wichtig, die verruchte Atmosphäre des einstigen Strip-Lokals zu bewahren: Die Tanz-Stange und die roten Stoff-Verzierungen bleiben erhalten.

Ulmer Club-Gelände wird zum „künstlerischen Experimentierfeld“

Während Erb, der das Eden zwischen 2007 und 2016 selbst betrieb, in erster Linie den gastronomischen Part verantwortet, kümmert sich Schönemann um das Kulturprogramm. Die Künstlerin sieht das Eden und den Lustgarten in der kommenden Zeit als „künstlerisches Experimentierfeld“. Vieles sei möglich, sagt Schönemann. Im Außenbereich könne sie sich Auftritte von Musikern vorstellen, im Innenbereich seien Lesungen und Schallplatten-Tests denkbar. Bereits fest steht, dass das Eden an der Ulmer Kulturnacht teilnehmen wird. Schönemann tritt mit ihrem künstlerischen Partner Marc Hautmann unter dem Namen „Schöne Haut“ auf. Sie inszenieren den Sündenfall mithilfe einer Video- und Rauminstallation. Der Titel: „Strange Fruit“.

Eden-Betrieb soll kostendeckend laufen

Erb und Schönemann hoffen, den Eden-Betrieb in der Corona-Zeit zumindest kostendeckend führen zu können: „Draufzahlen möchten wir natürlich nicht“. Die Investitionssumme liegt Schönemann zufolge im fünfstelligen Bereich. „Würden wir nicht so viel Eigenleistung erbringen, um das Eden überhaupt öffnen zu können, wären die privat gestemmten Investitionen im sechsstelligen Bereich angesiedelt“, betont sie. Die Künstlerin bedauere, dass Fördertöpfe für Existenzgründer im Gastgewerbe, die ihren ehemaligen Club revitalisieren, aktuell nicht in Sicht sind. „Umso mehr hoffen wir, dass das neue Konzept gut angenommen wird“, so Schönemann.

Brüssel

Club soll nach Corona an „junge visionäre Leute“ übergeben werden

Das Projekt „Lustgarten“ mit Kultur-Betrieb und Billard-Café ist ein Projekt auf Zeit. Club-Betreiber in ganz Deutschland hoffen darauf, ihre Locations spätestens im kommenden Frühjahr wieder öffnen zu dürfen. Wenn es die Umstände zulassen, würden Erb und Schönemann das Eden gerne nächsten Juli zur Feier ihrer silbernen Hochzeit „wieder an visionäre junge Leute übergeben.“

Das sind die neuen Öffnungszeiten im Eden:

  • Mittwoch bis Samstag von 18 bis 1 Uhr
  • Sonntag von 11 bis 23 Uhr