Reich gesegnet an Lebensmittelgeschäften ist die Ulmer Innenstadt wahrlich nicht. Schon vor Jahren haben in der Platzgasse und im Hafenbad die letzten Obst- und Gemüseläden geschlossen. Kurz vor dem Jahreswechsel platzt jetzt die Nachricht in die Vorweihnachtszeit, dass Edeka in der Galeria Kaufhof zur Jahresmitte schließt. Und zwar zweieinhalb Jahre bevor ein neuer und größerer Edeka-Laden in den Sedelhöfen eröffnet wird.

Seit den 80er Jahren erfüllt der Laden in dem Kaufhaus an der Fußgängerzone auf 900 Quadratmetern eine wichtige Funktion in der Nahversorgung. Bis auf wenige Einzelhändler gibt es in der Innenstadt ansonsten nur noch Discounter, aber keinen Vollsortimenter mit qualitativem und breitem Angebot mehr. Innenstadtbewohner, die namentlich nicht genannt werden wollen, beklagen schon jetzt die schlechte Versorgung.

Ein wenig Hoffnung bietet da ein Gerücht, von dem City-Manager Henning Krone gehört hat. Wenn nämlich Netto am Münsterplatz Mitte des Jahres ebenfalls dicht macht, könnte im Untergeschoss und im Erdgeschoss auf der Fläche einer früheren Eisdiele auf zwei Etagen ein „City-Rewe“ aufmachen. Ansonsten aber findet Krone die Schließung von Edeka „ärgerlich“ und „katastrophal für die Nahversorgung der Innenstadtbewohner“.

Derweil bestätigt die Pressesprecherin der Edeka-Handelsgesellschaft Südwest in Offenburg, Nina Schneider, „dass der Markt in der Bahnhofstraße in Ulm Mitte nächsten Jahres schließen wird“. Und zwar Anfang Juni 2017, wie sie weiter mitteilt, weil zu dem Zeitpunkt der Mietvertrag ausläuft. Hintergrund dürfte auch das bereits öffentlich kommunizierte Vorhaben von Edeka sein, Ende 2019 in den neu errichteten Sedelhöfen einen Großmarkt auf 3350 Quadratmetern zu eröffnen.

Als Grund für die Entscheidung, die Filiale bei Galeria Kaufhof zu schließen, wird der zunehmende Wettbewerb angegeben, und dass der Lebensmittelmarkt  an diesem Ort „nicht länger wirtschaftlich zu betreiben“ ist. Wie einer Pressemitteilung von Edeka zu entnehmen ist, sind davon 23 Mitarbeiter betroffen, die alle „rechtzeitig informiert“ worden seien und Angebote erhalten hätten, in den umliegenden Edeka-Märkten unterzukommen.

Bis der Großmarkt in den Sedelhöfen aufmacht, dauert es allerdings noch einige Zeit. Der Projektentwickler DC Developments aus Hamburg peilt die Fertigstellung des Quartiers mit den markanten vier Hauptgebäuden für das Weihnachtsgeschäft 2019 an. Dann soll im Untergeschoss eines der Häuser auch der neue Großmarkt von Edeka eröffnen.

Wie die Geschäftsführerin der Galeria Kaufhof, Doris Lindhorst, auf Anfrage mitteilt, lässt Edeka den Mietvertrag auf eigenen Wunsch auslaufen. Sie nennt als Datum den 30. Juni, während Edeka von Anfang Juni berichtet.

Über mögliche Auswirkungen dieser Entscheidung für die Attraktivität das Kaufhaus will sie nicht spekulieren. Lindhorst macht keine Angaben, was mit der freiwerdenden Fläche geschehen soll. Gerüchten zufolge überlegt Galeria derzeit unter anderem, seine Spielwarenabteilung ins Untergeschoss zu verlegen.