Neu-Ulm Ecstasy an 15-Jährige verkauft: Bewährungsstrafe

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Symbolbild. © Foto: SWP/Archiv
Neu-Ulm / Christoph Mayer 22.02.2018
Ein junger Mann verkauft Ecstasy-Tabletten an eine 15-Jährige – der Richter schickt ihn in Therapie.

Den für die Öffentlichkeit interessantesten Satz ließ Richter Thomas Mayer in der gestrigen Verhandlung des Schöffengerichts en passant fallen. Die Glacis-Galerie habe sich zu einem Hotspot für Drogengeschäfte entwickelt – weshalb die Polizei dort verschärft kontrolliere.

In eine solche Kontrolle war Ende November 2016 auch der am Mittwoch Angeklagte  – ein 25-jähriger Gebäudereiniger – geraten. In der Glacis-Galerie  habe er nicht dealen, sondern shoppen wollen, sagte er vor Gericht.  Dumm nur, dass die Polizisten beim Filzen zwei Gramm Marihuana entdeckten und der Ertappte damals bereits unter Bewährung, mithin mit einem Bein im Gefängnis stand.

Überbordendes Geständnis

In Anbetracht seiner brenzligen Situation beschloss der drogenabhängige  Mann noch auf der Polizeiwache auszupacken. „Ich wollte einen Schlussstrich ziehen“, sagte er vor Gericht, auch der Richter sprach von einem „überbordenden Geständnis“. Denn der junge Mann gab den Kauf und Weiterverkauf von Marihuana in mehr als 20 Fällen zu, lieferte zudem wichtige Hinweise zu seiner Bezugsquelle. Dies führte später zur Festnahme und Verurteilung eines  größeren Dealers, wie eine als Zeugin geladene Polizeibeamte bestätigte.

Verschwiegen hatte er bei seinem Geständnis den Verkauf von vier Ecstasy-Tabletten an eine erst 15-jährige Bekannte. Dem kam die Polizei nachträglich über die Auswertung der Handydaten auf die Schliche. Allerdings wurde im Verlauf der Verhandlung deutlich, dass der Teenager „händeringend“ um die Tabletten gebeten hatte.

Bei dem vom Gericht verlesenen Vorstrafenregister – überwiegend Drogendelikte – schien eine erneute Bewährungsstrafe ausgeschlossen. Zumal die vor Gericht aussagende Bewährungshelferin dem 25-Jährigen „mangelnde Zielorientierung und Unzuverlässigkeit“ bescheinigte, weil er Termine bei ihr platzen ließ.

Vor Gericht machte der junge Mann einen offenen, verständigen und reuigen Eindruck. Seit 14 Monaten hat er eine feste Arbeit, auf Nachfrage des Richters willigte er ein, eine stationäre Therapie anzutreten. Dies gab letztlich den Ausschlag für eine erneute Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten. Mayers abschließende Warnung. „Der heutige Tag muss den Wendepunkt bringen. Ihre Bewährung hängt am seidenen Faden.“

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