Nach der Mittagspause geht es für Ayhan Han an die Arbeit. Der Müllmann setzt sich hinter das Steuer seines orangefarbenen Pick-ups und dreht den Zündschlüssel um. Doch das charakteristische Aufheulen des Motors bleibt aus. Beinahe geräuschlos fährt Han in einem elektrischen Streetscooter vom Betriebshof in der Bauhoferstraße 9 in Richtung Böfingen, um dort die Mülleimer zu leeren und Containerstandorte zu reinigen.

Seit fast zwei Wochen testen die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm (EBU) den Streetscooter, den die Deutsche Post entwickelt hat, bei der Straßenreinigung. Das Ergebnis bisher: Er ist nicht geeignet für die tägliche Arbeit. „Das Hauptmanko ist die Reichweite“, sagt EBU-Abteilungsleiter Florentin Heese. Der Streetscooter legt mit aufgeladener Batterie nur 80 Kilometer zurück – zu wenig. Denn pro Bezirk fahren die Mitarbeiter an manchen Tagen bis zu 150 Kilometer weit. Bei kalten Temperaturen im Winter, wenn die Heizung läuft und das Licht früher angeschaltet wird, entladen sich die Batterien noch schneller.

Getestet wird der Streetscooter in Böfingen und im Donautal. Die Neu-Ulmer Nutzfahrzeug-Firma Wilhelm Mayer stellte den Entsorgungsbetrieben das Fahrzeug für den Test kostenlos zur Verfügung. „Einmal fuhr der Streetscooter von sieben Uhr morgens bis halb zwölf mittags, dann war Schluss“, sagt Heese. „Ich kann dann früher Feierabend machen“, sagt Ayhan Han und lacht. Han ist seit 20 Jahren EBU-Mitarbeiter. Gemeinsam mit zwei Kollegen testet er noch bis Freitag den Streetscooter.

Sie stellten eine weitere Schwachstelle fest: die Lademenge. „An manchen Tagen sammle ich sonst zwei mal 700 Kilogramm Müll in einem Bezirk ein. Aber bei 150 Kilogramm ist im Streetscooter das Maximum bereits erreicht“, sagt Han. Außerdem haben im Führerhaus nur zwei Personen Platz. „Die Mitarbeiter in den Pick-ups bringen aber morgens die Fußläufer, die mit Handwagen unterwegs sind, in die Innenstadt“, erklärt Heese.

Dennoch: Das Urteil bedeutet nicht das Aus für den elektrischen Pick-up. „Mitte März testen andere städtische Ämter wie der Baubetriebshof oder das Grünflächenamt den Streetscooter“, sagt Heese. „Um Kleinigkeiten zu transportieren und für kurze Wege ist er gut“, sagt Han.

Wie aber geht es bei den EBU in Sachen E-Mobilität weiter? „Der Streetscooter passt für uns zwar nicht, aber wir schauen uns weiter um“, sagt Heese. Das Ziel sei es, dass bis 2020 20 Prozent der Personenwagen einen elektrischen Antrieb haben. Das Unternehmen ist auch für den städtischen Fuhrpark zuständig. Jedes Jahr soll ein Auto für die Mitarbeiter der Verwaltung durch ein E-Fahrzeug ausgetauscht werden. „Wir werden vermutlich dieses Jahr noch eine kleine elektrische Kehrmaschine testen“, sagt Heese. Eine große Kehrmaschine wird auf einer Messe angeschaut. Das würde vor allem die Bürger freuen – die elektrische Variante kehrt am frühen Morgen die Gehwege beinahe lautlos.

Auto soll zur Arbeit passen

Heese hat auch einen elektrischen Renault Kangoo, ein Minivan, im Blick. „Das wäre ein gutes Fahrzeug für unsere Werkstatt.“ Die EBU wollen schauen, was es derzeit auf dem Markt gibt und geeignete Fahrzeuge im Arbeitsalltag testen. „Wir wollen unsere Tätigkeit nicht dem Auto anpassen, sondern das Auto soll sich uns anpassen.“

Die elektrischen Fahrzeuge sind allerdings um einiges teurer als die Benzin- und Dieselfahrzeuge. „Trotzdem müssen und wollen wir als Stadt Vorreiter sein. Es ist eine umweltfreundlichere Fortbewegung“, sagt Heese. Mit dem Plan von weiteren E-Fahrzeugen kann sich auch Han anfreunden: „Die Autos sind schön leise.“

Ein Jahr Testzeit in Neu-Ulm


Neu-Ulm Bereits seit Herbst vergangenen Jahres ist ein Streetscooter in Neu-Ulm bei der Straßenreinigung im Einsatz. „Wir werden ihn ein komplettes Jahr testen“, sagt Anton Bullinger, Fachbereichsleiter Bürgerdienste. Vorteile sieht er vor allem beim Emissionsschutz. Einen Nachteil sieht auch Bullinger bei der Reichweite. „Wir werden sehen, ob wir das organisatorisch lösen können“, sagt er.

Fuhrpark Die EBU haben neben den elektrisch betriebenen Fahrzeugen auch Fahrzeuge mit Autogasmotoren. Eines der zehn Müllfahrzeuge ist erdgasbetrieben. Außerdem gibt es zwei Elektrofahrräder.