Kommentar Christoph Mayer zur Lauf-Aktion der Kindergärtnerinnen Dumm gelaufen

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Christoph Mayer 14.03.2018

Wie man’s macht ist’s falsch. Zu diesem Schluss müssen die heute protestierenden Erzieherinnen wohl oder übel kommen. Hätten sie im Tarifstreit auf den klassischen Warnstreik gesetzt und ihre Läden stundenweise dicht gemacht – der Aufschrei insbesondere berufstätiger Eltern wäre groß gewesen. Also organisierten sie öffentlichkeitswirksame Stadtspaziergänge mit Trillerpfeifen und Kinderbegleitung – und müssen sich nun des Vorwurfs erwehren, Unmündige politisch zu missbrauchen.

Ganz von der Hand zu weisen ist der Vorwurf nicht. Zwar sind frühkindliche Traumata nicht zu befürchten, im Gegenteil: Ein bisschen rasselndes Remmidemmi dürfte dem Gros der  Rasselbande  ausnehmend gut gefallen. Doch die Eltern vor vollendete Tatsachen zu stellen, indem man sie vorher nicht richtig informierte und ihnen Ausnahmeregelungen in Aussicht stellte, ist der Stadt anzukreiden. So hat man zusätzlich die Erziehungsberechtigten entmündigt und hintenrum versucht, sie vor den eigenen Karren zu spannen. Eltern, die pikanterweise zur Kasse gebeten werden, falls Erzieherinnen in Zukunft tatsächlich besser entlohnt werden sollten.

Die Stadt hat das eingesehen und im letzten Moment richtig reagiert. Keiner wird gezwungen mitzumachen. Die Lauf-Aktion war gut gemeint und ist (in der Vorbereitung) dumm gelaufen. Eltern sollten deshalb keine Schnappatmung bekommen.

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