Ulm spricht Streiten Sie mal wieder: SWP-Portal für politischen Dialog

Das Ziel von „Ulm spricht“: Miteinander ins Gespräch kommen.
Das Ziel von „Ulm spricht“: Miteinander ins Gespräch kommen. © Foto: SWP
Ulm / Tobias Knaack 17.05.2018
Die Südwest Presse startet ein Debatten-Portal: „Ulm spricht“ möchte Menschen mit verschiedenen Ansichten wieder miteinander ins Gespräch bringen.

Wann haben Sie das letzte Mal mit jemandem gesprochen, der vollkommen andere politische Ansichten hat als Sie? Argumente ausgetauscht, Widerrede angehört und akzeptiert, dass es Gegensätze gibt? Schon länger her? Dann möchten wir Ihnen eine Idee vorstellen: „Ulm spricht“. Die Südwest Presse möchte Menschen zusammenbringen, deren Einstellungen unterschiedlicher nicht sein könnten.

Hier Fragen beantworten und bei „Ulm spricht“ teilnehmen:

In den vergangenen Jahren haben wir elementare Eigenschaften des Zusammenlebens – zuhören, diskutieren, inhaltlich streiten – zunehmend vernachlässigt. Unsere Gesellschaft ist in vielen Fragen polarisiert, ja, fragmentiert, und schlimmer noch: Es hat eine gewisse Sprachlosigkeit Einzug gehalten, wir reden mehr über- als miteinander.

Deshalb wollen wir am Nachmittag des 23. Juni Ulm mit sich ins Gespräch bringen. Ein Austausch von Menschen mit gegensätzlichen Ansichten, die ihre Argumente in einem echten Zwiegespräch austauschen. Von Angesicht zu Angesicht – Sie und eine andere Leserin oder ein anderer Leser von swp.de in Ihrer Nähe.

Grundsatzfragen auf swp.de

Von heute an werden Sie hier und in vielen Artikeln auf swp.de fünf (politische) Grundsatzfragen finden, die Sie mit Ja oder Nein beantworten können. Wenn Sie das machen und uns dazu noch Ihre Postleitzahl mitteilen, werden wir nach jemandem suchen, der möglichst in Ihrer näheren Umgebung wohnt. Das sollte ein Mensch sein, der so wie Sie auch Lust hat, mit jemandem zu sprechen, der über die gleichen Themen ganz anders denkt.

Für ein ähnliches Projekt konnte ZEIT Online im vergangenen Jahr 12.000 Menschen begeistern. Damals lauteten die Fragen im Rahmen von „Deutschland spricht“ unter anderem: Wie umgehen mit Flüchtlingen? Braucht es mehr oder weniger Europa? Und wie soll sich die EU Russlands Präsidenten Wladimir Putin gegenüber verhalten? Bei „Ulm spricht“ wird ZEIT Online unterstützend tätig sein.

Wie im Großen kann man die gestiegene Polarisierung auch im Kleinen spüren: In Ulm ist infolge der Flüchtlingsbewegung des Jahres 2015 eine hitzige Debatte darüber entbrannt, wie man mit den vielen zugewanderten Menschen umgehen soll; auch darüber, wie man über das Thema generell redet. Wie vor wenigen Wochen geschehen reichen Aussagen des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer über einen dunkelhäutigen Mitbürger aus, um die Leute zu polarisieren. Gleiches gilt für die noch immer schwelende Diskussion, ob Walter Feuchts Ausführungen über Flüchtlinge im Stadtmagazin „Spazz“ rassistisch sind – in Windeseile bildeten sich zwei Lager aus Befürwortern und Gegnern, die sich bis heute unversöhnlich gegenüber stehen.

Doch auch die Frage, ob es in Ulm zu laut ist oder ob die Außenbewirtung länger oder kürzer erlaubt sein sollte, ist ein Erregungsthema. Egal in welcher Frage: Es ist festzustellen, dass wir heute zunehmend in Filterblasen reden – und das nicht nur in sozialen Netzwerken. Wir suchen nach Bestätigung unserer Meinung statt einer kritischen Auseinandersetzung mit anderen Ansichten.

Ulm mit sich ins Gespräch bringen

Nach dem Erfolg von „Deutschland spricht“ im vergangenen Jahr gibt es 2018 eine Neuauflage – mit nationalen und internationalen Partnern. Und die Südwest Presse ist mit „Ulm spricht“ zusammen mit der „Thüringer Allgemeinen“ und Radio Lotte in Weimar („Weimar spricht“) und „La Repubblica“ in Italien („L’italia si parla“) die Pioniere des internationalen Projekts „My country talks“.

Wenn unser Plan für „Ulm spricht“ also aufgeht, werden sich am 23. Juni 2018 EU-Befürworter und -Skeptiker, Merkel-Gegner und Flüchtlingshelfer sowie Feucht-Sympathisanten und solche, die seine Aussagen ablehnen, treffen. Unsere Hoffnung: Sie werden miteinander sprechen, sich austauschen und etwas über Ihr Gegenüber und seine Ansichten herausfinden. Wir würden uns freuen, Ulm mit sich ins Gespräch zu bringen.

Das ist schon alles, was wir wollen. Warum? Wir sehen in dem wachsenden Mangel an Austausch, in der zunehmenden Sprachlosigkeit und der sich verbreitenden Weigerung, sich zuzuhören eine der größten Gefahren für unsere Gesellschaft.

Deswegen: Beantworten Sie gerne die Fragen, melden Sie sich an – und treffen Sie jemanden, der ganz anders denkt als Sie. Am 23. Juni bei „Ulm spricht".