Premiere Dümmer als die Polizei erlaubt

Turbulent: „Frohes Fest“ im Theater Neu-Ulm.
Turbulent: „Frohes Fest“ im Theater Neu-Ulm. © Foto: Oliver Schulz
Neu-Ulm / Christa Kanand 15.11.2018

Wer Besinnliches zur Vorweihnachtszeit erwartet, sei gewarnt: Turbulent, handgreiflich, chaotisch und klamaukig geht es im Theater Neu-Ulm zu, wo Intendantin Claudia Riese „Frohes Fest“ von Anthony Neilson unter viel Premieren-Schlussapplaus in Szene gesetzt hat. Der schottische Star-Dramatiker zählt zu den britischen Autoren, deren Stücke als „in-yer-face-theatre“ bezeichnet werden, was „Voll-in-die-Fresse-Theater“ bedeutet. Beim Irrsinn aller Beteiligten bleibt zwischen Humor und Tragödie das Lachen auch mal im Halse stecken.

Die Polizisten Blunt (Thomas Koch) und der unterbelichtete Gobbel (Serjoscha Ritz), die auch Lebenspartner sind, müssen einem betagten Ehepaar die Botschaft vom Tod ihrer einzigen Tochter beim Autounfall überbringen – und das an Heiligabend. Hilflos und tollpatschig wie Laurel und Hardy benehmen sich die Bobbies dümmer als die Polizei erlaubt. Deshalb glauben die zeitweilig geistig verwirrte Mutter (Anna-Elisabeth Brüderl) und ihr herzkranker Mann (Friedemann A. Nawroth), das Todesopfer sei ihr vermisster Labrador Mifty. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Unter Rieses Regie (Bühne/ Ausstattung) hatten alle im siebenköpfigen Ensemble ihre großen Momente – und eine Macke. Im ersten Teil der Komödie wird nach Slapstick-Manier oft zu dick aufgetragen. Weniger an britischer Überspanntheit wäre mehr gewesen, besonders beim Polizisten-Duo und Helga Reichert, die als militante Pädophilen-Jägerin Gronya jeden als Kinderschänder verdächtigt und den „Bullen“ – wie auf dem Plakat – schmerzhaft ins Geschlecht greift.

Dass der Reverend (Michael Becker), der unter der Soutane netzartige Damen-Dessous trägt, k.o. im Abstellraum landet und Teenie Carol (Melanie Schmidt) auf der Suche nach ihrem erschlagenen Hündchen in einer Wohnzimmer-Truhe, steigert die Spannung und das makabre Vergnügen bis zum überraschenden Schluss. Eine schöne Bescherung.

Info „Frohes Fest“ im Theater Neu-Ulm: heute, morgen und am Samstag, jeweils 20 Uhr.

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