Ulm Druck auf Milchbauern: Auszahlungspreis kann auf 23 Cent sinken

Wegen steigender Milchmengen nach Auslaufen der Lieferquoten geraten die Bauern in einen Teufelskreis aus Überangebot und sinkenden Preisen.
Wegen steigender Milchmengen nach Auslaufen der Lieferquoten geraten die Bauern in einen Teufelskreis aus Überangebot und sinkenden Preisen. © Foto: Giacinto Carlucci
FRANK KÖNIG 20.04.2016
Wegen steigender Milchmengen nach Auslaufen der Lieferquoten geraten die Bauern in einen Teufelskreis aus Überangebot und sinkenden Preisen. Die Milchwerke Schwaben stehen nun ebenfalls unter Druck. <i>Mit Grafik: Entwicklung des Milchpreises.</i>
Die regionalen Milchbauern sitzen in einer Achterbahn, die gegenwärtig „steil abwärts“ fährt. So beschrieb Jakob Ramm vom Vorstand der Milchwerke Schwaben am Dienstag bei der Vertreterversammlung die Lage auf den Milchmärkten. Sie sei auch wegen der Überproduktion nach Ende des europäischen Milchquoten-Systems geradezu „katastrophal“. Angesichts deutlich steigender Milchmengen und wegen des Einbrechens von Exportmärkten wie Russland und China befänden sich die Preise für Milchprodukte und somit auch das Auszahlungsgeld für die Bauern der Region im anhaltenden Sinkflug.

Die Genossenschaft mit Sitz in Ulm und Molkerei in Schwaighofen bezahlt den Landwirten derzeit nur 25 Cent pro Liter Milch. Ramms Kollege Karl Laible schloss im Donausaal ein Absinken auf 23 Cent nicht aus. Für das abgelaufene Jahr konnten die Milchwerke zumindest noch einen Auszahlungspreis von rund 31 Cent (2014: 37) für ihre 1040 Lieferanten (1094) erwirtschaften.

Der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende Anton Köberle berichtete von Existenzängsten in vielen Betrieben, in denen die Einnahmen aus der Milcherzeugung kaum die Kosten decken. Und: „Es ist keine Besserung in Sicht“. Die Gewinnschwelle, hieß es bei Gesprächen mit Bauern an den Tischen im Saal, liegt bei 35 Cent. Alle Redner waren sich einig, dass die einzige Lösung des Problems in rückläufigen Milchmengen besteht. Ramm brachte sogar Abschlachtprämien ins Spiel.

2016 steigt die Milchflut freilich weiter an: bei der Neu-Ulmer Molkerei im ersten Quartal mit monatlichen Steigerungsraten zwischen etwa vier und sechs Prozent. Aber das ist noch gar nichts im europäischen Kontext. Laible sagte, in Irland entspreche die Zunahme allein im Februar einer Jahresproduktion der Milchwerke Schwaben.

Für derartige Mengen fehlten einfach die Absatzmöglichkeiten. Die Überproduktion führe daher zu einem Teufelskreis mit sinkenden Preisen: „Der Druck ist immens.“ So habe Butter mit 2,42 Euro je Kilo einen Tiefstand erreicht. Auch bei Käse als wichtigem Produkt der Molkerei und bei Joghurt bröckeln die Preise. Die Situation werde von den Einkäufern im Lebensmittelhandel konsequent ausgenutzt, aber auch die Verbraucher nähmen diese Spareffekte gern mit: „Ich weiß, dass kein Konsument das Butterbrot auf zwei Seiten bestreicht.“

Laible hat vor dem Hintergrund bereits begonnen, die hauseigene Marke „Weideglück“ wiederzubeleben und somit preisstabiler zu machen. Weitere Schritte auf diesem Weg: Es soll klar werden, dass die Milchbauern der Molkerei dieses wichtige Lebensmittel komplett ohne Gentechnik anliefern. Laible: „Das müssen wir konsequenter angehen.“ Darüber hinaus will er das Thema Biomilch ausbauen, zumal Biobauern weiterhin 48 Cent pro Kilo Milch bekommen. Überhaupt müssten Themen wie Nachhaltigkeit und das Wohl der Tiere stärker herausgestellt werden. Die Marke Weideglück soll auch über eine Kooperation mit der Großbäckerei Staib, die per Citylights-Werbung vermarktet wird, mehr Glanz gewinnen. Dabei geht es darum, dass die Milchwerke ihren Donautaler-Käse für die 20.000 Semmeln liefern, die Staib täglich mit Käse belegt.