Verhandlung Drogensucht führte zu Einbrüchen

Der Angeklagte behauptet: Seine Drogensucht soll ihn zur Tat getrieben haben.
Der Angeklagte behauptet: Seine Drogensucht soll ihn zur Tat getrieben haben. © Foto: Archiv
Bernd Rindle 08.12.2016

„Frohe Weihnachten noch!“ Gerd Gugenhan hat als Vorsitzender Richter des Ulmer Landgerichts ja schon einiges gesehen, aber selten einen mutmaßlichen Räuber, der seinem Opfer schöne Feiertage wünscht. Zumal das dem 27-jährigen Angeklagten selbst wohl nicht vergönnt sein wird. Ihm wird unter anderem zur Last gelegt, vergangenen Sommer eine Apotheke in der Olgastraße überfallen und den Betreiber mit einem gezückten Teppichmesser bedroht zu haben. Darüber hinaus soll er für eine Serie von Einbrüchen in Dietenheimer Arztpraxen verantwortlich sein.

Taten, die der mehrfach vorbestrafte Angeklagte zwar einräumt, aber dafür eigentlich nicht verantwortlich sein will. „Gehirngulasch“, sprich seine Drogensucht, sei der Grund für die Delikte gewesen. „Polytoxisch“ sei er und süchtig nach Alkohol, Medikamenten und Drogen. „Die haben mich kontrolliert. Ich habe kein Bargeld gesucht, sondern Medikamente.“

„Ich war kaputt“, sagt der Mann, der mit seinem akkuraten Haarschnitt und der Brille eher wie ein Gymnasiast als ein Junkie daher kommt. Gleichwohl hat der Spätaussiedler aus Sibirien hierzulande nie recht Fuß fassen können. Sein Strafregister weist einige Ladendiebstähle und kleinere Drogenvergehen auf. Dazu gesellen sich etliche gescheiterte Entzugsversuche. Mit seiner Aufnahme in das Methadonprogramm sollte alles besser werden, doch „dann kam der Rückfall“. Und mit ihm alte Gewohnheiten: „Viele Tabletten, dazu Jägermeister, damit es noch mehr knallt.“

Den Schuss bei seinem gescheiterten Überfall auf die Apotheke hatte er offenbar dennoch nicht gehört. Damals konnte er gerade noch flüchten, nachdem der Apotheker ihn schon überwältigt hatte. Ein Jahr später verließ ihn das Glück. Eigentlich wollte er zur Substitutions-Praxis, die im selben Haus ist wie die Apotheke, verwechselte aber die Türklingel. Es öffnete der Pharmazeut und der erkannte den gescheiterten Räuber prompt wieder. Als der nach der Arztpraxis fragte, ließ sich der Apotheker den Überweisungsschein zeigen und erfuhr so den Namen des bis dahin Unbekannten.

Das brachte den 27-Jährigen letztlich auf die Anklagebank und den Apotheker in den Zeugenstand, wo er nicht nur die Weihnachtsgrüße entgegennehmen konnte, sondern auch eine ausdrückliche Entschuldigung des um Reue bemühten Angeklagten. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Bernd Rindle