Anfangs hat sich ein 29-Jähriger überhaupt nichts dabei gedacht, als ihn ein Kumpel vor etwa zwei Jahren fragte, ob er ein paar Kurierfahrten für ihn übernehmen könne. „Damals ist einiges passiert in meinem Leben“, sagte er am Mittwoch als Angeklagter vor Gericht. Die schwangere Freundin weg, kein Geld in der Tasche, da kam ihm das Angebot gerade recht, einen Umschlag mit Bargeld von Ulm nach Geislingen zu transportieren, wo er das Bündel in einer Seitenstraße an einen ihm unbekannten Mann übergab. Dass er durch diesen „Freundschaftsdienst“ in einen gigantischen Drogenhandel verwickelt wurde, registrierte er erst, als er nach der zweiten Fahrt nach dem Sinn und Zweck fragte.

Prozess vor der Großen Strafkammer

Seit Mittwoch sitzt die Große Strafkammer in Ulm zu Gericht über ihn. Neben ihm besagter Kumpel und ein weiterer Mann aus Göppingen, der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Drogen aller Art kiloweise besorgte und über die beiden Männer aus Ulm auf den Markt brachte. Es geht um fast 18 Kilogramm Marihuana, um 5,5 Kilogramm Amphetamine, mehr als 2000 Tabletten Ecstasy und 245 Gramm Kokain.

Angeklagte schweigen beharrlich

Über die genauen Zusammenhänge der Taten ist noch nicht viel bekannt. Im Unterschied zu dem 29-Jährigen schweigen die beiden Hauptangeklagten, die sich nach Angaben der Ermittler das einträgliche Geschäft redlich aufteilten. Der 31-jährige Mann aus Göppingen, ein erfolgreicher Geschäftsmann mit Bodybuildervergangenheit, besorgte den Stoff in den Niederlanden, wo er nach seinem Studium eine zeitlang als Broker gearbeitet hatte. Und sein 29 Jahre alter Partner sorgte für die Verteilung der Ware im Ulmer Raum.

Professionelle Vorkehrungen

Dabei träumte das Duo offenbar von noch größeren Geschäften. Jedenfalls erlaubt das Gebaren einen tiefen Einblick in die kriminelle Energie, mit der das Duo unter Hilfe des dritten Mannes vorgegangen war. Für Beschaffungsfahrten in die Niederlande wurde etwa ein Motorrad angemietet, das mit Folie ein anderes Styling bekommen sollte, um es im Falle einer nötigen Flucht schnell verändern zu können. Außerdem wollten sie die Beutel mit dem Kokain mit einem Peilsender versehen, um die Drogen wiederzufinden, falls sei auf der Flucht weggeworfen werden müssten.

In der Garage klickten die Handschellen

Letztlich war die Polizei dann aber doch schlauer und fand in einer als Lager dienenden Garage in Wiblingen allein 15 Kilogramm Marihuana, das auf seine Verteilung wartete. Der Prozess mit 16 Zeugen ist derzeit auf sechs Verhandlungstage angelegt. Ein Urteil soll voraussichtlich Ende April erfolgen.

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