Steinheim Dreschen wie früher

Wie mühsam das Dreschen von Wintergerste oder Weizen früher auf einer separaten Dreschmaschine ablief, das zeigten gestern Steinheimer auf ihrem Sommerfest. Foto: Oliver Schulz
Wie mühsam das Dreschen von Wintergerste oder Weizen früher auf einer separaten Dreschmaschine ablief, das zeigten gestern Steinheimer auf ihrem Sommerfest. Foto: Oliver Schulz
Steinheim / CAROLIN STÜWE 06.08.2012
Es wurde nicht nur gegessen und Musik gehört wie sonst oft bei Sommerfesten. Sondern das Steinheimer Fest erinnerte an die Landwirtschaft von einst: mit Dreschmaschine, alten Traktoren und "Strauba".

Wenn ein laut tuckernder Traktor, Baujahr 1955, über Riemenscheiben eine Dreschmaschine antreibt und der warme Wind Dieseldunst und Strohstaub in die Luft wirbelt, dann ist " Schau-Dreschen" beim Sommerfest in Steinheim. Der Neu-Ulmer Stadtteil, wo zu landwirtschaftlichen Hoch-Zeiten noch 43 Bauern Milch in der ortseigenen Molkerei ablieferten, und heute nur noch vier Haupterwerbslandwirte im Einsatz sind, erinnerte gestern an die schönen, aber auch arbeitsintensiven Zeiten auf dem Land.

Beispielsweise an das Jahr 1954, als der damals achtjährige Georg Gruß bei der Getreideernte die "Strohbänder", maschinell gedreht aus langem Roggenstroh, auf dem Feld auslegte. Damit banden die erwachsenen Erntehelfer das von Hand geschnittene Getreide zusammen, um es einfahren zu können. "Damals wurde aber erst im November gedroschen, wenn die anderen wichtigeren Feldarbeiten erledigt waren", erzählte der heute 66-jährige Gruß und ehemalige Steinheimer Landwirt den Zuschauern. Sie konnten beobachten, wie die Dreschmaschine die Getreidebündel schluckte und am anderen Ende sich die Rupfensäcke füllten. Mehr sah man nicht. Gruß erklärte: Eine Trommel schlägt die Ähren gegen den Dreschkorb und ein Windzug trennt die Spreu vom Weizen.

Ausgereift und gedroschen waren auf der Spielstraße für Kinder auch die gelben Erbsen. Sie kullerten einzeln aus einem Loch auf ein leicht schräges Brett und mussten mit dem Hammer getroffen werden. An früher erinnerte wiederum der "Waschtag". Quirin Göbel, 10, machte es den Mädchen vor: Wäsche waschen, auswringen, auf die Leine hängen und wieder von dort abnehmen. Eine echte Alternative zum Torwandschießen nebenan.

"Wann wirds mal wieder richtig Sommer?", spielte der Musikverein Nersingen auf der Bühne. In Steinheim war an diesem Wochenende mal Sommer, weshalb die Gäste gerne draußen saßen, etwa zum Fassanstich am Samstagabend. Die Spezialität "Strauba" gab es erst gestern Abend. Für die Süßspeise lässt man Pfannkuchenteig durch einen Trichter ins heiße Fett laufen. Die krossen, goldbraunen Spiralen werden mit Puderzucker und Marmelade gegessen, erklärte Landwirtsfrau Luitgard Herrmann. Früher war das ein Mittagessen, "aber mit einer guten Suppe vorneweg".

Danach ging die Feldarbeit weiter für die Bauern. Auch für den Großvater von Andreas Ihle (33), der seinem Enkel einen grünen Deutz von 1966 vermacht hat. Ihle hat ihn aufpoliert und benutzt ihn noch zum Holzmachen. Gestern war er damit wie 50 andere Schlepperfans zum Steinheimer Sommerfest gekommen. Ebenfalls aus Ludwigsfeld kam Ralf Raiber (35) mit Sohn Tom (6) auf einem Lanz Bulldog von 1952. Der Traktor stammt von Raibers Uropa, und der betrieb einst eine Lohndrescherei.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel