Austausch Drei Monate in den USA leben

Bayerisch-schwäbische Kultur meets USA: Anna Köhler traditionell im Dirndl mit den „New-Ulm Narren“. 
Bayerisch-schwäbische Kultur meets USA: Anna Köhler traditionell im Dirndl mit den „New-Ulm Narren“.  © Foto: New Ulm Journal
Julia Hawener 09.11.2018

Drei Monate lang in den USA wohnen, Leute kennen lernen, die Kultur erleben und in den amerikanischen Berufsalltag reinschnuppern: Diese Erfahrungen durfte Anna Köhler dieses Jahr sammeln, denn die 22-jährige Rhetorik-Studentin war im Rahmen eines Berufsaustauschprogramms vom 1. Juli bis zum 30. September in Ulms/Neu-Ulms Schwesterstadt New Ulm (Minnesota) und sagt: „Ich würde es sofort wieder machen.“ New Ulm heißt die Stadt nicht zufällig: Sie wurde vor vielen Jahren von deutschen Einwanderern gegründet und nach der Partnerstadt in Deutschland benannt.

Das erste Mal in Kontakt mit dem „Hans-Joohs-Exchange-Program“ kam Anna Köhler bereits 2016, als sie der damaligen Praktikantin des Austauschprogramms begegnet ist. „Das Konzept klang super interessant, auch im Vergleich zu einem normalen Studienaustausch.“ Anders als bei anderen Programmen wird man für drei Monate bei New Ulmer Gastfamilien untergebracht, also direkt in den Alltag integriert. Man bekommt die Möglichkeit, ein Praktikum bei einer Firma oder Einrichtung der 14 000-Einwohner-Stadt zu machen. Die 22-Jährige, die in Ulm aufgewachsen ist und jetzt in Tübingen studiert, hat letztes Jahr die Chance ergriffen und sich kurzerhand beworben.

Abenteuer USA

Am 1. Juli 2018 ging es los, „am Anfang war es schon gruselig, nicht zu wissen, wie die Gastfamilien sich so verhalten“, erzählt sie rückblickend. „Aber die Leute dort freuen sich so sehr, einem die eigene Kultur zu zeigen.“ In drei verschiedenen Gastfamilien war sie jeweils für einen Monat untergebracht, und alle drei Familien seien bemüht gewesen, „dass ich dort die Zeit meines Lebens habe“.

Baseballspiele, Theater- und Museumsbesuche oder auch ein Ausflug zu einem der vielen nahegelegenen Seen Minnesotas waren Teil der unzähligen „unvergesslichen“ Ausflüge. Es sei deshalb unmöglich, einen Lieblingsmoment zu benennen, jedoch ist ihr eine Erfahrung ganz besonders im Gedächtnis geblieben: „Kulturell sehr beeindruckend war das Indianer-Festival Pow Wow, bei dem die Kultur der Native Americans gefeiert wird und staatenübergreifend verschiedene Stämme zusammenkommen, um gemeinsam ihre Vorfahren zu ehren. Es war wirklich bewegend.“

Nicht nur die Kultur wurde ihr näher gebracht, denn während ihres Aufenthalts absolvierte sie unter der Woche zwei Praktika, ein sechswöchiges beim Radiosender „KNUJ“ und ein fünfwöchiges bei der Zeitung „The Journal“, wobei „beide mega viel Spaß gemacht haben.“ Zudem fungierte sie in New-Ulm als Vertreterin der Städte Ulm und Neu-Ulm und deren schwäbisch-bayrischer Kultur. Das hieß für sie: Vorträge vor lokalen Clubs und Vereinigungen halten, sowohl über ihre Heimatstadt als auch den eigentlichen Austausch. „Alle waren immer super interessiert an dem, was ich erzählt habe.“ Und man merke auch immer noch die Verbundenheit zu den deutschen Vorfahren, so werden Spätzle und Sauerkraut auch am anderen Ende der Welt gegessen. Die Einwohner sprechen jedoch nur noch wenig Deutsch, da sind dann also Englischkenntnisse gefragt. New Ulm wieder zu besuchen, hat sie auf jeden Fall vor, sagt Anna Köhler, die auch noch in Kontakt mit all ihren Gastfamilien steht.

Für die zukünftigen Bewerber hat die 22-Jährige noch ein paar Tipps auf Lager: „Man sollte sich einfach darauf einlassen, offen sein und nicht alles planen, denn es ergeben sich viele tolle spontane Erlebnisse“. Und: Man sollte gelegentlich auch mal ein deutsches Wort einfließen lassen, denn darüber haben sich vor allem die älteren Bewohner von New Ulm sehr gefreut.

Das „Hans-Joohs-Exchange-Program“

Bewerbung Studierende, Auszubildende (die bis zum Beginn des Berufsaustauschs ihre Ausbildung beendet haben) und junge Berufstätige aus Ulm, Neu-Ulm und der Region können sich noch bis zum 30 November 2018 für den nächstjährigen Austausch bewerben.

Voraussetzung Ohne sehr gute Englischkenntnisse geht nichts; Höchstalter:  25 Jahre. Der Austausch findet in der Regel in der zweiten Jahreshälfte statt.

Anmeldung Interessierte sollten sich mit einem kurzen Bewerbungsschreiben und Lebenslauf bei Finanzbürgermeister Martin Bendel melden. Fragen sind unter Tel. (0731) 161-1090 oder 161-2002 möglich.

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