Memmingen Drei Männer aus Neu-Ulm wegen Menschenhandels verurteilt

THOMAS BLOCK 09.12.2013
Sie sollen vier Frauen nach Deutschland gelockt und zur Prostitution gezwungen haben. Am Montag legten vier Männer aus Pfuhl ein Teilgeständnis ab. Sie wurden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Am Ende der Verhandlung warteten sie vor dem Gerichtssaal - zwei der Frauen, die zur Sexarbeit im Neu-Ulmer FKK Safari-Club und im Ulmer Eros-Center gedrängt worden sind, zwölf Stunden täglich, sieben Tage die Woche, nur zwei freie Tage im Monat. Die Männer, die ihnen das angetan haben sollen, sind nach sieben Monaten Untersuchungshaft am Montag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Als sie in Jogginghosen und ohne Handschellen das Memminger Amtsgericht verließen, wurden sie von den geschädigten Frauen empfangen - mit Küssen, Umarmungen und Gesten der Erleichterung. Opfer und Täter zogen Hand in Hand Richtung Innenstadt.

Es war dieses enge Verhältnis, das der Anklage schon am ersten Verhandlungstag ihre Grundlage entzog. Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung lautete der Vorwurf gegen die drei Männer aus Neu-Ulm, das Gesetz sieht für solche Fälle Haftstrafen von bis zu zehn Jahren vor. Vor dem Gericht legten die Angeklagten ein Teilgeständnis ab: Sie gaben zu, vier Frauen darin bestärkt zu haben, sich zu prostituieren - von Zwang keine Rede. Das Gericht verhängte Bewährungsstrafen von einem Jahr und zehn Monaten für einen und einem Jahr und acht Monaten für zwei der Männer.

Mehr war nicht drin, und das lag an der Aussage der Opfer. Die vier Frauen zwischen 19 und 22, der deutschen Sprache nicht mächtig und weitgehend mittellos, seien mit falschen Versprechungen aus Rumänien nach Deutschland gelockt worden - ein besseres Leben, ein Kellnerjob, Geld für die Familie. Doch in Deutschland angekommen, sollen die Männer ihnen stattdessen "die Möglichkeit der Prostitution" nahegelegt haben. Aus abgehörten Telefongesprächen geht hervor, dass sie täglich von einem der Täter ins Bordell gefahren und zwölf Stunden später wieder abgeholt worden sind. Das eingenommene Geld traten sie noch am selben Abend ab, hielten sich die Prostituierten nicht an Absprachen, gab es Auseinandersetzungen. Dennoch: Im Zeugenstand gaben alle Frauen an, sich freiwillig auf die Umstände eingelassen zu haben. Auch als die Täter in Haft saßen, arbeiteten sie weiter im Eros-Center und FKK Safari Club.

Eine "Scheinfreiwilligkeit" sei das, sagte Staatsanwalt Thorsten Liese und: "Der Zwang ist nicht nachweisbar gewesen." Hier seien "vielleicht viele Dinge im Graubereich, die aber nicht sichtbar gemacht werden konnten", sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Dass es trotzdem zu einer Verurteilung kam, lag lediglich am Alter der Opfer: Des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung macht sich jeder schuldig, der Personen unter 21 Jahren in einem fremden Land zur Aufnahme der Prostitution bringt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frauen auf "Initiative der Angeklagten" in die Prostitution gingen - zwei von ihnen waren zu dem Zeitpunkt unter 21.

"Das ist nicht der klassische Fall einer Zwangsprostitution", sagte einer der Verteidiger im Schlussplädoyer. Die Täter seien keine organisierten Zuhälter, sondern, wie die Opfer, Wirtschaftsflüchtlinge aus Rumänien - bevor sie nach Deutschland kamen, arbeiteten sie in Italien, Portugal und England als Erntehelfer und Hilfsarbeiter. Am dritten Verhandlungstag einigten sich Staatsanwaltschaft und Verteidiger deshalb auf ein vorzeitiges Ende des Prozesses. Die Täter gestanden, die Frauen zur Prostitution überredet zu haben, der Staatsanwalt verzichtete im Gegenzug darauf, weitere Zeugen zu vernehmen.