Michaela Vogt (Startnummer 571): "Nach circa 30 Kilometern tut es richtig weh", sagt Marathonläuferin Michaela Vogt, die dieses Jahr zu ihrem neunten Einstein-Marathon antritt. "Denn dann kommt der Mann mit dem Hammer", wie man unter Läufern sagt, wenn der Körper auf seine Fettspeicher zurückgreifen muss. Die 41-jährige gebürtige Bodenseeerin lebt seit 2003 in Ulm. 2005 war eine doppelte Premiere: Es war das Jahr des ersten Einstein-Marathons und zugleich Michaela Vogts erster Marathon überhaupt. Sie kann sich noch sehr gut daran erinnern: "Es war ein unbeschreibliches Gefühl so lange gelaufen zu sein." Der damalige Entschluss überhaupt mitzulaufen kam für die ehemalige Handballerin aus eigenem Ansporn: "Jeder hat in seinem Leben eine Art Agenda mit Dingen, die er unbedingt einmal gemacht haben will. Bei mir gehörte eben ein Marathon dazu." Daraufhin bewarb sich Vogt 2005 beim Vorbereitungs-Team der SÜDWEST PRESSE für die 42,195 Kilometer, wobei sie sich zunächst einer ausführlichen ärztliche Untersuchung unterziehen musste, bei der überprüft wurde, ob sie körperlich überhaupt für einen Marathon geeignet ist. "Ich habe nicht gedacht, dass ich überhaupt genommen werde", sagt sie. Inzwischen sind acht Jahre vergangen und Michaela Vogt hat viele Lauf-Erfahrungen gesammelt. Das hilft ihr bei der Vorbereitung sowie beim Marathon selbst: "Mit der Zeit wird man strategisch und taktisch klüger", sagt sie. "Zudem lernt man seinen Körper extrem gut kennen." Auf dem Programm stehen neben zwei bis drei Marathons pro Jahr auch regelmäßig Triathlons. Außerdem läuft Vogt auf den großen Events, wie zum Beispiel dem Hamburg-Marathon, wo echte Profis antreten. Auch wenn es die beim für den Breitensport angelegten Einstein-Marathon nicht gibt, bleibt der Ulmer Lauf für Vogt etwas ganz Besonderes und darf im Saisonplan auf keinen Fall fehlen. "Eine Atmosphäre wie hier gibt es sonst nirgends", sagt Vogt. Die ganze Stadt sei schon seit Wochen im Laufrausch. "Zurzeit findet man an der Donau fast kein freies Plätzchen mehr zum Joggen." Zur guten Atmosphäre gehöre auch, dass der Einstein-Marathon ein regionales Ereignis ist. "Wir erfahrene Läufer kennen beinahe alle die mitlaufen. Aus Ulm ist mir eigentlich niemand bekannt, der noch nicht in irgendeiner Form am Einstein-Marathon mitgewirkt hat", sagt Vogt, die morgen bereits ihren dritten Marathon 2013 läuft. Das Wichtigste für ein gutes Abschneiden sei weniger die Tagesform, als eine gute Vorbereitung. "Die Vorbereitung geht nicht in den Wochen vor dem Lauf los, sondern erstreckt sich über das ganze Jahr", sagt Michaela Vogt. Dabei sei neben Ausdauer- auch Krafttraining essentiell. "Ich gehe zweimal die Woche ins Fitnessstudio." Vor allem die Rumpfmuskulatur, die allein durch Laufen nicht ausreichend trainiert werden könne, soll dabei gestärkt werden. Das ausgiebige Training im Vorfeld soll beim Marathon selbst auch helfen um gewisse Schwellenwerte zu überwinden, die nach einiger Zeit erreicht werden. Ihre Bestzeit lief Vogt trotz schlechter Bedingungen vor zwei Jahren in Ulm: 3:29:44 Stunden. Da der Einstein-Marathon in diesem Jahr ihr Saisonabschluss ist, hat sich Michaela Vogt nicht mehr allzu hohe Ziele gesetzt. "Klar will ich, wie bisher immer, unter vier Stunden laufen", sagt sie: "Aber das Wichtigste ist, mit einem Grinsen auf dem Gesicht ins Ziel zu laufen." Diese Einstellung legt sie auch jungen Startern ans Herz, die vielleicht zum ersten Mal so lange laufen: "Genießt den ganzen Lauf und vor allem die letzten Meter. Ganz wichtig: Überhaupt ins Ziel zu kommen sollte das Ziel sein." Mia Mann (17 486): Am 3. Oktober wird Mia Mann aus Rammingen achtzig Jahre alt. Das hindert sie allerdings keineswegs daran, weiterhin am Einstein-Lauf, genauer gesagt beim Ding Walk, teilzunehmen. "Gutes Training ist das Wichtigste. Man muss sehr bedacht laufen und sich richtig warmmachen", verrät Mann ihr Erfolgsgeheimnis. "Nach dem Lauf ist vor dem Lauf", lautet ihr Motto. Seit vielen Jahren ist sie nun Mitglied bei den Sportfreunden Rammingen und trainiert wöchentlich zwei- bis dreimal mit ihrer Walking-Gruppe. Ihr Trainer Georg Häußler hat großen Anteil daran, dass sie noch so aktiv dabei ist. "Er ist ein sehr geduldiger Trainer und motiviert uns immer wieder", sagt Mann. Vor ein paar Jahren hat er ihr vorgeschlagen doch einmal beim Einstein-Lauf mitzumachen. "Er hat zu mir gesagt: Mia, dich sieht man so oft auf dem Fahrrad und an der frischen Luft, das wäre doch etwas für dich." Damals war sie schon über 70 und glaubte nicht daran, dass sie in diesem für sie neuen Sport noch Fuß fassen könne. "Anfangs ging es noch ziemlich schwer. Man lernt zunächst ohne Stöcke, später mit Stöcken zu laufen", sagt Mia Mann, die nun vor ihrem siebten Einstein-Lauf steht und putzmunter wirkt. Neben dem Einstein-Lauf hat die zweifache Mutter und Großmutter noch an anderen regionalen Läufen, wie dem Eselsberger Tallauf in Herbrechtingen, teilgenommen. Dabei hat sie schon die unterschiedlichsten Bedingungen erlebt. "Ich laufe auch, wenn es regnet", sagt Mia Mann: "Vor einem Lauf war der Himmel einmal so schwarz, dass wir dachten, der Himmel bricht über uns herein. Es goss in Strömen und wir wurden klitschnass." Das macht der 79-Jährigen genauso wenig aus, wie, dass sie bei vielen Läufen, wie auch beim diesjährigen Einstein-Lauf, stets die Älteste auf der Teilnehmerliste ist. "Ich laufe, solange die Gesundheit es zulässt." Harald Bratke (14 195): "Ich repräsentiere wohl die Lockeren unter den Läufern", sagt Harald Bratke (44), der nach seiner Premiere im vergangenen Jahr zum zweiten Mal dabei ist. "Ich laufe rein hobbymäßig mit." Bratke ist Mitglied im Verein Diabetes Kinder Ulm und Umgebung, ein Zusammenschluss von Eltern, bei deren Kindern Diabetes mellitus Typ 1 diagnostiziert worden ist. Sein bald zehnjähriger Sohn Paul ist von dieser Krankheit betroffen und läuft zusammen mit dem Vater die fünf Kilometer. "Für Paul ist viel Bewegung wichtig, er freut sich schon lange auf das Ereignis", sagt Bratke. Bei den Bratkes ist der Einstein-Lauf Familienangelegenheit. "Meine Frau läuft die 10 Kilometer, auf die werde ich wahrscheinlich nächstes Jahr hochgehen." Und sogar die siebenjährige Tochter ist schon dabei, beim heutigen Schülerlauf. Den Erfolg des Einstein-Marathons sieht Bratke darin, dass es ein bunt gefächertes Angebot für alle Altersklassen und Läufertypen gibt. "Es ist jedes Jahr ein besonderes Erlebnis für die ganze Stadt." Insbesondere der Zieleinlauf auf dem Münsterplatz sei ein Highlight, weil man dort viele bekannte Gesichter trifft. "Letztes Jahr habe ich zufällig meinen Kumpel Ralf getroffen, der einen Marathon gelaufen war." Bis zu seinem 30. Lebensjahr war Bratke ohne Auto unterwegs. "Ich bin überall mit dem Mountainbike hingefahern, um mich fit zu halten." Heute geht er noch zeimal die Woche mit seiner Frau und seinem Sohn Paul laufen. Zum Teil als Vorbereitung für den Einstein-Marathon, aber auch einfach um an die frische Luft zu kommen. "Wenn man einen Schreibtischjob wie ich hat, kommt man gerne raus", sagt der Rechtsanwalt aus Senden.