Der Zuschauer als Kritiker Drama und Düsternis

Die Hochzeitsszene mit (von links) Joska Lehtinen, Maryna Zubko und  I Chiao Shih.
Die Hochzeitsszene mit (von links) Joska Lehtinen, Maryna Zubko und  I Chiao Shih. © Foto: Joska Lehtinen, Maryna Zubko, I Chiao Shih, Opern- und Extrachor des Theaters Ulm (Foto: Martin Kaufhold)
Ulm / Von Kathrin Schuler 07.01.2019

Auch wenn einigen Zuschauern Ansgar Haags Inszenierung von „Lucia die Lammermoor“ etwas zu blutig daherkommt: Unterm Strich goutierten sie, wie die Sänger und das Philharmonische Orchester, das an diesem Abend vom 1. Kapellmeister Levente Török dirigiert wurde, die düstere Geschichte der Donizetti-Oper, die von verlorener Liebe, Familienfehden und Rache handelt, auf die Bühne bringen.

Karin Specht (59), Senden: Mich hat noch nie eine Oper so mitgerissen wie diese – obwohl ich sie bereits zum dritten Mal gesehen habe. Das Duett von Lucia (Maryna Zubko) mit der Glasharmonika fand ich großartig. Sängerin und Instrument haben dabei perfekt harmoniert. Ich habe ein Abo für die Oper und bin trotzdem immer wieder fasziniert, wie die Stücke bühnentechnisch umgesetzt werden. Dieses Mal hat mich besonders die Szene gegen Ende beeindruckt, als das Liebespaar noch einmal auf der Bühne zu sehen war.

Magdalena Weiher (20), Ulm: An diesem Stück hat mir besonders gut gefallen, dass so viele junge Sänger darin mitgewirkt haben. Die Oper war auch insgesamt sehr kurzweilig und die Inszenierung (Ansgar Haag) in sich stimmig. Auch wenn viel Blut floss, in diesem Fall hat es gepasst. Am besten hat mir die Hochzeitsszene gefallen, in der man ganz deutlich gespürt hat, wie sich die Stimmung wandelt.

Stephan Einfalt (65), Roggenburg: Manchmal haben Opern ja so ihre Längen, und man hat das Gefühl, die Zeit vergeht nicht. Doch bei diesem Stück war das anders, es war sehr spannend. Ich muss sagen, es war ein ganz großer Opernabend, wie man ihn in Ulm nur selten erlebt. Das ganz klare Highlight war natürlich die Wahnsinnsarie der Lucia (Maryna Zubko) im dritten Akt – nicht umsonst hat Donizetti die Glasharmonika dafür vorgesehen, auch wenn das so wie in Ulm nur selten auf der Bühne zu sehen ist. Neben der Lucia, die natürlich alles überstrahlt hat, ist es jedoch auch dem Tenor (Joska Lehtinen) und dem Bariton (Dae-Hee Shin) gelungen, daneben nicht unterzugehen. Optik und Akustik haben in der Inszenierung von Ansgar Haag außerdem sehr gut harmoniert.

Karin Hollricher (57), Pfuhl: Die Dramatik haben die Sänger ganz hervorragend umgesetzt. Das Bühnenbild (Christian Rinke) hat dabei die düstere Stimmung sehr gut eingefangen. Besonders gut gefallen hat mir Maryna Zubko als Lucia, die in diesem Stück ihre Stimme so richtig entfesseln konnte. Nach der Arie im dritten Akt, nachdem Lucia ihren Gatten umgebracht hat, hat sich auch erst einmal niemand getraut zu klatschen. Mit Maryna Zubko hat das Theater Ulm wirklich einen Treffer gelandet.

Jochen Narr (57), Leutkirch: Zu Beginn fand ich die Inszenierung sehr drückend und düster – regelrecht morbid. Das hat mitunter an den Kostümen (Renate Schmitzer) und am Bühnenbild (Christian Rinke) gelegen, doch es wirkte auch so, als ob die Musiker nicht richtig miteinander harmonierten. Die Sänger mussten in den ersten zwei Akten regelrecht gegen die Finsternis ansingen, worunter die schönen Passagen gelitten haben. Inszenierungen sind natürlich Geschmackssache, doch für meinen Geschmack war es selbst für eine dramatische Oper sehr schwer. Der dritte Akt war jedoch hervorragend: Wenn die Sänger auch bis dahin etwas angestrengt gewirkt haben, konnten sie jetzt ihr Können zeigen. Und obwohl von da an viele Charakere sterben, war eine Leichtigkeit in Musik und Gesang zu spüren, die mir bis dahin gefehlt hatte.

Clara Schrickl (19), Garmisch-Partenkirchen: Für mich war das Spiel mit der Glasharmonika ein ganz neues Erlebnis. So etwas hatte ich noch nie gehört. Das ganze Stück war wunderschön – auch wenn ich mich an die Musik Donizettis und die Belcanto-Oper erst einmal gewöhnen musste. Wenn ich die Oper in wenigen Worten beschreiben müsste, würde ich sagen: Dunkel, dramatisch und man wird auf jeden Fall in den Bann gezogen. Es war auch nicht zu erdrückend durch den wunderschönen Gesang. Am besten gefallen hat mir die Lucia (Maryna Zubko), die einfach unglaublich hoch singen kann.

Heidrun Rockenbauch (78), Geislingen: Die Musik war einfach überwältigend. Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat, war die etwas zu blutrünstige Inszenierung (Ansgar Haag). Manchmal hat es auf der Bühne doch sehr nach Schlachthaus ausgesehen, das war mir etwas zu drastisch. Ich wusste ja, dass es um Mord und Totschlag geht und es nichts zu lachen gibt, doch das war mir dann doch einfach etwas zu dick aufgetragen. Aber die Sänger mit ihren wunderbaren Stimmen haben das dann überstrahlt. Es war ein sehr intensives Erlebnis.

Die weiteren Termine im Großen Haus

Aufführungen Ansgar Haags Inszenierung von Gaetano Donizettis Oper „Lucia di Lammermoor“ wird im Großen Haus des Theaters Ulm noch neun Mal gespielt: am 9. Januar (20 Uhr), am 11. Januar (20 Uhr), am 13. Januar (14 Uhr), am 15. Januar (20 Uhr), am 20. Januar (19 Uhr), am 2. Februar (20 Uhr), am 9. Februar (20 Uhr) und am 14. Februar (19 Uhr).

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