Drachentöter trifft Amazone

Ein Hauch von Villa Kunterbunt: (von links) Vanessa Reich, Wiebke Neulist und Björn Jochum in "Die lustigen Nibelungen". Foto: Hermann Posch
Ein Hauch von Villa Kunterbunt: (von links) Vanessa Reich, Wiebke Neulist und Björn Jochum in "Die lustigen Nibelungen". Foto: Hermann Posch
SIBYLLE SCHÄFER 02.07.2012
Das Premierenpublikum bejubelte "Die lustigen Nibelungen" im Theater Ulm, eine witzige Produktion des Jugendclubs Musiktheater.

"Sag mir schmutzige Dinge", herrscht Brunhilde von Isenland ihren Gemahl Gunther, König von Burgund, an. "Bad, Küche", stößt Gunther da verzweifelt hervor. Nein, alle Vertuschungsversuche sind zwecklos: Gunther ist ein Waschlappen, eine Memme, ein "Mädle". Als Brunhilde vor der Nachtruhe ihren allabendlichen Ringkampf einfordert - "Sonst schlaf I net ei" - hat Gunther auch noch Kopfschmerzen. Mit flottem Tempo trieb der Jugendclub Musiktheater am Premierenabend die burleske Operette "Die lustigen Nibelungen" von Oscar Straus und Rideamus voran. Ob Geschlechterrollen, Klischees oder Finanzkrise - alles wird durch den Kakao, oder besser gesagt, durch die Nibelungensage, gezogen. Dabei beweist das Ensemble erfrischenden Sinn für Humor: mal frivol, aber nie billig-zotig, mal plakativ, aber nie überdreht. Ja, die Mischung stimmte auf den Punkt genau, und das Publikum war begeistert.

Siegfried von Niederlanden ist anno 2012 "professioneller Drachentöter" und Besitzer der fünf Millionen schweren "Nibelungen Aktien". Björn Jochum als Siegfried und Max Rechtsteiner in der Rolle des Gunther kosten ihre gegensätzlichen Charaktere mit einem wohldosierten Augenzwinkern überzeugend aus. Da die Königsfamilie von Burgund aber just zu diesem Zeitpunkt den Gerichtsvollzieher im Haus hat, ersinnt Gunthers Onkel Hagen, sympathisch-cool Jonathan Berlin, den Plan, Siegfried an seiner verwundbaren Stelle zu ermorden: "Fünf Mille sind fünf Mille", und die Welt muss auch nicht erfahren, was Gunther für ein Angsthase ist - wie peinlich! Das Dilemma des neuzeitlichen Mannes zwischen Held und Versager gewinnt die nötige Schärfe durch den Auftritt der unterschiedlichen Frauen: der schwäbisch-deftigen Brunhilde (Vanessa Reich) und der verträumten Kriemhild (Isabel Feustel). Die Inszenierung Benjamin Künzels, unter der musikalischen Leitung von Girard Rhoden, punktet mit einem Bühnenbild von Mona Hapke, das spießiges deutsches Wohnzimmerambiente ironisch bricht.

Weitere Vorstellungen am Donerstag, am 15. und 19. Juli.

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