Eingebettet zwischen einem heftigen Gewitter am späten Freitagabend und wieder starken Sturmböen am frühen Samstagabend hat der Ulmer Ruderclub seinen Drachenboot-Cup durchgezogen. Eine heiße und schweißtreibende Angelegenheit für 34 Mannschaften, die auf der braunen Donau fast alle nach der olympischen Devise antreten: Dabeisein ist alles – fast jedenfalls.

Christian Layer, Trainer und Steuermann der „Peri-Drachen“, schwört seine Truppe ein. Die 16 Paddler und Paddlerinnen sowie die Trommlerin bilden mit ihm einen Kreis. Der Trainer redet heftig auf alle ein, und dann ertönt laut ein „Peri-Dracha, mir lend’s kracha!“ So der Schlachtruf der 18 Männer und Frauen, die gleich ins Mixed-Boot steigen und sich an den Start für einen Zwischenlauf oberhalb des Donaustegs begeben, der Ulm mit Offenhausen verbindet. Christian Layer ist von seiner Truppe überzeugt: „Wir standen bislang immer auf dem Treppchen!“ Will heißen: Ein Platz unter den ersten Drei war immer drin – und soll es auch diesmal sein.

Die Firma Peri aus Weißenhorn ist mit drei Teams am Start, einer Mixed-Belegschaft, also Männer und Frauen, einer Azubi-Truppe und einem kleineren gemischten Zehner-Boot. Den Zwischenlauf gegen 13 Uhr bestreitet die große Mixed-Besatzung gegen „Hydro Energie“ und „Funtastix“. Alle legen sich mächtig ins Zeug, angetrieben von einem lauten Dumm-Dumm-Dumm, dem Trommelschlag. Aber kurz vor dem Ziel der 250 Meter langen Strecke ist klar: Die „Peri-Drachen“ zeigen in diesem Rennen keinem Biss. Letzter! Mit einer Zeit über einer Minute. Und für den Trainer und Steuermann, dem das Lachen irgendwie vergangen ist, kommt das einer Schmach gleich. Ob es jetzt, wie im Fußball, eine Trainer-Diskussion gibt? Ach was, winkt die Peri-Truppe ab: „Wir haben zusammen einfach nicht den Takt gefunden nach dem Start.“ Am Ende landen die gemischten Peri-Drachen auf Platz zehn, „Funtastix“ werden siebte und „Hydro Energie“ kommen auf Platz vier. Aufs Treppchen kommen die „Peri-Drachen“ dennoch: Die gemischte Besatzung des kleinen 10er-Boots wird Erster.

Diese kleine Randbegebenheit zeigt: Dabei sein und Spaß haben ist für alle das große Motto und der Reiz an der Sache. Aber ein bisschen Ehrgeiz darf schon auch sein. Und das gilt für alle. Die „Diakonie-Drachen“ aus Ulm und dem Alb-Donau-Kreis werden im ersten Mixed-Lauf Letzter. Schlimmer geht’s nimmer. Und das trotz fünfmaligem Training in der Vorbereitungszeit, wie Heinz-Gerd Biesemann erzählt. Sie hätten sogar eine zusätzliche Trainingseinheit gebucht. Den zweiten Vorlauf aber gewinnen sie. Und für Elke Toth ist klar: „Es ist mental besser, man kommt als Erster ins Ziel und nicht als Letzter“. Stimmt. Aber auch die „Diakonie-Drachen“ können sich steigern, sollten sie im nächsten Jahr wieder dabei sein. Sie holen bei 23 Teilnehmern Rang 16.

Am Abend wird im großen Zelt, das der Ulmer Ruderclub aufgebaut hat, gefeiert – und zwar alle zusammen, die Besatzungen der insgesamt 34 Boote, dazu die etwa 300 helfenden Mitglieder aus dem Ruderclub um den Vereinsvorsitzenden Andreas Huber. Auf der Bühne geht der Wettbewerb weiter: Gesucht werden das beste Drachen-Outfit und die beste Drachen-Show. Sieger sind auch hier die Gewinner des Mixed-Cups „San Turs“. Und „Funtastix“ dürfen sich über den originellsten Drachenkopf am Boot freuen.

Schon am frühen Sonntagvormittag müssen die Helfer vom Ruderclub wieder ran, diesmal unterstützt von Mitarbeitern der Sport- und Rehabilitationsmedizin an der Uni Ulm rund um Diplomsportwissenschaftlerin Stephanie Otto. Zum dritten Mal wird die Benefiz-Regatta „Rudern gegen Krebs“ veranstaltet. Und in jedem Jahr sind es mehr Viererboote mit Steuermann beziehungsweise -frau. 123 Boote gehen diesmal an den Start, 33 mehr als 2015. Solche Wettbewerbe, veranstaltet von der Stiftung „Leben mit Krebs“, gibt es bundesweit in fünf Kategorien (Frauen, Männer, Mixed und Meister), aber auch sechs Patientenboote gehen in Ulm an den Start. In einem Boot sitzen Maximilian (13) und Alfred (15), zwei Jugendliche, die an Krebs erkrankt waren, der eine mit zwei Jahren, der andere mit sieben. Beide sind auf dem besten Weg zur vollständigen Genesung. Toll sei am Rudersport, dass dieser durchaus auch mit Anstrengung verbunden sei, sagt Maximilian, der sich sich überlegt, auch dem Ruderclub beizutreten. Für Alfred ist die Gemeinschaft cool, „weil man sich gerade beim Rudern aufeinander verlassen muss“.

Noch mehr als beim Drachenboot-Cup gilt hier die Devise, dass nicht der Sieg allein alles ist, sondern das Dabeisein – und der Benefizcharakter. Und ein weiteres Ziel verfolge die Stiftung „Leben mit Krebs“: „Der Weg der Patienten soll von der Diagnose über die Behandlung hinein in die Vereine führen“, erklärt Stephanie Otto, die selbst in der Leichtathletik, im Fechten und im Basketball aktiv war, nicht aber im Rudern. Dabei sei Letzteres besonders gesund: „Rudern ist Ganzkörpertraining für Jung und Alt, auch für Menschen mit Einschränkungen.“ Und dass sich alles draußen an der frischen Luft abspielt, „ist der ganz besondere Gesundheitsaspekt“.

Im vergangenen Jahr hat die Veranstaltung unter dem Strich 33 000 Euro nach Abzug aller Unkosten und der Abgaben für den Ruderclub und Stiftung eingespielt. Das Geld floss in die Sport- und Rehabilitationsmedizin der Uni Ulm. Die Einnahmen setzen sich dabei aus dem Startgeld zusammen, das die Teilnehmer an der Benefiz-Regatta bezahlen müssen, dazu kommen Spenden und Sponsoring-Beträge. Weil es in diesem Jahr deutlich mehr Teilnehmer sind, hofft Stephanie Otto, das am Ende deutlich mehr übrig bleibt als vor einem Jahr.

Die Drachenboot-Sieger

Boote 16er Mixed 1. San Tours, 2. SETRAchen, 3.Medical Express, 4. Hydro Energy, 5. Wieland Barracudas.

 

Boote 10er Small Mixed 1. Peri Dragon Boat Team II, 2. UMS Wasserratza, 3. Donau Drachen Ulm, 4. Fachklinik Ichenhausen.

 

Boote 16er Schüler/Azubi-Cup 1. 69er Wikings, 2. URCD Donau Thunder, 3. Valckenburgschule Ulm, 4. Reinz Azubis, 5. H & S.