Nachruf Dr. Uwe Schmidt gestorben

Dr. Uwe Schmidt bei seiner Buchvorstellung in der Ulmer vh.
Dr. Uwe Schmidt bei seiner Buchvorstellung in der Ulmer vh. © Foto: KOENNEKE V
Ulm / Hans-Uli Mayer 04.01.2019

Kaum eine Formulierung könnte das Leben des Ulmer Historikers Dr. Uwe Schmidt besser beschreiben, als ein von ihm selbst gewählter Buchtitel: „Ein redlicher Bürger redet die Wahrheit frei und fürchtet sich vor niemand.“ So benannte er sein 2007 vorgestelltes Buch, in dem er die Auswirkungen der französischen Revolution auf das Bürgertum in Ulm zusammengefasst hat. Am Samstag ist er wenige Tage vor seinem 64. Geburtstag in seinem Heimatort Breitingen im Lonetal einer langen Krankheit erlegen.

Schmidt hatte in Würzburg und Freiburg Geschichte studiert und auch die Prüfung für das Lehramt erfolgreich abgeschlossen. Eine Stelle im Schuldienst war ihm aber verwehrt geblieben, weshalb er nach knapp drei Jahren im Ulmer Stadtarchiv die Selbstständigkeit als historischer Dienstleister wählte. So hat er beispielsweise die Vereinschronik der Ulmer Sektion des DAV (einschließlich der unrühmlichen Nazi-Zeit) geschrieben und die Geschichte der Ulmer Sozialdemokratie bis zu seiner schweren Erkrankung 2014 festgehalten.

Schmidt war gemäß seines Buchtitels zeitlebens ein streitbarer Geist. Im Studium schon hatte er sich der französischen Revolution zugewandt und seine Doktorarbeit denn auch der bürgerlichen Oppositionsbewegung in Ulm in den Jahren 1794 bis 1800 gewidmet. Beinahe folgerichtig war sein eigenes politisches Eintreten in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung.

Schmidt scheute keine Auseinandersetzung und glaubte an die Kraft des Arguments. 1994 hatte er für die SPD bei der Europawahl ein beachtliches Ergebnis erzielt, der Einzug in das von ihm hochgeschätzte europäische Parlament war ihm aber verwehrt geblieben. Anfang der 2000er Jahre kehrte er seiner Partei hauptsächlich wegen der Agenda-Politik von Kanzler Schröder und dem militärischen Eingreifen auf dem Balkan den Rücken zu. Politisch blieb er aber weiterhin. Er war Mitglied bei den Freidenkern, den Naturfreunden, dem Dokumentations-Zentrum Oberer Kuhberg, der Gesellschaft Heimatpflege und im Lonetalverein.

Schmidt war seit 1997 mit der Ergotherapeutin Martina Jung verheiratet, die im Mai 2016 ebenfalls nach schwerer Krankheit gestorben ist. Die Beisetzung findet am Freitag, 11. Januar, 10 Uhr, auf dem Ulmer Hauptfriedhof statt.

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