Konzert Konzert der Donauwellenreiter in Neu-Ulm

Musikalisch virtuos: die Donauwellenreiter.
Musikalisch virtuos: die Donauwellenreiter. © Foto: Dave Stonies
Neu-Ulm / Christa Kanand 14.08.2017
Die vier Wahl-Wiener bringen ein Crossover aus Pop, Jazz, Folk, Minimal Music und auch mal Tango in die Musikschule.

Einen Begriff für ihren Stil gibt es nicht. Die Donauwellenreiter haben ihren eigenen geschaffen – ungewöhnlich, unverwechselbar. Die vier jungen Wahl-Wiener, die europaweit und auch in Kanada auftreten, sind ein Geheimtipp. Ihr mittelmäßig besuchtes, aber bejubeltes Konzert fand wie alle im Neu-Ulmer Museumshof geplanten Veranstaltungen wegen Bauarbeiten in der Musikschule statt. Erst sanft plätschernd, dann voller Wucht erfasste schon eingangs bei „Rothko“ der Sog der Klangfluten die Crossover-Fans.

Ohne stilistische oder kulturelle Grenzzäune formten sich Klangwelten und -wellen aus Pop, Jazz, Folk und Minimal Music, gemixt mit Tango oder Klaviereinsprengseln à la Bach. Kein Zweifel, das kompositorische Talent von Pianist und Spielmacher Thomas Castañeda, einem Tiroler mexikanischer Abstammung, ist die Basis für den Erfolg des Quartetts. Das punktete ohne wienerische Antiquitäten-Gags in reinen Instrumentalstücken („Euphoria“) ebenso wie mit Dubidu-Scat-Gesang und Singer-Songwriter-Qualitäten.

Charismatischer und optischer, oft tänzelnder Mittelpunkt war die im klassischen Gesang ausgebildete Südtirolerin Maria Craffonara. Nach lockeren Anmoderationen wechselte sie zwischen Violine, die auch zur Ukulele mutierte, und Gesang in warmer Mezzo-Lage. Ausdrucksstarken Canzoni wie „Da sëra“ auf Ladinisch, das noch in Südtirol, Friaul und Graubünden gesprochen wird, folgten auf Italienisch Neuarrangements bitter-süßer Hits von Gianmaria Testa.

Auf feinem Kammermusik-Niveau boten die vier Virtuosen mal Elegisches, oft aber große Attacke: Sie schlugen, hämmerten, sägten, zupften und rupften ihre Instrumente. Lust auf raffinierte Effekte mit Wind- und Naturgeräuschen hatten vor allem Jörg Mikula am Schlagzeug (auch Bongos und Bodhrán-Trommel) und Cellist Lukas Lauermann mit klangsatt sonorem Ton. Bravos und Beifall animierten zu zwei Zugaben, darunter Testas „Comete“ als flottem Rauschschmiss.