Ulm / Julia Kling Fehlende Parkplätze, Kindertagesstätten und Gastronomie für die Mittagspause: Firmen im Ulmer Donautal haben eine Initiative ins Leben gerufen, um diese Probleme gemeinsam anzugehen.

Die Liste der Unzulänglichkeiten, die die Unternehmen im Donautal umtreiben, ist lang. Möglichkeiten der Kinderbetreuung fehlen ebenso wie etwa Einkaufsmöglichkeiten für die Tausenden Beschäftigten der Betriebe im Industriegebiet oder Lösungen für den Schwerlastverkehr Südwest. Um effektiver und mit mehr Nachhall ihre Anliegen weiterzuentwickeln und bei Behörden vorzubringen, haben sich knapp 20 Unternehmen zur Initiative Donautal Connect zusammengeschlossen.

„Zusammen können wir für große wie für die vielen kleinen Unternehmen Vorteile schaffen“, zeigte sich Ratiopharm-Geschäftsführer Andreas Burkhardt am Dienstag bei der Vorstellung der Initiative überzeugt. „So können wir gemeinsam Probleme lösen und werden eher gehört.“

Mehr Parkhäuser im Donautal?

Oberste Priorität habe dabei das Thema Verkehr. „Das beschäftigt uns alle“, sagte Burkhardt. Inzwischen sei die Situation im Donautal sehr angespannt. „Deshalb stellt sich uns die Frage: Wo können wir Parkhäuser im Donautal bauen?“, sagte Philipp Heim, Geschäftsführer vom gleichnamigen Asphaltwerk. Die Initiative, die sich als Interessengemeinschaft der Entscheider des Industriegebiets sieht, möchte dafür bei der Ulmer Unternehmensberatung Ingenics eine Studie in Auftrag geben, die mögliche Standorte für Parkhäuser evaluiert.

Zahlreiche Baustellen in Ulm und Neu-Ulm fordern Verkehrsteilnehmer heraus. Eine Karte mit aktuellen Baustellen soll Abhilfe schaffen.

In einem zweiten Schritt soll dann über einen möglichen autonomen Shuttle-Service nachgedacht werden. „Durch den angelaufenen Breitbandausbau bietet das Donautal optimale Voraussetzungen für eine solche Lösung.“ Joachim Müller, Finanzgeschäftsführer von Gardena, sieht zudem in einem umfassenden Verkehrskonzept die Möglichkeit künftig auch Raum für E-Mobilität oder Fahrradwege zu schaffen und den bestehenden Bahnhalt zu integrieren. „Die Stadtverwaltung ist von unseren Überlegungen sehr angetan“, sagte Burkhardt.

Kosten sieht die Initiative nicht als problematisch

Die Kosten für neue Parkhäuser sieht die Initiative nicht problematisch. Denkbar seien etwa auch Beteiligungs- oder Genossenschaftsmodelle. Neben einer Entspannung der Parksituation seien vor allem die frei werdenden, heute als Parkplätze genutzten Flächen ausschlaggebend. „Die sind vor allem für die großen Betriebe ein Anreiz, sich auch bei den Parkhäusern einzubringen“, prognostiziert Heim. „Denn das Hauptaugenmerk liegt im Donautal auf der Nachverdichtung.“

Das Ziel der Initiative ist nicht zuletzt auch die Attraktivität der Betriebe als Arbeitgeber zu stärken. „Wir haben alle Konkurrenten, aber die wenigstens direkt im Donautal.“ In dieser Konstellation sieht Müller einen großen Vorteil der Interessengemeinschaft. „So ist ein Austausch und eine Zusammenarbeit möglich.“

Donautal Connect ist „kein Debattierclub“

Viermal im Jahr treffen sich die Mitglieder zu zweistündigen Besprechungen. Die Koordination hat Karl-Heinz Raguse vom Kreisverband des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft (BVMW) übernommen. „Zunächst gab es die Überlegung, einen eigenen Verein zu gründen.“ Der anlaufende Organisationsaufwand habe aber die Mitglieder dazu bewogen, die Initiative unter dem Dach des BVMW zu gründen. „Hier sind die Strukturen schon vorhanden.“

Raguse ist es wichtig, zügig erste Ziele zu erreichen. „Wir sind kein Debattierklub.“ Im Vordergrund solle die Problemlösung stehen. Fragen wie etwa die nach einer Betriebskita könnten auch zwischen den betroffenen Betrieben und nicht im Großen gelöst werden. Das ein eigenes Verkehrskonzept jedoch nicht von heute auf morgen zu realisieren ist, ist den Verantwortlichen klar. „Wir brauchen eine Strategie 2030 oder 2040“, erklärte Raguse. „Wir müssen dem Donautal den Stellenwert geben, den es verdient.“

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