In der Landesregierung wird überlegt, ein Programm zur Sanierung größerer Sportstädten aufzulegen. Stadt Ulm und SSV Ulm könnten mit dem Donaustadion zu dem Profiteuren gehören. Am Montagabend war Sport-Staatssekretär Volker Schebesta auf Einladung der CDU-Fraktion zu Gast, um sich vor Ort zu informieren und Optimismus zu verbreiten.

In der mittelfristigen Finanzplanung des Landes sind keine Mittel vorgesehen. Aber im Zuge der Haushaltsplanung für 2020/2021 werde in Stuttgart über ein Programm für den überregionalen Sportstättenbau nachgedacht. Ulm hat dafür schon den Finger gehoben.

„Wir können es nicht aus dem Ärmel schütteln“, sagte Schebesta, aber das Kultus- und Sportministerium sei aufgeschlossen. Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch bestätigte: In Stuttgart werde über das Thema gesprochen, aus beiden Fraktionen der grün-schwarzen Landesregierung kämen ermutigende Signale.

Konkret geht es darum, das Donaustadion so zu modernisieren, dass es wieder für Deutsche Leichtathletikmeisterschaften und Europäische Jugendmeisterschaften in Frage kommt. Der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) hält große Stücke auf Ulm als Ausrichter, betonte Gerhard Semler, Abteilungsleiter Bildung und Sport bei der Stadt.

Abriss oder Sanierung

Viermal wurden die nationalen Titelkämpfe bereits im Donaustadion ausgetragen, zuletzt 2014. Doch der Verband verlangt 10.000 Sitzplätze, das Donaustadion hat eine Kapazität von 18.800 Menschen, aber nur 4600 Sitzplätze. Zudem entspricht die Infrastruktur dem Stand von vor 20 Jahren, sagt Czisch. Was Hauptgebäude samt Haupttribüne betrifft: „Die Substanz ist in Ordnung, die Funktion nicht mehr.“

2014 hatte die Stadt eine Studie in Auftrag gegeben. Zwei Alternativen wurden geprüft: Abriss- und Neubau der Haupttribüne und neuer Infrastruktur – oder Sanierung plus Tribünen-Anbau. So oder so, 20 Millionen Euro wären in die Hand zu nehmen. Und diese Zahlen sind fünf Jahre alt.

Über die Kosten sei man „erschrocken“, sagte Czisch. Aber er weiß um die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der Sportanlage: „Man fällt raus, wenn man nicht mitläuft“. Das gelte für die Anforderung der Sportverbände und des Fernsehens: „Wir müssen liefern können.“

Der DLV habe großes Interesse an Ulm und Donaustadion, auch weil andernorts immer mehr Stadien in reine Fußball-Arenen umgebaut werden und somit für Leichtathletik-Wettkämpfe nicht mehr in Frage kommen. Zudem „ist unsere Region sportbegeistert“, betonte Czisch. Die Signale aus Stuttgart stimmen Stadt- und Vereinsspitze hoffnungsfroh.

Was ist mit einer Arena für die Fußballer?

Doch was bedeutet das für die SSV-Fußballer, die von einer eigenen Arena träumen? Wenn es einen Geld-Topf des Landes für die Modernisierung des Donau­stadions gäbe, „wollen wir dem nicht entgegenstehen“, sagt Anton Gugelfuß, Präsident der SSV-­Fußballer. Das Donaustadion „ist an allen Ecken und Enden in die Jahre gekommen“, eine Sanierung täte Ulm gut und letztlich auch den Fußballern – zumal in der Übergangszeit bis zu Bau einer eigenen Arena.

Die Frage sei eben, ob die Fußballer, sich „grundsätzlich den Herausforderungen der Zeit stellen wollen“. Die DFB-Pokalspiele im Sommer 2018 hätten gezeigt, „dass wir an Grenzen stoßen“.

Schon bei einem Aufstieg in die dritte Bundesliga entspräche das Donaustadion nicht den Auflagen des DFB: in Sachen Sicherheit, Rasenheizung, Flutlicht. Eine Million Euro müsse man dann mindestens investieren.

Fußballer dürfen auf eigenes Stadion hoffen

Derzeit sind die Spatzen viertklassig. Gugelfuß weiß: „Was sollen wir das Maul aufreißen mit unseren 2500 Zuschauern?“ Aber er sagt auch: „Wenn wir mehr wollen, müssen wir die Arenen-Frage stellen.“

Zwischen Donaustadion-Sanierung und Arenen-Träumen „gibt es keine Konkurrenz“, betont OB Czisch. Das Donaustadion sei die „gute Stube für alle im Ulmer Sport“ – und die SSV-Fußballer „dürfen über ihr eigenes Stadion reden“. Die Standortsuche sei aufgrund von Verkehr- und Infrastruktur-Fragen eine „sehr schwierige“. Hinzu käme die Sponsorensuche.

„Wir machen uns weiter Gedanken“, fasst Anton Gugelfuß zusammen, „und können eine Arena hoffentlich möglichst schnell realisieren“.

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