Nicht ohne Selbstironie nennt Christian Glass sein Haus das „Museum mit dem langen Namen“. In der Tat: Donauschwäbisches Zentralmuseum (DZM) klingt sehr sperrig. Aber der Name lässt keinen Zweifel daran, um was es geht. Die Kultur der Donauschwaben soll dort bewahrt werden, in einem Haus, das dem europäischen Gedanken verpflichtet ist. Und das macht das DZM exakt seit 20 Jahren. Am 8. Juli 2000 war das Museum eröffnet worden.

Dass es in der Ulmer Donaubastion sein Domizil fand, hat historische Gründe. Ulm war die Stadt, von der aus die meisten  Menschen in die Siedlungsgebiete in Südosteuropa starteten. Und „Ulm war auch immer ein Thema bei den Donauschwaben“, sagt Hans Supritz, der Bundesvorsitzende ihrer Landsmannschaft. „Nach der zwangsweisen Rückwanderung der Donauschwaben nach 1945 wurde Ulm zur symbolischen Hauptstadt aller Donauschwaben.“ Wobei unter dem Begriff Donauschwaben die Deutschen aus Ungarn und Rumänien, die Sathmarer Schwaben und die Deutschen aus dem ehemaligen Jugoslawien zusammengefasst werden.
„Normalerweise geht es andersrum: Da gibt es eine Sammlung, die ein Sammler einer Stadt vermacht. Und für diese Sammlung wird ein Museum gebaut. Hier gab es ein Museum, und dazu musste erst eine Sammlung entstehen“, erinnert die Ulmer Kulturbürgermeisterin Iris Mann an die ersten Jahre. Die Sammlung hat Christian Glass zusammengetragen – mit Hilfe der Landsmannschaften. 50 000 Stücke hat sie mittlerweile, viel zu viel, um sie alle zu zeigen. Ein guter Teil ist im zentralen Kunstdepot der Stadt eingelagert. Neun Millionen Euro kostete damals die Sanierung des Reduitgebäudes der Oberen Donaubastion. Dem Museum stehen dort 3800 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Und die sollen künftig auch anders genutzt werden. Zum Jahresende schließt das Museum, um elf Monate lang umgebaut zu werden. 1,65 Millionen Euro sind dafür veranschlagt.

24 einzelne Geschichten werden erzählt

Der Rundgang durch die Dauerausstellung soll im Grundsatz erhalten werden – allerdings moderner gestaltet und den heutigen Sehgewohnheiten angepasst. Und auch der Sonderausstellungsbereich im Erdgeschoss soll bleiben. Dort wird aber ein zweiter Rundgang geschaffen, der die Donau thematisiert. Die Donau ist auch jetzt schon ein Thema in der Donaubastion, vorrangig dort, wo es deutsche Siedlungsgebiete gab. In der neuen Schau soll aber der ganze Fluss das Thema sein – von der Quelle bis zur Mündung, wie Christian Glass erläutert. „Donau-Flussgeschichten“ wird sie heißen. Der Name ist Programm: Auf 550 Quadratmetern werden 24 einzelne Geschichten erzählt, die die Donau, ihre Anwohner und ihre Geschichte zum Thema haben.
Eine dieser Geschichten ist etwa die Flucht einer deutschstämmigen Familie, die 1981 aus Rumänien mit einem Schlauchboot ins benachbarte liberalere Jugoslawien gelangt. Eine andere ist der Aussiedlungsversuch junger Juden, die 1939 nach Palästina wollen, aber im serbischen Kladovo stranden, wo sie 1941 von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen werden. Nur etwa 200 der ursprünglich 822 Ausreisewilligen überlebten.

Freier Eintritt am Wochenende


Das 20-jährige Bestehen des Donauschwäbischen Zentralmuseums wird am kommenden Wochenende gefeiert. Am Samstag und Sonntag ist der Eintritt frei. Jeder Besucher erhält zudem einen Ausstellungskatalog. Wegen der Corona-Pandemie kann es allerdings zu Wartezeiten kommen, weil nur 30 Besucher gleichzeitig die Dauerausstellung und die aktuelle Schau „Koffergeschichten“ besuchen dürfen. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Sonntag 11 – 17 Uhr.