Donaufest Donauraum hat großes Potenzial

Sanfter Tourismus am Eisernen Tor als Chance.
Sanfter Tourismus am Eisernen Tor als Chance. © Foto: Calin Stan/Shutterstock.com
Ulm / Hans-Uli Mayer 12.07.2018

Transdanube.Pearls ist ein etwas sperriger Begriff für ein groß angelegtes europäisches Projekt im Donauraum. Dahinter verbirgt sich die Idee, in zwei Schritten ein Netzwerk von besonderen touristischen Zielen entlang der Donau von der Mündung bis zum Delta aufzubauen, die dann auch noch möglichst mit nachhaltiger Mobilität erschlossen und bestenfalls auch noch auf diese Weise miteinander verbunden werden.

Was sich für manchen unbelehrbaren Autofahrer nach einer behandlungsbedürftigen Vision anhören mag, ist für internationale Experten längst gesicherte Erkenntnis. Gerade im Tourismus bietet sich die autofreie Mobilität, weil sie im Grunde nur Gewinner hat: das Klima, die Menschen, und vor allem die heimische Wirtschaft, wie Dr. Roger Sonderegger sagt, der an der Hochschule Luzern das Institut Tourismus und Wirtschaft leitet.

Die Schweiz als Vorbild

Dabei muss das Rad nicht immer neu erfunden werden, wie OB Gerold Noerenberg bei der Begrüßung vor 100 Zuhörern im Edwin-Scharff-Haus sagte. Was für den Donauraum erst noch entwickelt werden muss, sei in der Schweiz oder verschiedenen Regionen in Österreich geübte Praxis. Vor allem auch, weil sich Tourismus an sich verändere und für viele Gäste die Erholung in der Natur im Vordergrund stehe.

Beispielsweise in der Region Villach in Österreich, die sich etwa auch darauf einstelle, dass viele Gäste, die aus Großstädten wie Wien, München, Berlin oder Hamburg kommen, weder Auto noch Führerscheine haben, wie Markus Reisner vom dortigen Tourismusverband sagte. „Die Mobilitätserfahrungen vieler unserer Gäste sind längst nicht mehr nur am Auto ausgerichtet, denen müssen wir ein Angebot machen.“

Die Donauregion habe von vornherein die Chance, sich auf die sich verändernden Interessen der Touristen einzustellen. Die dringende Notwendigkeit darauf zu reagieren enstehe nicht nur durch den Zwang, das Klima zu schützen, sondern aus dem Umstand, dass die Hälfte aller Europäer in Städten leben, in denen sich die Mobilität sowieso gravierend verändern werde, wie Agnes Kurzweil vom österreichischen Umweltbundesamt sagte.

Für viele Touristen zählt heute, während ihres Aufenthalts auf das Auto verzichten zu können, das sie zwar immer noch ganz überwiegend für An- und Abreise benutzen, dann aber am liebsten für die Dauer des Urlaubs abstellen. „Das ist ein ganz wichtiger Reisegrund“, wie der Schweizer Wissenschaftler Sonderegger anmerkte. Bei guten Angeboten steige die Verweildauer: „Wenn die Aufenthaltsqualität gut ist, bleiben die Gäste länger und geben letztlich mehr Geld aus.“

Anerkennung für Donaubüro

Erfahrungen, die letztlich helfen können, auch für die Donauregion entsprechende Konzepte zu erstellen. Deutscher Partner dieses EU-Programms ist das Ulm/Neu-Ulmer Donaubüro um Direktor Sebastian Rihm und seine Projektmanager Veronika Wierer und Anita Omercevic, das gestern für seine Arbeit viel Lob und Anerkennung erfuhr.

Wie notwendig eine Umkehr im Mobilitätsverhalten nicht nur im Tourismus, sondern vor allem im Alltag ist, verdeutlichte Andreas Erdmenger vom baden-württembergischen Verkehrsministerium. Trotz vieler Erfolge laufe Deutschland Gefahr, die im Pariser Klimaschutzabkommen getroffenen Vereinbarungen „klar“ zu verfehlen.

Vor allem beim Ausbau der Elektromobilität und dem Radverkehr seien große Fortschritte gemacht worden. Was trotz aller politischen Anreize noch nicht gut funktioniere, seien Veränderungen beim Kfz-Verkehr. Zwar würden jüngere Menschen deutlich weniger Auto fahren als früher, ältere dafür umso mehr, sagte Erdmenger.

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