Ulm / CHIRIN KOLB  Uhr
Zwangsprostitution und Menschenhandel gehen auch Ulm an - gerade auch Ulm, meint ein lokales Bündnis mit Blick auf die Donaustrategie. Es gibt mehrere Veranstaltungen.

Rund 200 Prostituierte arbeiten in Ulm und Neu-Ulm, 80 Prozent davon stammen aus Südosteuropa. Viele von ihnen machen das nicht freiwillig. Sie tun es aus wirtschaftlicher Not in ihren Heimatländern, sie tun es, weil sie unter falschen Voraussetzungen nach Deutschland gelockt wurden und weil sie zur Prostitution gezwungen werden: mit psychischem Druck oder mit Gewalt.

200 Prostituierte – von dieser Zahl geht das Ulmer Bündnis gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution aus. Für vh-Leiterin und SPD-Stadträtin Dagmar Engels ein unhaltbarer Zustand: „Vor unserer Haustür leben Frauen als Sklavinnen.“ Die vh ist wie auch das städtische Frauenbüro, CDU-Stadträtin Karin Graf, die Aidshilfe und der ehemalige Kriminalkommissar Manfred Paulus Mitglied im Bündnis.

Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit auf dieses Thema aufmerksam zu machen und die Situation der Frauen zu verbessern. Ganz konkret durch eine Anlaufstelle (siehe Info-Kasten), aber auch durch Veranstaltungen wie jetzt im Rahmen des Internationalen Donaufests, das am 1. Juli eröffnet wird.

Es sei in mehrfacher Hinsicht der richtige Rahmen, um auf Menschenhandel und Zwangsprostitution aufmerksam zu machen. Erstens bietet es die Möglichkeit, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Zweites gehöre dieses Thema zu einer Veranstaltung, die sich mit der Völkerverständigung und dem Ausbau der Beziehungen entlang der Donau befasst.

Gerade Ulm sei da in der Pflicht, findet Graf: „Wir verstehen uns ja als Speerspitze der Donaubewegung.“ Zwangsprostitution könne nicht ausgeklammert werden, da viele der Frauen aus Bulgarien und Rumänien stammen. Menschenhandel und Zwangsprostitution seien kein Frauenthema. „Das geht die ganze Gesellschaft an, auch Männer. Bei ihnen wird die Nachfrage erzeugt.“

Das Bündnis wertet es als Erfolg, dass das Thema mit zwei Veranstaltungen Eingang gefunden hat ins offizielle Donaufest-Programm und von OB Gunter Czisch als Schirmherr unterstützt wird.

Ausstellung „Ohne Glanz und Glamour“ heißt eine Ausstellung zu Prostitution und Frauenhandel, die von 1. bis 10. Juli im Stadthaus zu sehen ist. Eröffnet wird sie am Sonntag, 3. Juli, 15 Uhr mit OB Czisch und Solveig Senft von Terre des Femmes.

Diskussion „Strich am Fluss – Menschenhandel und Zwangsprostitution entlang der Donau“ heißt eine Diskussion am Mittwoch, 6. Juli, 20 Uhr im Stadthaus. Mit auf dem Podium sind Bürgermeisterin Iris Mann und Bernd Ziehfreund, der stellvertretende Leiter der Kripo Ulm.

Anlaufstelle für Prostituierte

Angebot Das Ulmer Bündnis gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution versucht, eine Anlaufstelle für Prostituierte einzurichten. Die Aidshilfe würde Räume und Personal stellen, weil Mitarbeiterinnen ohnehin schon in Bordellen Aidstests anbieten. Zur Finanzierung einer Personalstelle hofft das Bündnis auf Zuschüsse der Städte Ulm und Neu-Ulm. Entsprechende Anfragen laufen und sollen voraussichtlich bei den Haushaltsberatungen diskutiert werden.