Kultur Donaufest: Biennale Künstler gibt Workshops

So eine Kaffeetasse bleibt bei ihm nicht lange ruhig stehen: Der Künstler Milos Tomic, gerade erst aus Belgrad angekommen, vor seinem Hotel in Neu-Ulm.
So eine Kaffeetasse bleibt bei ihm nicht lange ruhig stehen: Der Künstler Milos Tomic, gerade erst aus Belgrad angekommen, vor seinem Hotel in Neu-Ulm. © Foto: Lena Grundhuber
Ulm / Lena Grundhuber 13.07.2018
Der serbische Multimedia-Künstler Milos Tomic ist drei Tage lang im Edwin-Scharff-Museum zu Gast.

In Milos Tomics Händen bleibt eine Kaffeetasse nicht einfach eine Kaffeetasse. Sie fängt an, sich zu bewegen, zu klingen, zu tanzen – die Tasse ist ein Instrument geworden. Wenn man ihn also fragt, was seine Kunst ausmacht, sagt der 42-Jährige: „Ich versuche, auf das Leben – mein Leben – zu reagieren, mit Dingen und Materialien, die sowieso um mich herum sind.“

 Nach einer halben Stunde mit Milos Tomic gewinnt man keine ganz klare Vorstellung, aber doch ein ganz gutes Gefühl dafür, was die kommenden drei Tage im Edwin-Scharff-Museum passieren könnte. Dort nämlich gibt der Künstler aus Serbien, der mit seiner Arbeit auch in der aktuellen Kinderausstellung „Hör mal, wer da guckt“ vertreten ist, ab Freitrag drei Workshops für Kinder und Erwachsene. Und die versprechen, nicht nur lustig, sondern auch aufschlussreich zu werden.

Tomic hat sein Heimatland Serbien 2013 auf der Biennale in Venedig vertreten, er ist ein preisgekrönter Multimedia-Künstler. Doch er selbst will sich gar nicht als Künstler bezeichnen, sondern lieber als Filmemacher, bekannt für seine Animationen. Das sei bodenständiger, „nicht so mystifizierend“, findet er und nimmt die Chipkarte seines Hotels in Neu-Ulm zur Hand, um zu demonstrieren, was er meint.

Mithilfe der Tischkante verwandelt sich die weiße Plastikkarte mit einem Fingerschnippen in ein Percussion-Instrument. So funktioniere auch seine Video-Serie „musical diaries“, erklärt Tomic: indem er seinen Alltag zu Musik und schließlich zu Film macht. Als junger Vater sei das ein Weg gewesen, sein Leben mit dem kleinen Sohn und seine künstlerischen Bedürfnisse in Einklang zu bringen, sagt er.

Was er in den Workshops vorhat, ist so genau noch nicht definiert, denn er wolle auf die Situation und die Anwesenden reagieren, sagt der Künstler. Es wird um Musik, Bewegung und Zuhören, auch ums Zeichnen gehen – und darum, geistigen Freiraum zu schaffen. Indem man die Hindernisse, an denen man täglich zu scheitern meint, ins Spiel integriert, indem man die Dinge mal auf den Kopf stellt. Einmal, sagt Milos Tomic, habe er die Teilnehmer eines Animations-Workshops gebeten, Listen mit geliebten und gehassten Dingen zu erstellen. Filmisch arbeiten sollten sie aber mit den verhassten – „danach fühlten sie sich total frei!“ Eine von Tomics Lieblingsübungen: ein einfaches Blatt Papier auf den Körper legen, sich vorstellen, es sei ein Röntgengerät, und zeichnen, was man darunter vermutet. „Das bringt jeden runter.“

Was ihn selbst an der Arbeit fasziniert, sei die Gruppendynamik, der unmittelbare Zugang zu den Menschen. So wenig er sich als Künstler definiert sehen will, so wenig sieht er sich in diesem Prozess als Lehrer, schließlich bringe jeder sein eigenes Wissen mit ein: „I learn what I teach“ – „Ich lerne, was ich lehre“.

Musik mit dem Körper machen

Workshops „Musik mit dem Körper machen“, so heißen die Workshops für Kinder und Erwachsene, die Milos Tomic heute, Freitag, sowie morgen und am Sonntag im Edwin-Scharff-Museum jeweils von 13.30 bis 17.30 Uhr gibt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, allerdings sollten die Teilnehmer möglichst von Anfang bis Ende dabei sein. Mehr Informationen unter:
www.edwinscharffmuseum.de

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