Eigentlich könnte ich abschließen und zuhause bleiben!“  Turabi Güngör ist frustriert. Seit 14 Jahren betreibt er mit seiner Familie in der Ladenzeile am Ulmer Stifterweg einen Imbiss, doch seit annähernd drei Wochen ist das „Mamma Mia Pizza & Kebap Haus“ sozusagen unsichtbar. Denn direkt vor dem kleinen Lokal steht ein städtischer Container.

„Wir sind selbst nicht glücklich über diese Notlösung aufgrund von Raummangel“, ist Schwarz auf Gelb am Container zu lesen. „Nicht glücklich“ wäre für Turabi Güngörs Laune noch eine nette Umschreibung. Besonders stößt ihm auf, dass er und sein Sohn Okan, der die Geschäfte führt, nicht vorab offiziell von der Stadt informiert wurden.

Zuerst wurde auf dem Grünstreifen vor der Ladenzeile ein Baum gefällt, danach wurde der Boden eingeebnet. „Ein Arbeiter hat uns gesagt: Da kommt ein Container hin“, sagt Güngör. „Der wurde dann einfach hingestellt.“

Weil die Bücherei umgebaut wird

Was es mit der rund sechsmal zweieinhalb Meter großen und etwa drei Meter hohen Box auf sich hat? Die Quartierszentrale für das Projekt „Quartier 2020“ am Alten Eselsberg war in der Stadtteilbibliothek untergebracht, doch weil die Bücherei nun erweitert und umgebaut wird, musste die Zentrale eine provisorische Bleibe finden.

Für die Stadt geht es darum, dass das Projekt inklusive Nachbarschafts-Café (das alle 14 Tage geöffnet hat) auch während des Umbaus einen Ort hat und „sichtbar“ bleibt, wie Markus Kienle als Sozialplaner der Stadt sagt. Doch just diese „Sichtbarkeit“ der Quartierszentrale macht „Mamma Mia“ unsichtbar.

Nicht einmal der Schriftzug „Mamma Mia Pizza & Kebap Haus“ über dem Imbiss ist zu sehen, so nahe steht der knallorange Container an der Ladenzeile – der Abstand beträgt nicht einmal einen Meter. „Viele Leute glauben, wir haben vielleicht zugemacht“, sagt Güngör.

Schmerzhafte Folgen in der Kasse

Das spürt er schmerzhaft in der Kasse: Der Umsatz habe sich fast halbiert, sagt er. Pizza, Kebap und Börek, Salat, Nudeln und Getränke gibt es bei Familie Güngör – aber das wissen nur Stammkunden. Wer hungrig durch den Stifterweg fährt, wird an der Stelle hingegen nicht anhalten.

Auf dem Gehweg vor dem mediterranen Imbiss stehen ein paar Tische und Stühle, man kann dort in der Sonne sitzen. Das heißt, man könnte, denn der Container sorgt von früh bis spät für Schatten. Es ist unwirtlich, kalt und zugig vor dem Laden. „Sonst sitzen die Leute gern draußen“, sagt Güngör. Jetzt ist es das Gegenteil von einladend.

Bis Mitte Mai müssen die Güngörs den Container vor ihrem Imbiss noch ertragen. Markus Kienle verspricht, dass die große Box dann verschwindet, „egal ob der Umbau fertig ist oder nicht“. Natürlich sei der Container für Familie Göngör suboptimal, das weiß der für die Quartierzentrale Verantwortliche, „aber deswegen kommt sie auch Mitte Mai weg“. Anfangs habe man sogar vorgehabt, den Container länger dort stehen zu lassen, „aber das wäre nicht zuzumuten“. So lange sei es aber schon zumutbar.

Der Oberbürgermeister vermittelt

Als Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch kürzlich den neuen Wochenmarkt am Eselsberg eröffnete, wurde auch er mit dem Container-Thema konfrontiert. Güngör präsentierte ihm eine Liste mit mehr als 200 Unterschriften, und auch der OB musste angesichts des Kastens vor dem Imbiss einräumen: Das sieht nicht gut aus. Vier Wochen müsse Güngör aber noch aushalten.

Der Familie bleibt keine Wahl, und eine Entschädigung wurde auch nicht in Aussicht gestellt. „Die Kunden kommen nicht mehr, aber Miete und Strom laufen weiter. Wer das zahlt? Die Stadt? Nein, ich!“ Turabi Güngör, der seit 1981 in Deutschland lebt, schüttelt den Kopf: „Die Stadt darf offenbar alles.“

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Räume gesucht


Quartierstreff „Wir hoffen, dass wir bald zeitnah eigene Räumlichkeiten finden und beziehen können, um unsere Arbeit für den Alten Eselsberg und die Menschen im Stadtteil fortsetzen zu können“, informiert die Stadt Ulm. Mitte Mai kommt der provisorische Container am Stifterweg fort. Daher werden nun für den Quartierstreff mit Nachbarschafts-Café in der Ladenzeile Räume gesucht. Ansprechpartnerin ist Simone Kottmann vom Quartiersmanagement, Tel. (0731) 161-5379, E-Mail:
s.kottmann@ulm.de
Das Nachbarschaftscafé ist wieder am 25. April und am 9. Mai geöffnet, von 15 bis 16.30 Uhr.