Ulm DLRG soll neue Rettungswache bekommen

Auf dieser Neu-Ulmer Wiese direkt neben dem Ruderclub Donau könnte die Ulmer DLRG künftig Flagge zeigen.
Auf dieser Neu-Ulmer Wiese direkt neben dem Ruderclub Donau könnte die Ulmer DLRG künftig Flagge zeigen. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm/Ulm / Christoph Mayer 16.08.2018
Das DLRG-Gebäude am Neu-Ulmer Donauufer ist marode. Ein Neubau muss her, sagt die Stadt Ulm.

Warum will die Stadt Ulm der Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) ein neues Gebäude hinstellen – und es voraussichtlich sogar zu 100 Prozent finanzieren? Weil Wasserrettung ebenso wie Brandbekämpfung eine kommunale Pflichtaufgabe ist, sagt Gerhard Semler. Die alte DLRG-Wache in der Wiblingerstraße beim Donaubad, direkt am Donauufer gelegen, sei schwer in die Jahre gekommen. „Das Gebäude ist marode und genügt den heutigen Anforderungen längst nicht mehr“, ergänzt der Abteilungsleiter Bildung und Sport der Stadt Ulm.

Neuer Standort direkt neben dem Ruderclub

Zumindest indirekt hat der anvisierte Neubau an einem neuem Standort auch mit dem Projekt „Orange Campus“ zu tun. Wie bereits berichtet, planen die Basketballer für 23 Millionen Euro am Neu-Ulmer Donauufer ein Zentrum mit Hallen, Gastronomie, Fitnessangeboten und Büros. Dazu wird auch ein öffentlicher Bereich mit Basketball- und Beachvolleyballplatz sowie einem Kinderspielplatz gehören. Der könnte nach Vorstellungen Semlers dann bis auf das heutige DLRG-Gelände reichen und den Campus somit „luftiger“ machen – auch wenn dies im Bebauungsplan für den Orange Campus bisher noch nicht so vorgesehen ist.

Nach ersten Plänen der Stadt wird der künftige Standort für die Wasserwache nur etwa 150 Meter flussabwärts liegen: auf einem Wiesengrundstück, das an die Bootshausstraße im Neu-Ulmer Villenviertel grenzt, direkt neben dem Ulmer Ruderclub Donau. Ebenso wie die bisherige Fläche gehört auch dieses auf Neu-Ulmer Gemarkung liegende Terrain zu 75 Prozent der Stadt Ulm und zu 25 Prozent der Stadt Neu-Ulm. „Dass der DLRG nah am Wasser bauen muss, steht außer Frage“, sagt Semler. Insofern sei der Standort geradezu ideal.

Kostenpunkt: Vier bis fünf Millionen Euro

In einer Machbarkeitsstudie hat Semler skizzieren lassen, wie die künftige Wache aussehen könnte. Demnach soll auf einer Fläche von rund 1500 Quadratmetern ein zweigeschossiges Gebäude entstehen: mit Stabsstelle, Trocken- und Lagerräumen, einer Werkstatt sowie Zimmern für Schulungen und Tagungen. Die Fahrzeughalle soll den kompletten DLRG-Fuhrpark aufnehmen können: fünf Fahrzeuge mit Anhängern und Booten, die derzeit wegen Platzmangels zum Teil am Sandhaken stehen.

Billig wird der Spaß allerdings nicht. Semler geht von Kosten (inklusive Abriss des Altgebäudes) zwischen vier und fünf Millionen Euro aus – die im Falle eines Baubeschlusses allein die Stadt tragen werde. Gestern verschickte der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir zwar eine Anfrage, die er an Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) gestellt hat und in der es heißt: „Ich sehe auch das Land  in der Pflicht, die DLRG bei diesen Investitionen zu unterstützen.“ Allerdings dürfte diesbezüglich nicht viel zu erwarten sein.

Theoretisch könne die DLRG zwar Landeszuschüsse beantragen, sagt Semler. „Die Fördertöpfe sind aber jetzt schon total überzeichnet.“ Denn Stuttgart stelle für derartige Vorhaben gerade einmal 1,5 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung – wohlgemerkt landesweit. Die Stadt Neu-Ulm stehe zwar hinter dem Projekt. Als Co-Financier sei sie aber ebenfalls aus dem Spiel: der DLRG ist eine rein ulmische Angelegenheit, in Bayern ist die Wasserwacht für Wasserrettung zuständig (siehe Info-Kasten).

Erst muss der Grundsatzbeschluss fallen

Zunächst einmal muss das Projekt allerdings den Gemeinderat passieren. Am 4. Oktober wird Semler das Vorhaben im Hauptausschuss vorstellen. „Ich hoffe sehr, dass wir dann einen Grundsatzbeschluss hinkriegen.“ Erst dieser würde den Weg freimachen, um in die detaillierte Planung einzusteigen. Semler rechnet mit einer Planungsphase von 6 und einer Bauzeit von 18 Monaten. Ende 2021 könnte die DLRG ins neue Heim einziehen.

„Wir freuen uns riesig über den Vorstoß der Stadt“, sagt Markus Häußler. Der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Ulm legt jedoch Wert darauf, „dass das neue Gebäude kein Luxuspalast wird, sondern lediglich die Bedingungen erfüllt, die der Gesetzgeber vorschreibt“. Bisher habe er aus den Fraktionen ausschließlich positive Signale vernommen. „Insofern bin ich sehr zuversichtlich.“

Rettung auf beiden Seiten der Donau

Württemberg Die DLRG-Ortsgruppe Ulm gehört zum Landesverband Württemberg und hat 950 Mitglieder, darunter 160 aktive. Alle arbeiten ehrenamtlich. Zu ihren Aufgaben gehört neben der Wasserrettung auf der Donau vor allem Unterricht: Die DLRG gibt Schwimmkurse für Kinder und Jugendliche – vom Seepferdchen bis zum Rettungsschwimmer – und schult auch Feuerwehrleute auf dem Gebiet der Wasserrettung.

Bayern In Bayern ist die dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) angegliederte Wasserwacht für Rettung und Ausbildung zuständig. Die im Pfaffenweg ansässige Ortsgruppe Neu-Ulm zählt 570 ehrenamtliche Mitglieder. Die wachen vor allem über die Sicherheit auf den Seen in Stadt und Landkreis, rücken aber ebenfalls zu Rettungseinsätzen auf der Donau an.

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