Ulm Diskussion um Bürgerdienste-Neubau: 1,5 Millionen teurer

Blick auf die Baustelle Bürgerdienste (links die Sedelhöfe-Brache, rechts die Olgastraße): Der Neubau wird extrem teurer.
Blick auf die Baustelle Bürgerdienste (links die Sedelhöfe-Brache, rechts die Olgastraße): Der Neubau wird extrem teurer. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / HANS-ULI THIERER 14.07.2016
Von 16 auf 17,5 Millionen Euro steigen die Kosten für den Neubau der Ulmer Bürgerdienste. Das sorgt für Verdruss im Gemeinderat. <i>Mit Kommentar von Hans-Uli Thierer: Exempel ohne direkte Wirkung.</i>

Der Sachverhalt: Die Stadt baut für ihre Bürgerdienste an der Olgastraße, angrenzend an die Sedelhöfe ein neues Verwaltungsgebäude. Es wird gegenüber den im Gemeinderat Ende 2015 genannten Kosten von 16 Millionen um 1,5 Millionen Euro teurer. Zum einen, weil die Baubranche wegen des anhaltenden Booms floriert. Zum anderen aber – und das ist der Hauptanlass für den Verdruss – wegen des zusätzlichen Aufwands für den Denkmalschutz. Wie berichtet, war von Anfang an das Landesamt für Denkmalpflege mit Archäologen eingeschaltet in das  Bauvorhaben. Während des Aushubs wurden teils große Überreste der mittelalterlichen Stadtmauer zutage befördert. Die ältesten Stücke aus der Zeit von 1316. Aber auch Ziegelmauern aus späteren Epochen. Weil an dieser Stelle ein gutes Stück  Ulmer Festungsgeschichte im Boden  steckt, beantragte CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth, Teile des Mauerwerks zu sichern und dann im Neubau zu verwenden. Die FWG macht nicht zuletzt diesen CDU-Vorstoß für die Kostensteigerungen verantwortlich. Allein der denkmalbedingte Mehraufwand summiere sich auf eine Million auf. Keppler   verwahrte sich dagegen. Ausschlaggebend seien Vorgehen und Vorgaben des Denkmalamts. Tim von Winning kommentierte, die Wahrheit liege dazwischen. Der Baubürgermeister bekannte aber: „Wir haben zu spät reagiert.“ Die Bauverwaltung habe nicht rechtzeitig realisiert, dass diese Art Denkmalbewahrung wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei. Die FWG zeigte sich bockig. Im Ausschuss und im Gemeinderat verweigerte sie sich der Bewilligung der Mehrkosten. Alle anderen Fraktionen stimmten der neuen Kostenrechnung zu. wenn auch  zähneknirschend.

Die Mehrkosten

Einzelheiten Haarklein hat das Gebäudemanagement die Mehrkosten aufgelistet. Demnach ergeben sich allein für die Archäologie (Bergung, Einlagerung, Wiedereinbau Stadtmauerreste) 620.000 Euro und wegen des dadurch entstandenen Mehraufwandes für die Baugrube und die Freimachung des Baufeldes – so musste eine Spezialtiefbaufirma ans Werk) – weitere 360.000 Euro. Bei Gewerkevergaben fielen zusätzlich 250.000 Euro an; sie sind Ausdruck der überhitzten Baukonjunktur. Mit den Kosten steigen die Honorare für die Planer um 120.000 Euro.  

Kommentar von Hans-Uli Thierer: Exempel ohne direkte Wirkung

Sinnlose kindliche Bockigkeit? Oder ein Zeichen, nicht mehr alles mitzumachen? Beide Betrachtungen haben im Fall der millionenschweren Kostensteigerung beim Neubau für die Bürgerdienste ihre eigene Logik.

Dass die gern als kostenbewusste, unabhängige Instanz auftretende Ulmer FWG in Richtung der anderen Fraktionen deutlich machen möchte: Wir sind angesichts laufender Großprojekte und einer sich eintrübenden Konjunktur nicht mehr bereit, bei allem mitzuspielen, kann durchaus als Signal gewertet werden. Man wird die Bühlers und Malischewskis dann aber beim Wort nehmen,  wenn es im Herbst um Projekte ihrer Klientel etwa aus dem Vereinsport  geht.

Ohnehin: Im Wissen, dass eine Mehrheit die Fortschreibung und damit den Fortgang am Bau absegnet, macht die Verweigerung, wenn nicht zur Farce, so doch zum Exempel ohne direkte Wirkung. Schon gar nicht wird  das Verhalten der FWG auch nur eine der am Bau beteiligten Firmen kratzen. Die Branche verdient sich derzeit dumm und dusslig. Was sich eklatant auf die Preise auswirkt, wie sie auch private Bauherren schmerzhaft zu spüren bekommen.

Bleibt vielleicht wenigstens zweierlei hängen von dieser FWG-Schau: Bei der Stadtverwaltung, dass sie sich noch früheren und intensiver um Kostenkontrolle und -transparenz bemühen muss. Und beim Gemeinderat, dass es langsam Zeit wird, den Cent wieder zweimal umzudrehen, ehe er ausgegeben wird.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel