Direkt aus der Schwabenseele

Der Brander Kaspar hat unerfreulichen Besuch (v.l.): Celia Endlicher, Wolfgang Schukraft, Walter Frei und Dirk Linke. Foto: Theaterei
Der Brander Kaspar hat unerfreulichen Besuch (v.l.): Celia Endlicher, Wolfgang Schukraft, Walter Frei und Dirk Linke. Foto: Theaterei
ELVIRA LAUSCHER 08.08.2012
Der Brandner Kaspar ist eine urbayerische Geschichte. Was passiert, wenn man sie nach Schwaben verlegt, wie es Jürgen Widmer getan hat? Das kann man nun im Theaterei-Zelt in Blaustein miterleben.

Der Brandner Kaspar, der den Tod überlistet, ist eine Figur nach einer Kurzgeschichte von Franz von Kobell. Ursprünglich in altbayrischer Mundart geschrieben, 1934 als volkstümliches Theaterstück uraufgeführt und seitdem auf zahlreichen bayrischen Bühnen gespielt, erfuhr das Stück in Blaustein seine schwäbische Uraufführung.

Jürgen Widmer hat "Der Brandner Kaspar pfeift aufs Paradies" auf die Alb verlegt, dabei den Schwaben und speziell den Älblern auf den Mund geschaut. Immerhin war er fünf Jahre Lokalchef der Schwäbischen Zeitung in Laichingen und lernte auch den dortigen Geschichtsverein kennen.

"Das ärmliche Leben der Weber hat mich schon sehr angerührt", sagt Widmer. Darum wurde sein Brandner Kaspar (Theaterprinzipal Wolfgang Schukraft) auch ein Weber, durchtrieben, gewitzt, aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Doch er muss sich mit dem zukünftigen Schwiegersohn stehlend und wildernd durchschlagen, um den Webstuhl seiner verstorbenen Frau Lisbeth und seiner Tochter beim "neigschmeckta Depp" und geldgierigen Franz (Bernhard Bonvicini) abzuzahlen. Denn seine Enkelin Linde (Celia Endlicher) soll immer in dem bescheidenen Häuschen leben können und nie an den Webstuhl müssen, der bloß "a Teufelszeug" ist. Doch dann kommt der Boiner-Karle (Walter Frei) und will den Brandner Kaspar holen.

Welch ein Auftritt von Walter Frei! Mit Sense, Hut und schwarzem Umhang, wohlbeleibt und blässlich geschminkt. Wer wollte nicht gerne mit solch einem Tod, der trotz klischeehaftem Kostüm doch menschlich und mehrschichtig bleibt, noch etwas Lebenszeit aushandeln? Der Brandner Kaspar nutzt die Chance und schenkt ihm einen Obstler nach dem anderen ein. Und das Premierenpublikum amüsiert sich über die gelungenen Dialoge: "Ihr Schwaba send bockstarre Hond", das wiederkehrende "todsicher", die kleinen menschlichen Spitzen und die Bühnenpräsenz der beiden tollen Volksschauspieler.

Auch so mancher Hieb auf schwäbische Eigenarten wurde mit zahlreichen Lachern quittiert. Die Inszenierung von Markus Röhling bot vergnügliche Szenen, aber auch manch kritischen Ton. Besonders als der betont hochdeutsch sprechende "Teufelsadvokat" Simon (Dirk Linke) am Ende beim schwäbischen Petrus um die Seele des "Sünders" Kaspar feilscht und von oben in die Schranken gewiesen wird - das war oft direkt aus der Schwabenseele gesprochen!

Gelungen auch Gabriela Nasfeters Bühnenbild: Vorhänge mit Filzapplikationen, die wie ein gemaltes Bild wirken und aufs Minimum reduziert sind. Der Filz findet sich in den Kostümen wieder, ärmellose Jacken ohne Knöpfe, mit ausgesparten Taschen, die doch wie schwäbische Trachten wirken. Besonders originell der Himmel mit vereinzelten Wölkchen. Darauf die Göttliche Liebe und Petrus. Beide mit plastischen, drallen Körperpuppen, die von Schauspielern durch Kopf und Arme zum Leben erweckt wurden.

Und obwohl auch gestorben und gelitten wird, am Schluss ist alles gut. Schließlich ist es ein Volkstheaterstück. Der Brandner Kaspar darf - trotz so mancher Vergehen und zum Leidwesen des Advocatus Diaboli, der als Nichtschwabe und Jurist auf sein Recht beharrt und den Kaspar partout in der Hölle sehen will - in den Himmel zu seinen verstorbenen Lieben. Natürlich mit Willkommensgruß bei Lensa mit Schpätzle, Rohrnudla mit Vanillesauße und einem Obstler.

Info Die nächsten Vorstellungen: Freitag, Samstag, Sonntag, jeweils 20 Uhr. Karten: Tel. 0731/26 81 77.

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