„Kein Applaus“ mahnte ein handgeschriebener Zettel am Eingang zur Roxy-Werkhalle. Nicht mal das.  Noch eine pandemische Zumutung für die Kulturschaffenden. Wobei: Die hier hatte technische Gründe – auf dem Mitschnitt des Musikmarathon sollten keine Hintergrundgeräusche landen.
Das Benefizfestival war diesmal rein virtuell, die Grundidee aber geblieben: Ein Dutzend Bands treten im Viertelstundentakt hintereinander auf, Zeit für drei Stücke, kurze Umbaupause, dann die nächste. Das ergibt eine abwechslungsreiche XXL-Musikparty zum Hören und Gehörtwerden, zum Treffen und Musikfachsimpeln. Im Frühjahr 2020 musste der Marathon kurzfristig abgesagt werden. Diesmal sollte wenigstens eine Online-Variante her mit der Möglichkeit, sein Eintrittsgeld per Überweisung zu spenden.
Der Musikmarathon ist kein Nachwuchswettbewerb. Hier treten gestandene Musiker auf, und sie kommen von überall her. Am Samstag waren es mit dem Folk-Pop-Sänger Lemony Rug und der Alternative-Rock-Band Voltkid zwei Beiträge aus Ulm, die anderen sind aus München, Nürnberg, Dortmund oder Berlin angereist. Veranstalter ist der Verein „Einsatz – Musik für Menschen in Not“, der mit dem Erlös Sozialprojekte in Südamerika unterstützt, das Roxy stellt die Räume. Gagen oder Honorare werden nicht gezahlt.
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Youtube Der Musikmarathon 2021 aus dem Roxy

Die Auftritte wurden den Tag über aufgezeichnet, fürs Internet aufbereitet und am Abend gestreamt, zusammen mit kurzen Clips, bei denen sich die Bands und der Verein vorstellen. Damit die annähernd 100 Beteiligten die Corona-Regeln einhalten, gab es ein durchgetaktetes Hygienekonzept: Reinkommen, testen, spielen, abreisen. Das Foyer wurde zum Schauplatz für den Schnelltest, die Cafèbar zum Wartezimmer für den Auftritt. In der Werkhalle: leere Sitzreihen, vorne einzelne Techniker an mit Rechnern und Monitoren beladenen Tischen. Ein Videomann mit Kamera auf einem Fahrgerüst umkreiste die Musiker. „Wir freuen uns so sehr, hier zu sein“, rief der Frontmann der Freiburger Heavy-Rock-Band Deadnotes in die Leere. Drei Stücke, eine kleine Lichtshow,  „Danke“ vom Regiepult, abbauen und der Nächste bitte. Am Hinterausgang wartete der Kleintransporter.
Alle Musiker hatten ihren letzten Auftritt irgendwann im vergangenen Jahr, dazu vielleicht einzelne Streaming-Konzerte. Wer kann, verdient seinen Lebensunterhalt mit Musikunterricht. Alle aber scheinen die Zeit im Proberaum genutzt zu haben. Der Musikmarathon 2021 lieferte ein beachtliches Spektrum: Rock in allen Varianten und Härtegraden, Hip-Hop, Solosänger mit Gitarre,   interessante Symbiosen aus Stimme, Synthie und Streichquartett. Wer sich durchhört, bekommt  einen fast wehmütig stimmenden Einblick auf das, was in den Proberäumen auf den Tag wartet, wenn es endlich wieder los geht.

Info Den Musikmarathon 2021 gibt es online auf einsatz-ulm.de. Hier erfährt man auch, wie man spenden kann.