Sommerbühne Dieser Gentleman singt den Soul

Ein Geheimtipp: Ola Onabulé aus London.
Ein Geheimtipp: Ola Onabulé aus London. © Foto: Ralf Hinz
Blaubeuren / Christoph A. Schmidberger 24.07.2018

Ola Onabulé ist ein britischer Gentleman, wie er im Buche steht. Obwohl sich nur etwa 200 Besucher vor der verregneten Sommerbühne am Blautopf tummelten, gab sich der Künstler nonchalant und professionell. Veranstalter Peter Imhof hatte eine gute Wahl getroffen, als er den hierzulande wenig bekannten Sänger samt Band für den Abend „wahrhaftiger Soul“ holte.

Onabulé wurde im Londoner Stadtteil Islington geboren, verbrachte zehn Jahre in Lagos, Nigeria, bevor er nach seiner Rückkehr nach London erst Jura und dann Kunst studierte. Irgendwann wollte er aber das machen, was ihn wirklich interessiert – Singen und Lieder schreiben, die er nicht zuletzt schon auf den Jazzopen in Stuttgart zum Besten gab oder bei Auftritten mit der SWR Big Band und anderen Größen des Jazz.

Afrikanisches Erbe

Sein afrikanisches Erbe schlug sich hörbar in der Musik nieder. Jedenfalls durften die vielfältigen Percussions die Songs in weltmusikalische Rhythmen kleiden, zu denen Onabulé seinen für europäische Ohren wohl afrikanisch anmutenden Scat-Gesang auslebte. Ausleben trifft es ganz gut, denn was Onabulé von anderen seines Fachs unterscheidet – man mag an Gregory Porter denken oder an Seal –, sind seine stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Manierismen möchte man sagen. Vor allem kann seine Stimme fragil sein wie in „It’s The Peace That Deafens“ oder in der anrührenden Geschichte „Great Expectations“, in der er eine Mittelmeerfahrt mit unbekanntem Ausgang schildert.

Auch die Band durfte aus sich herrausgehen, wenn Onabulé zum Funk einlud und sich dabei über das deutsche Publikum amüsierte, das lieber innerlich tanzte. Ola Onabulé ist sehenswert, ein echter Geheimtipp. Das gilt im Übrigen auch für den Support: Die noch recht neue Ulmer Band Six4Blues begeisterte fast eine Stunde lang mit einer erdigen Mischung aus R & B und Jazz sowie ihrer aus Brasilien stammenden Sängerin Elizandra Sampaio, die ihr kraftvoll-rauchiges Organ voller Hingabe inszenierte.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel