Bahn Dieselruß der Loks stinkt Anwohnern

Ruß, Lärm und Gestank, den Diesellokomotiven auf dem Ulmer Bahnhofsgelände verbreiten, sind für viele ein Ärgernis. Trotz strikter Umweltzone in der Innenstadt: Abhilfe wird es so schnell nicht geben.
Ruß, Lärm und Gestank, den Diesellokomotiven auf dem Ulmer Bahnhofsgelände verbreiten, sind für viele ein Ärgernis. Trotz strikter Umweltzone in der Innenstadt: Abhilfe wird es so schnell nicht geben. © Foto: Matthias Kessler
JÜRGEN BUCHTA 04.04.2013
Ruß, Lärm und Gestank, den Diesellokomotiven auf dem Ulmer Bahnhofsgelände verbreiten, sind für viele ein Ärgernis. Trotz strikter Umweltzone in der Innenstadt: Abhilfe wird es so schnell nicht geben.

Vom Karlsplatz aus liegen die Gleisstränge des Hauptbahnhofs knapp 500 Meter entfernt. Dennoch klagen Leute, die in den oberen Stockwerken des Hochhauses wohnen, über penetranten Dieselgestank in der Nacht. Der Westwind treibe ihn vom Bahngelände rüber, berichten sie. Dann bleibe ihnen nur, die Fenster fest zu schließen.

Deutlich übler dran fühlen sich viele, die auf der östlichen Seite des Magirushofs und im Haus Schillerstraße 1 leben. Nur wenige Meter trennen ihre Wohnungen von den Gleisen. „Das Rangieren der Dieselloks mit Stellwerk und Ampel befindet sich leider direkt vor den Häusern“, schildert ein Vertreter der Hausgemeinschaft. „Loks warten bei laufenden und kalten Dieselmotoren teilweise bis zu einer Viertelstunde, bis die Strecke in den Bahnhof frei gegeben wird.“

Freilich: Nicht alle Lokführer verhielten sich gleich, berichtet ein Mieter aus dem Magirushof 53. Die Älteren zeigten in der Regel mehr Verantwortung und stellten die Motoren ab, sobald sie länger warten müssen. Jüngere aber scherten sich kaum darum, wenn sie vor ihren Maschinen stehen und man ihnen „Abschalten“ zurufe. Eher zeigten sie den Bewohnern den Vogel.

Die hatten sich bereits im April 2011 schriftlich an die Bahn gewandt: „Uns ist bewusst, dass wir direkt an der Bahnstrecke wohnen; ein vorbeifahrender Zug ist für uns kein Problem.“ Anders sehe es mit stehenden Diesel-Loks mit laufendem Motor aus. Für die Ulmer Umweltzone brauchten alle Autofahrer mittlerweile eine grüne Plakette. Eine Lok aber, die im Vergleich zum Dieselauto ein Vielfaches an ungefiltertem Ruß rausbläst, dürfe schier endlos die Luft verpesten.

Wenn man die Ampelanlage ein paar hundert Meter in Richtung Adenauerbrücke versetzte, wo keiner wohnt, so ihr Vorschlag, dann würde das das gesundheitliche Umfeld für die Bewohner entscheidend verbessern.

In ihrer Antwort vom 23. September 2011 ging die Bahn auf diesen Vorschlag erst gar nicht ein. Die beiden Chefs der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB), die den Brief unterzeichneten, versprachen lediglich, ihr „Personal zu sensibilisieren“. „Bisher ohne jeden Erfolg“, sind sich die Leute im Magirushof einig.

„Kein Käufer einer der Wohnungen in dieser Ecke, kein Mieter, der dort einzieht, weiß nicht, dass er vom Zugverkehr beeinträchtigt wird“, sagt heute auf Nachfrage ein Bahnsprecher aus Stuttgart. Den Lok-Stopp vor den Fenstern der Bewohner des Magirushofs 53 zu verlegen sei nicht möglich. „Zudem, es ist auch keiner da, der das bezahlen würde.“ Doch hätten die RAB-Chefs auch ihm noch einmal zugesagt, alles zu unternehmen, um die Lokführer, die auf dem Bahnhof arbeiten, für die Belange der Anwohner zu sensibilisieren.

Und wie sieht es mit dem Ruß aus, den die alten D-Lok innerhalb der Umweltzone in die Luft blasen? „Da bewegen wir uns auf der rechtlich sicheren Schiene“, sagt der Sprecher. Prüfinstanz in der Angelegenheit sei das Eisenbahn-Bundesamt. Alle eingesetzten Lokomotiven seien zum Betrieb zugelassen.

Dem hat auch das Regierungspräsidium Tübingen (RP), das über die Umweltzone wacht und sie zum Jahresbeginn gerade wieder verschärft hat, wenig hinzuzufügen. „Für die Bahn gibt es keine Regelung“, sagt RP-Sprecher Carsten Dehner. „Das war für uns bisher kein Thema.“