Ulm / Amrei Groß Die neue Fachbereichsleiterin Tanja Leuthe will Poesie in die Stadt bringen – und mit neuen Formaten und Aktionen im öffentlichen Raum neue Menschen erreichen.

Wow. Das war die erste Reaktion von Tanja Leuthe, als sie die Stellenausschreibung der Volkshochschule Ulm für eine Fachbereichsleiterin Kultur und Gestalten las. Wow, was für eine interessante und vielseitige Aufgabe. Sie fasste den Entschluss: „Das probiere ich.“

Wow, dachte sich auch vh-Leiterin Dagmar Engels, als die Bewerbung Leuthes auf ihrem Tisch landete: „Was diese Frau alles kann.“ Am 1. März trat Leuthe als Nachfolgerin von Nicole Pflüger ihre neue Stelle in Ulm an. Ein Glücksfall für die vh, daran ließ Engels bei der offiziellen Vorstellung ihrer neuen Mitarbeiterin keine Zweifel: „Wir sind sehr glücklich, dass Frau Leuthe dieses Stellenangebot gesehen und am Ende Ja gesagt hat.“

Vielseitig aufgestellt

Die 36-Jährige sei eine gute Wahl, davon ist nicht nur Engels überzeugt: „Mir haben schon viele zu dieser neuen Fachbereichsleiterin gratuliert.“ Kein Wunder, ist Leuthe doch breit aufgestellt und bestens vorbereitet: In Ulm geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen, kennt sie die Stadt und ihre Menschen. Sie studierte Neuere deutsche Literatur und Kunstgeschichte in Freiburg – „ein absolutes Neigungsstudium“. In ihrer Magisterarbeit beschäftigte sie sich mit NS-Täterfiguren in deutscher Literatur seit der Wende. Dem Studium folgte ein Praktikum im Literaturhaus in München, die vergangenen neun Jahre arbeitete Tanja Leuthe als Programmreferentin in der Internationalen Jugendbibliothek der bayerischen Landeshauptstadt.

Ihr Fokus dort: Brücken bauen zwischen den Kulturen. Leuthe organisierte Schreibwerkstätten, Ausstellungen, Literaturfestivals, offene Lesesonntage für Kinder und Familien. Sie bespielte die Social Media-Kanäle der Bibliothek, hielt Video-Workshops und blickte auf Reisen unter anderem in die Ukraine über den Tellerrand hinaus. Weg wollte sie eigentlich nicht. „Dass ich in Ulm gelandet bin, ist reiner Zufall.“

Was sie an der Volkshochschule vorfand, begeisterte Leuthe: „Ich war baff, wie breit das Programm im Bereich Kultur hier aufgestellt ist“, sagt sie. Mit rund 300 Kursen pro Semester und etwa 120 freien Dozenten sei er ebenso bunt wie vielseitig.

Entsprechend will Leuthe das Rad nicht neu erfinden. „Vieles wird weitergehen“, sagt sie. Ab dem Wintersemester aber will die neue Fachbereichsleiterin mit eigenen Formaten und Aktionen neue Schwerpunkte setzen. „Mein Ziel ist es, dem Stammpublikum weiter gerecht zu werden, gleichzeitig aber auch neue Menschen für Kultur zu begeistern“, erklärt Leuthe. Dazu will sie neue Trends aufgreifen, etwa den Tanzstil „Vogueing“, der die streng linearen und rechtwinkligen Arm- und Beinbewegungen von Model-Posen auf die Tanzfläche bringt. Im Bereich Literatur sollen Genres Einzug ins Programm finden, die bislang eher wenig vertreten sind: Graphic Novels und Lyrik.

Und noch etwas ist ihr wichtig: „Ich will mit der Kultur in den öffentlichen Raum gehen.“ Veranstaltungen und Events an neuen Orten, etwa in Clubs, sollen neue Zielgruppen erschließen, neue Kooperationspartner die Kultur dort hin bringen, wo sonst Partys gefeiert werden. Konkret ist dabei noch nichts – „dazu bin ich zu kurz hier“ –, vieles aber in Planung. Denkbar seien auch Flugblätter, um die Arbeit aus Schreibwerkstätten in die Fußgängerzone zu tragen, oder Stelen mit Poesie vor dem Einsteinhaus.

Um Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen, soll der Bereich Social Media zukünftig eine größere Rolle in der Arbeit der vh spielen. Leuthe denkt dabei an Insta-Walks zu Ausstellungen, in deren Zuge Besucher dazu aufgerufen werden, selbst Inhalte für den auf Fotos und Videos spezialisierten Onlinedienst zu erstellen und hochzuladen.

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Autorin, Musikerin, Künstlerin

Kreativ Tanja Leuthe begeisterte sich schon früh für Kultur: Sie schreibt seit vielen Jahren selbst Lyrik und Poesie. Ihre Arbeiten sind dunkel bis schwarzhumorig, alltäglich bis rätselhaft, gesellschaftskritisch bis subjektiv. Leuthe nimmt regelmäßig bei Lesebühnen teil und veröffentlicht ihre Werke in Anthologien und Zeitschriften. Auch deshalb will sie als Fachbereichsleiterin an der vh „Poesie in die Stadt bringen“. Sie zeichnet, musiziert und schreibt selbst Lieder mit eigenen, englischen Texten.

Live Wer die Künstlerin Tanja Leuthe erleben möchte, hat am 29. Juli die Gelegenheit: Unter der Überschrift „Neue Lyrik auf der Ulmer Schachtel“ präsentiert sie im Rahmen des Sommerprogramms der vh ab 18.30 Uhr eigene Gedichte und Songs.