Ausnahmezustand in Einsingen – wie immer Mitte Oktober, wenn der Hersteller von Materialprüfmaschinen Zwick Roell seine Hausmesse veranstaltet: die Test Expo. Dazu kommen bis Donnerstag 1800 Besucher, die auch umliegende Hotels füllen. Die größte Gruppe stammt – noch vor dem Brexit – mit 135 Teilnehmern aus dem Vereinten Königreich.

Danach rangiert aber schon China mit 85 Besuchern. Frankreich und Italien stellen Delegationen in ähnlicher Größe, aus Russland sind es immerhin fast 50 Messebesucher. Am Mittwoch schaut im stattlichen Festzelt auch OB Gunter Czisch vorbei.

Gastgeber ist Firmenchef und IHK-Präsident Jan Stefan Roell, der am Dienstag auch Erinnerungsfotos mit einer Gruppe aus Taiwan machte und sich über das friedliche Nebeneinander von Menschen aus so vielen Ländern freute. Zum Auftakt am Montag war eine Delegation sogar in einem speziellen nigerianischen Dialekt begrüßt worden.

Glühende Metallproben

Die Test Expo geht aber weit über ein gesellschaftliches Ereignis hinaus und bietet viele technische Neuheiten in der Materialprüfung. Eine Weltneuheit in Kooperation mit der TU München ist demnach eine Maschine, deren Sensor dauerhafte plastische Verformungen exakt auf aufgetretene Temperaturen zurückführt. Eine Zweitonnen-Maschine testet sodann die Material­ermüdung bei neuartigen Wasser-Ablaufgittern aus Plastik für Pflasterflächen. Wiederum kommt Wärme ins Spiel, wenn glühende Metallproben gleichzeitig mechanischer Belastung ausgesetzt werden – wie in der Luftfahrt der Fall, erläutert Roell. Ein eigenes Ausstellungsthema widmet sich der Nachhaltigkeit: mit Tests für Baustoffe aus Beton und Wüstensand, für Recyclingmaterial oder Windkraftflügel aus Verbundstoffen.

Zwick Roell erwartet mit den Maschinen, die bis zu einer Million Euro kosten können, einen leichten Umsatzanstieg auf rund 240 Millionen Euro. Die Schwäche im Inland kann nach Roells Worten im Export kompensiert werden, der eine immer bedeutendere Rolle einnimmt. Daran hängen bei Zwick in Einsingen mehr als 1000 Arbeitsplätze, im Konzern rund 1600. Der Firmenchef hat den Standort am Ortsrand zuletzt durch den Erwerb eines benachbarten Grundstücks arrondiert, auf dem sich früher der Wettbewerber UTS befand.

„Total übertrieben“

Mit Blick auf die heimische Industrie hält Jan Stefan Roell auch die laufende Klimadebatte für „total übertrieben“.  Für ihn geht es darum, ökologische Fortschritte „mit Augenmaß“ und im „Gleichschritt mit Europa“ umzusetzen. Roell zeigte sich nach einer Reise mit der IHK-Vollversammlung nach Brüssel überrascht, welches Verständnis auf EU-Ebene für die Anliegen deutscher Unternehmen herrscht. Es könne auch nicht sein, dass hierzulande das Arbeitszeitgesetz viel schärfer ausgelegt werde als in Österreich, wo auch mal ein Zwölfstundentag möglich ist.

Als Resultat einer Laufaktion, bei der 600 Mitarbeiter und Kunden im Sommer etwa 83 000 Kilometer liefen, spendet Zwick 40 000 Euro an elf globale, wohltätige Organisationen – bis Äthiopien. Regional spendet die Firma 5000 Euro an die Ingenieure ohne Grenzen und in monatlichen Raten 3600 Euro an die Überlebenden der Brandkatastrophe in Blaubeuren-Gerhausen.

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Großer Andrang im Werk und in den Hotels


Messe-Facts Die 1800 Besucher bei Zwick sorgen an vier Tagen für mehr als 2700 Übernachtungen in über 30 Hotels. Zwick hilft auch bei Visa. Im Festzelt werden 6600 Mittagessen serviert. Es gibt 7000 süße Stückle, 6000 Stück Kuchen, 2500 Butterbrezeln. Bei der Messe gibt es 185 Exponate und 65 Workshops. Bereits am Sonntag war der Familientag im Werk in Einsingen mit rund 2500 Besuchern.