Ulm Die Uraufführung zum Jubiläum: "Pläng" ist ein Stück von Nina Ender

Seit 2008 lebt Fay Neary in Ulm. Nun hat sie ein Auftragswerk zum Musikschul-Jubiläum komponiert.
Seit 2008 lebt Fay Neary in Ulm. Nun hat sie ein Auftragswerk zum Musikschul-Jubiläum komponiert. © Foto: Matthias Kessler
MAGDI ABOUL-KHEIR 05.11.2014
Zum Musikschul-Geburtstag gibt es eine ziemlich Ulmische Uraufführung: "Pläng". Den Text von Nina Ender hat Fay Neary vertont.

Die Autorin ist in Ulm aufgewachsen, die Komponistin ist Engländerin, lebt aber seit sechs Jahren in Ulm, gesungen und gespielt wird das Stück von 150 Schülerinnen und Schülern der Ulmer Musikschule. Die "fantastische Reise zum Jubiläum", die sich die Musikschule zu ihrem 50. Geburtstag gönnt, ist eine echt Ulmische. "Pläng" heißt das Stück, das am Freitag uraufgeführt wird.

Wobei diese Reise in Ulm ihren Ausgangspunkt hat, aber in die Ferne führt: bis ins Weltall. Denn Nina Ender, die in Ulm zur Schule gegangen ist, Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin studiert hat und deren kunstvolle Texte ("Die Wissenden") schon an etlichen Theatern des Landes auf die Bühne gebracht wurden, erzählt in "Pläng" von Kindern, die sich auf die Suche nach der verlorenen Musik machen. Das spielt sich dann hauptsächlich im Weltraum ab, wo die Kinder auf die unterschiedlichsten Klangwelten stoßen.

Diese Klangwelten geschaffen hat Fay Neary. Die Komponistin stammt aus Nordengland, hat am Mozarteum in Salzburg, in London und Cambridge sowie an der Ohio State University studiert. Seit 2008 lebt sie in Ulm, denn ihr Mann ist Ulmer, den sie wiederum in Spanien kennengelernt hatte. Ein Lebenslauf also, der bestens zu einer "fantastischen Reise" passt.

Als Komponistin hat Neary zwei Schwerpunkte. Da ist zum einen "post-tonale Kunstmusik", die sich durch eine "offene Haltung zur Tonalität" auszeichnet, wie erst kürzlich im Stadthaus bei der Aufführung ihres Stücks "Death by Bolero" zu hören war. Ihre Einflüsse als Komponistin Neuer Musik? "Ich nehme die ganze Welt der Musik in mir auf", sagt sie; besonders nahe und wichtig seien ihr aber Werke von George Crumb, John Corigliano, Witold Lutoslawski und vor allem von Sofia Gubaidulina - über die russische Avantgarde-Meisterin hat Fay Neary auch ihre Doktorarbeit geschrieben.

Doch da ist noch die andere Seite ihrer musikalischen Seele: Sie macht gern Musiktheater für Kinder. Früher arbeitete sie mal als Musiklehrerin an einer Privatschule in London, erzählt sie, dabei habe sie oft die Möglichkeit gehabt, Kammermusik für Kinder zu schreiben: "Als ich damit erstmal angefangen habe, hat mir das sehr viel Spaß gemacht. Denn so kann ich auch mal tonale Musik komponieren und Musik mit einem Puls, was ich sonst fast nie mache. Es ist wie das Reinspringen in eine andere Welt".

Oder wie in andere Welten: "Pläng" zum Beispiel biete ihr eine lebendige Geschichte, ein Thema, mit dem sie arbeiten könne - im Gegensatz zum oft abstrakten Ausgangspunkt ihrer ernsten Musik.

"Pläng" besteht aus fünf Sätzen, genauer: aus vier großen Sätzen und drei kleinen, die zu einem weiteren großen zusammengefasst werden. Komponiert hat Fay Neary das Stück für sehr große Besetzung: "Ich habe versucht, fast jedes Instrument, das es an der Musikschule gibt, zu verwenden." In jedem Satz, in jeder Klangwelt, stehen einzelne Instrumentenfamilien im Mittelpunkt, jeweils verstärkt durch Klavier und Schlagwerk. Rund 150 Schülerinnen und Schüler der Musikschule sind an den Aufführungen beteiligt. Nach der Uraufführung im Rahmen des Festakts am Freitag, 18 Uhr, wird "Pläng" im November fünf weitere Male gespielt.

Fay Neary, Mutter eines zweijährigen Kindes, ist dieser Tage in ihrer Wahlheimat freilich noch mehr eingespannt. An der Musikschule Neu-Ulm inszeniert sie ihr eigenes Singspiel "Das Gespenst von Canterville" nach Oscar Wilde. 2010 hat sie das Stück komponiert, die Uraufführung war in England, nun folgt am 28. November im Edwin-Scharff-Haus die erste Aufführung der deutschen Textfassung.

Wer mag, kann in diesem Herbst in Ulm und Neu-Ulm also gleich mehrere Reisen in Fay Nearys Klangwelten antreten.