Theater Die Ulmer Theaterwunder-Jahre des Wilfried Minks

Wilfried Minks in seiner Ulmer Zeit.
Wilfried Minks in seiner Ulmer Zeit. © Foto: Archiv
Ulm / Jürgen Kanold 15.02.2018
Der nun verstorbene Wilfried Minks gehörte zu den großen Bühnenbildnern der deutschen Theatergeschichte – und seine Karriere begann in Ulm.

Als die Schauspielerin Hannelore Hoger kurz vor Weihnachten im Forum der SÜDWEST PRESSE von ihrer Ulmer Zeit, vom überregional gefeierten „Theaterwunder“ der Intendanz Kurt Hübner, sprach, fiel natürlich der Name Wilfried Minks. Der Bauernsohn aus dem Böhmischen gehörte zu den großen Bühnenbildnern der Nachkriegszeit; 2010 erhielt er den Deutschen Theaterpreis „Faust“ für sein Lebenswerk. Und wie für Peter Zadek und Co. war auch für Minks das Ulmer Theater in der Wagnerschule der erste Karriereschritt – die Zeit des Experimentierens.

Bereits Hübners Vorgänger Peter Wackernagel hatte Minks nach Ulm geholt, „Viel Lärm um nichts“ war 1958 dessen erste Premiere. Die Dekoration sorgte für Aufregung: Das raumklare, lichte Bühnenbild brachte ihm den Beinamen „Turnhallen-Minks“ ein. 27 Inszenierungen betreute der minimalistisch strenge Bühnenbildner in Ulm bis 1962, hier entwickelte er seine später berühmten weißen Räume.

Wie wichtig ihm diese Zeit war, dokumentierte er in seinem 2012 erschienenen Band „Wilfried Minks – Bühnenbauer“, in dem er sein Leben und Schaffen reflektierte. „Ich habe die Bühnenbilder von ihrer illustrativen Aufgabe befreit und ihnen Autonomie gegeben“, erinnerte sich Minks, der später an großen Häusern auch Regie führte. „Uns störte das Missverhältnis von wackelnden Kulissen zu einem echten Menschen, der einen Text sprach, den man ernst nehmen sollte.“ Gerade auch für Zadeks so berühmte wie berüchtigte Inszenierung der „Geisel“ kreierte Minks eine neue Art „freier und doch realistischer Räume“. Über diese Arbeit erzählte er: „Ich fuhr mit den Bühnentechnikern in einem gemieteten Lastwagen zu Schrotthandlungen und Altwarenhändlern. Dort besorgten wir echte Fenster, Türen und Geländer. Die wurden auf die Podeste und Stufen montiert. Die Realität war gekippt.“

Theatergeschichte ist das. Jetzt ist wieder ein Protagonist des Ulmer „Theaterwunders“ gestorben: Wilfried Minks im Alter von 87 Jahren.