Ulm Die Ulmer OB-Kandidaten über die Rolle ihrer Partei

Ulm / IGOR STEINLE 31.10.2015
Parteilogos sucht man meist vergeblich – die OB-Bewerber präsentieren sich als unabhängige Kandidaten. Aber welche Rolle spielt ihre Partei wirklich?
Die einen suchen größtmögliche Distanz, die anderen bekennen sich zu ihrer Partei. Wie stehen die OB-Kandidaten im Einzelnen zu ihren Parteien?

Gunter Czisch
Der Erste Bürgermeister ist seit 32 Jahren CDU-Mitglied. Das Wertefundament der Christdemokraten „prägt mich seitdem“, sagt er. Er betont jedoch, dass sein Wahlprogramm auf ihn zugeschnitten sei. Entstanden sei es in Diskussion mit seinem Wahlkampfteam, dem mit Barbara Münch zum Beispiel auch Vorstandsmitglieder des Ulmer CDU-Stadtverbands angehören. Laut eigener Aussage finanziert er sein Wahlkampfbudget von etwa 120.000 Euro aber zur Gänze über Spenden und aus eigener Tasche.

Anja Hirschel
„Die Punkte, die in meinem Programm stehen, entsprechen eins zu eins dem Parteiprogramm“, sagt die Kandidatin der Piraten. Sie hebt zwar hervor, in der Gestaltung ihrer Schwerpunkte komplett frei gewesen zu sein, das Programm der Piraten spreche ihr aber „aus dem Herzen“. Auch ihr Budget in Höhe von 950 Euro stammt komplett von ihrer Partei.

Martin Rivoir
Der Sozialdemokrat distanziert sich am deutlichsten von seiner Partei. Auf die Frage, ob die SPD ihn bei der Erstellung seines Programms unterstützt hat, antwortet er: „Nein, das ist mein Programm.“ Die Themen darin könne man nicht einer Partei zuordnen. Doch auch bei ihm gilt, dass mit Holger Oellermann mindestens ein führender Kopf aus dem SPD-Stadtverband Teil des Wahlkampfteams ist. Laut eigenen Angaben steuert die Partei voraussichtlich 5000 Euro zu seinem 70.000 Euro hohen Wahlkampfbudget bei.

Birgit Schäfer-Oelmayer
„Die Partei spielt für mich immer eine Rolle“, sagt die Kandidatin. Nach 16 Jahren im Gemeinderat für die Grünen „sind die Themen für mich gesetzt“, so die Mutter von sechs Kindern. Zudem zeuge die Wahl ihrer Pressesprecherin Manuela Rettig in den Kreisvorstand „von guter Vernetzung in die Partei“. Das Wahlprogramm hat sie ebenfalls zusammen mit der Partei erarbeitet. Zudem steuern die Grünen 10.000 Euro zu ihrem Wahlkampfbudget von insgesamt 24.000 Euro bei.

Fazit
Während Czisch und Rivoir stets betonen, dass sie unabhängige Kandidaten sind, machen die Kandidatinnen Hirschel und Schäfer-Oelmayer keinen Hehl aus ihrer Nähe zur Partei. Wie die Kandidaten ihre Aufgabe im Falle eines Wahlsieges tatsächlich gestalten, wird man erst nach dem 29. November sehen.

Ihre andere Seite: Jugend-Bildnisse

Bei der OB-Wahl am 29. November dürfen auch 2000 Jugendliche ab 16 Jahren erstmals ihre Stimme abgeben. Doch wer ist der richtige Kandidat für die Erstwähler? Welche Themen brennen Jugendlichen in Ulm unter den Nägeln? Was möchte der oder die künftige OB für die Jugendlichen tun?

Eine Woche lang waren die Mitglieder des Ulmer Jugendparlaments unterwegs, um diesen Fragen nachzugehen. Die Schülerinnen und Schüler haben Leute befragt, Informationen gesammelt und die OB-Kandidaten interviewt.

Entstanden ist ein spannendes Storytelling-Projekt mit interessanten Texten, vielen Videos und überraschenden Jugend-Bildnissen der Kandidaten. Von dieser Seite haben Sie Gunter Czisch, Martin Rivoir, Birgit Schäfer-Oelmayer und Anja Hirschel mit Sicherheit noch nicht gesehen. Und natürlich hat der Amtsinhaber das letzte Wort. Was OB Gönner seinem Nachfolger wünscht, erfahren Sie im Internet.