Abfall Die Stadt, der Müll und der Döner

Symbolbild.
Symbolbild. © Foto: SWP Archiv
Ulm / Harald John 07.12.2017
Die Forderung der FWG, mit 50.000 Euro einen zusätzlichen Frühjahrsputz zu initiieren, schlägt Wellen. EBU-Chef Potthast erklärt, was die Stadt bisher schon alles reinigt.

Der Winter hat gerade erst begonnen, da denken die Freien Wähler schon über den Frühjahrsputz nach. Die Fraktion von Reinhold Eichhorn will den Entsorgungsbetrieben Ulm (EBU) 50.000 Euro bereistellen, damit die Mitarbeiter die Stadt mal richtig durchputzen können.

50.000 Euro würde EBU-Geschäftsführer Michael Potthast sicher nicht ablehnen, allerdings weist er darauf hin, dass alle Zahlungen zweckgebunden sind. „Und wir machen schon einen Frühjahrsputz, auch wenn das bei uns anders heißt“, sagt Potthast. Deshalb müsse die Stadt definieren, was mit zusätzlichen Geldern geschehen solle. Allein im laufenden Jahr hat die Stadt für Straßenreinigung und Räumdienst im Winter knapp 3,4 Millionen Euro überwiesen. Diese Zahl kann von Jahr zu Jahr variieren, erklärt der EBU-Geschäftsführer. So fiel im letzten Winter der erste Schnee erst Anfang Januar, in diesem Winter waren die 25 Räumfahrzeuge schon im November unterwegs. Das treibe die Kosten. Zweimal jährlich werde die ganze Stadt kräftig durchgeputzt, „Tunnelreinigung“ heißt das bei den Profis.

Aber ist Ulm denn eine saubere Stadt? „Die Wahrnehmung über die Verschmutzung der Stadt ist naturgemäß unterschiedlich“, sagt Michael Potthast. „Einer stört sich an einem Haufen nassen Laub, ein anderer an hingeworfenen Zigarettenkippen.“ Allerdings ändere sich die Art der Vermüllung. Waren vor Jahren noch viele Kaugummis und Zigarettenfilter auf den Straßen Hauptärgernis, so machte zuletzt die To-Go-Kultur den Mitarbeitern Sorgen. Dazu zählten nicht nur weggeworfene Pappbecher, sondern auch das achtlos entsorgte Essen. So fänden sich an Straßenrändern und in Gebüschen oft ganze Döner oder Pizzen. Aber auch die wärmeren Sommer sorgen für mehr Müll: Immer mehr Menschen verbringen die Abende und Nächte draußen, grillen, feiern – mit den entsprechenden Folgen in Parks und an den Donauufern.

In 19 Reinigungsbezirke hat die EBU Ulm unterteilt. „Fußgängerzonen reinigen wir täglich, Ortschaften zweimal im Jahr“, sagt Potthast. Wobei die Fahrer der acht Kehrmaschinen selber entscheiden könnten, wie ihre Reinigungstour abgefahren wird. Zusätzlich sind in neun Bezirken Arbeiter mit Besen und Eimer unterwegs, „manuelle Reinigung“ nennen das die Profis.

Auch bei den SWP-Lesern ist das Interesse am Thema Müll hoch. So schreibt Jürgen Franke: „Es fällt mir immer wieder auf, dass beispielsweise an Sitzbänken keine Abfalleimer sind, beziehungsweise die Abfalleimer überfüllt sind und dann der Abfall daneben hingelegt wird.“ Dem hält der EBU-Chef die Zahl von 1200 Abfalleimern allein im Stadtgebiet entgegen. Franke schreibt weiter: „Ich habe bei der EBU schon wilden Müll gemeldet. Da ist es immer schwierig, die genaue Lage zu beschreiben. Wenn es eine EBU-Appp gäbe, könnte man das besser markieren.“

Dazu steuert SWP-Leserin Katharina Beier eine Idee bei. Sie schlägt einen WhatsApp-Service vor (mehr im Leserforum auf Seite 20), mit dem das Foto der Verschmutzung und der Standort versendet werden. Diese App könne, so Beier, etwa im Rahmen der „Jugend forscht“-Reihe entwickelt werden. Und noch eine Idee steuert sie bei: Mit einem Flaschenring um die Müllereimer könnten Pfandsammler die Flaschen besser einstecken, ohne sich zu verletzen.

100

Hundekotstationen gibt es in der Stadt, sie werden regelmäßig von 35 Mitarbeitern geleert. Seitdem ist die Situation mit „Tretminen“ viel besser geworden.

25

Räumfahrzeuge sind in diesen winterlichen Wochen unterwegs. Auf Durchfahrtstraßen setzt die Stadt auf Salz, auf Gehwegen sollten Bürger aber lieber zu Sand greifen.