Kultur Die Sommerlichen Ulmer Musiktage präsentieren die Macht der Musik

Mit einer konzertanten und getanzten Aüfführung von Christoph Willibald Glucks "Orpheus und Euridice" unter der Leitung von Albrecht Haupt endeten die 33. Sommerlichen Ulmer Musiktage in der Pauluskirche.
Mit einer konzertanten und getanzten Aüfführung von Christoph Willibald Glucks "Orpheus und Euridice" unter der Leitung von Albrecht Haupt endeten die 33. Sommerlichen Ulmer Musiktage in der Pauluskirche. © Foto: Oliver Schulz
SIBYLLE SCHÄFER 04.08.2015
Das war ein fulminanter Schlusspunkt der Sommerlichen Ulmer Musiktage: In der Pauluskirche wurde Glucks Oper "Orpheus und Euridice" aufgeführt - konzertant und vom Uni-Ballett getanzt.

"Bist du's Orpheus? Ist's Täuschung? Ist's Wahrheit? Wie, ich lebe?" Mit solch aufrichtigem Erstaunen reagiert Euridice, als sie Orpheus erblickt, der sie durch seine Klage und Musik wieder zum Leben erweckt hat. Es ist der berühmte, bis in die Antike zurückgehende Tragödienstoff, der die Grundlage für Christoph Willibald Glucks anrührende Ballettoper "Orpheus und Euridice" bildet, die zum Abschluss der 33. Sommerlichen Ulmer Musiktage in der Ulmer Pauluskirche zur Aufführung kam.

Dabei stand der gelbe Sonnenblumenstrauß, den Dirigent Albrecht Haupt unter dem Jubel des Publikums am Ende in Empfang nahm, geradezu sinnbildlich für die enorme Strahlkraft der Darbietung. Gemeinsam mit der Ulmer Kantorei, der Camerata Ulm und dem Uni-Ballett, hatte Haupt eine sommerlich-frische und doch bis ins Detail ausgereifte Ballettoper in das Gotteshaus gezaubert.

Die etwas gekürzte und konzertante Version überzeugte von den ersten Takten an durch atmosphärische Dichte und eine geglückte Verwobenheit von Musik und Tanz. Mal grazil-zerbrechlich, mal rasend-furios, unterstrichen die Tänzerinnen die Klangeindrücke und den Handlungsverlauf meisterhaft in ihren zehn getanzten Sätzen. Auch das Zusammenspiel der Ulmer Kantorei mit der Camerata Ulm brachte gekonnt Stimmungen und Gefühle zum Ausdruck: wunderbar träumerisch-sehnsuchtsvoll der bekannte Satz "Der Reigen seliger Geister". Die solistischen Parts hatten der Berliner Countertenor Georg Bochow (Orpheus) sowie die Sopranistinnen Catherina Witting (Euridice) und Sabine Wick (Amor) übernommen. Mit klarer Intonation und Stimmkraft gelang es Bochow, den Vorgaben der Gluck'schen Reformoper gerecht zu werden und deren direkter Natürlichkeit und Wahrheit gewandt zu folgen. Auch Catherina Witting und Sabine Wick erweckten Euridice und Amor kongenial zum Leben.

Es ist dem Zeitalter der Aufklärung zu verdanken, dass das Drama von Orpheus und Euridice am Sonntagabend in der Pauluskirche ein glückliches Ende nahm. Da der tragische Ausgang damals unerträglich schien, besitzt in Glucks Fassung der Liebesgott Amor die Macht, das Schicksal zu einem guten Ende zu bringen, damit Orpheus und Euridice doch noch gemeinsam ins Leben zurückfinden können. So erlebten die Zuschauer am Sonntagabend quasi ein doppeltes "Happy End": einen rundum gelungenen Opernabend mit frohgemuten Protagonisten.

Erste Bilanz

Rekorde Christoph Denoix, der Leiter der Sommerlichen Ulmer Musiktage, hat eine erste höchst positive Bilanz des Festivals gezogen. Bei zwölf Konzerten waren rund 500 Mitwirkende im Einsatz. Darunter waren auch drei Ensembles mit Schülern und Studenten. Zudem waren von der Kammermusik bis zum groß besetzten Oratorium oder der konzertanten Oper die unterschiedlichsten Genres vertreten. Rekordverdächtig waren die Zuhörerzahlen. Rund 2000 Zuhörer reisten auch bis in die weiter entfernten Konzertorte in den Landkreisen Biberach und Günzburg an.

Finanzen Auch wirtschaftlich ist alles im grünen Bereich. Der Anteil an Eigen- und Drittmitteln ist weiter gestiegen. Ulm und Neu-Ulm, die Landkreise Alb-Donau und Neu-Ulm, sowie das Land unterstützen seit Jahrzehnten die Biennale. Ulm hat seine Zusage bereits bis 2018 verlängert.